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Türkeibeitritt: Stipendiaten skizzieren ihre Position

Am Beitritt der Türkei zur Europäischen Union scheiden sich die Geister. Die Konfliktlinien und Diskussionstränge der Debatte sind komplex. In der Debatte überschneiden sich Themen wie das Selbstverständnis der EU, ihre strategische Ausrüstung, Fragen der wirtschaftlichen Machbarkeit, die Entwicklung der demokratischen Institutionen in der Türkei und der EU sowie Fragen nach den jeweiligen Identitäten.

Im Seminar „Die Türkei im europäischen Integrations- und Erweiterungsprozess“ in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach haben die Stipendiaten in Zusammenarbeit mit dem Liberalen Institut eine Skizze ihrer liberalen Perspektive zu diesem Thema entworfen. Aufbauend auf das vielschichtig vorhandene Vorwissen diskutierten die 20 Seminarteilnehmer ihre Perspektiven mit diversen internationalen Referenten.

Der Einstieg und erster Höhepunkt für das Seminar war ein Gesprächsabend mit Dr. Jorgi Chatzimarkakis als liberaler Vertreter aus dem Europäischen Parlament, Dr. Jürgen Wickert, Leiter des Büros zum Internationalen Politikdialogs Brüssel, Herr Dr. Doering, Leiter des Liberalen Instituts und Herr Jörg Dehnert, dem zukünftigen Leiter des Regionalbüros der Naumann Stiftung in Istanbul. In dieser Runde wurden kontroverse Meinungen, die Positionen der politischen Gruppen im Europäischen Parlament zum EU-Beitritt der Türkei und deren Hintergründe diskutiert.

Zur weiteren Vertiefung hatte die Stipendiateninitiative Repräsentanten verschiedener wissenschaftlicher Institute und Organisationen eingeladen. Die Referenten diskutierten die Herausforderungen und Chancen des Türkeibeitritts in den Themenbereichen Wirtschaft und Politik, Zivilgesellschaft, und Identität und Grenzen der EU. In einer Reihe von drei Vorträgen hinterfragte zuerst Kerstin Laabs vom Istanbul Policy Center den politischen Reformprozess in der Türkei. Andreas Marchetti vom Zentrum für europäische Integrationsforschung diskutierte die geostrategische Bedeutung des Türkeibeitritts für die EU. Abgerundet wurde der Einblick in diesen Themenbereich durch eine Diskussion über die wirtschaftlichen Effekte auf die Europäische Union mit Herrn Yildirim vom Zentrum für Türkeistudien.

Demir Murat Seyrek vom ARI Movement aus Brüssel veranschaulichte die Arbeit der türkischen NGO in Brüssel und die derzeitigen Herausforderungen im Beitrittsprozess. Timur Kandaz, Universität Bonn, schlug die Brücke von Brüssel in die Türkei und analysierte die Herausforderungen und die Rolle der türkischen Zivilgesellschaft innerhalb des Beitrittsprozesses.

Im dritten Block stellte Ellen Madeker, Otto-Friedrichs-Universität, Bamberg die Frage, ob die Türkei - (k)ein Teil Europas ist. In ihrem Vortrag präsentierte die Altstipendiatin ihre soziologischen Überlegungen zur Debatte der europäischen Identität. Martina Warning, Altstipendiatin und Absolventin des Berliner Postgraduiertenstudiengangs in Europawissenschaften, griff diese Ideen auf und diskutierte die Nachbarschaftspolitik der Europäischen Union als eine der möglichen Alternativen zur Vollmitgliedschaft.

Im Anschluss an dieses vielschichtige Programm, das von intensiven und kontroversen Diskussionen begleitet wurde, waren die Teilnehmer gefragt, gemeinsam ihre liberale Position zu skizzieren. Dieser Herausforderung wurde nur zu gerne angenommen und es gelang ein dezidiertes Positionspapier zu entwickeln, das neue Ideen und Anstöße für diesen vielschichtigen Beitrittsprozess und die liberale Positionierung dazu gibt.

Der Text des Positionspapiers steht hier zum Download zur Verfügung.

Kontakt: Gordon Wilmsmeier (wilmsmeier@aol.com)
letzte Änderung: 12.09.2008


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