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US-Experte: Direktmailing erreicht passive Wähler

Joe Hansen
Joe Hansen
Zum Thema „Direct Mail“ hat Joe Hansen, einer der ausgewiesenen Experten der Demokratischen Partei auf diesem Gebiet, auf einer Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Initiative ProDialog in Berlin referiert. Hansen ist Teilhaber der Direct Mail-Agentur Ambrosio, Muir & Hansen und war als Berater und Wahlkampfmanager für demokratische US-Politiker wie unter anderem Bill Clinton, Al Gore und John Kerry tätig. Ausgestattet mit diesem reichhaltigen Erfahrungsschatz gestaltete Joe Hansen einen überaus interessanten Vortrag und ermöglichte seinen Zuhörern einen Einblick in die neuesten Trends im Bereich Wahlkampfmethodik und insbesondere im Segment „Direct Mail“.

In seinem Vortrag ging Hansen ausführlich auf die verschiedenen Arten von Direct Mail ein und beschrieb, warum die direkte Ansprache der Wähler noch so erfolgreich ist. In modernen Wahlkämpfen machten die Kandidaten exzessiven Gebrauch von Direct Mail zum Zwecke von Fundraising und der Kommunikation mit dem Wähler. Dabei würden mittlerweile hoch entwickelte Technologien und Datenbanken dazu eingesetzt, Sendun-gen an potentielle Wähler zu richten, die durch ihre Verbindung zu Parteien, Interessen oder Ideologie als Unterstützer eines Kandidaten ernsthaft in Frage kommen. Der Inhalt dieser Wurfsendungen reiche von themenspezifischen Briefen bis zum Wahlaufruf mit beigefügter Wegbeschreibung zum Wahllokal. Hansen erläuterte auch wichtige Details zu den jeweiligen Arten von Wurfsendungen. So ging er unter anderem auf die zum Errei-chen des Wählers essentielle Prägnanz ein.

Diskussionsstoff Direktmailing
Diskussionsstoff Direktmailing
Die große Bedeutung von Direct Mail im amerikanischen Wahlkampf verstand Hansen an zahlreichen Beispielen anschaulich zu verdeutlichen. Ein großer Vorteil des Systems bestünde bespielsweise darin, dass Direct Mail keinen von vorneherein aktiven Wähler voraussetze. Der potentielle Wähler müsse auch nicht interessiert sein, sondern im Grund lediglich dazu gebracht werden, die kurze Nachricht zu lesen und zu verarbeiten und den Brief nicht sogleich im Papierkorb verschwinden zu lassen. Auch im Bereich Fundraising werde die große Bedeutung von Direct Mail sichtbar: Da sich die Spendeneinkünfte der Wahlkampagnen typischerweise zu einem erheblichen Teil aus Beiträgen von zahlreichen Kleinspendern im Bereich von 25 bis 50 US-Dollar zusammensetze, müsse eine effiziente Ansprache und Rekrutierung dieses Personenkreises sichergestellt werden. Dies leiste Direct Mail bislang sehr erfolgreich.

In Anschluss an seinen Vortrag fand eine intensive Diskussion statt. Die Frage der An-wendung in europäischen Wahlkämpfen konnte Joe Hansen entschieden bejahen. Gerade kleine Parteien, bei denen bei einer Wahl schon ein oder zwei Prozent über den Erfolg oder gar den Einzug ins Parlament entscheiden, sollten stärker „Direct Mailing“ anwen-den. Noch erfolgreicher sei diese Methode in Zusammenhang mit “Microtargeting“, wobei es hier jedoch Datensätze bedürfe, welche in Deutschland aufgrund der strengen Daten-schutzbestimmungen nur schwierig zu erheben seien. Nichtsdestotrotz seien jedoch auch in Deutschland relevante Wählerdaten zugänglich, mit denen sich eine effiziente Direct Mailing Kampagne durchführen lasse.

Im Rahmen der Diskussion ging Hansen auch auf den gegenwärtigen US-Wahlkampf ein und erläuterte die große Rolle des Internets im Wahlkampf Barack Obamas. Hansen un-terstrich, dass durch den enormen Enthusiasmus und das Interesse an Obamas Kandida-tur in insbesondere jungen amerikanischen Wählerschichten das Internet als Motor seiner „Grass Roots“ Bewegung gilt. Das Internet spreche aber nur aktive Teilnehmer im politi-schen Prozess an und nicht den passiven Wähler. Diesen erreiche man nur durch Direct Mailing.
letzte Änderung: 03.09.2009


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