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Treibhäuser der Zukunft - wie in Deutschland Schulen gelingen

Michael Wilhelmi, Mieke Senftleben, Dr. Peter Altmiks, Dr. Ernst Brenning (v.l.)
Michael Wilhelmi, Mieke Senftleben, Dr. Peter Altmiks, Dr. Ernst Brenning (v.l.)
Die Filmdokumentation „Treibhäuser der Zukunft“ und die anschließende Podiumsdiskussion in der Humboldt-Universität zu Berlin verdeutlichten, dass Schulen nur dort gelingen können, wo Freiräume für die Beteiligten geschaffen werden und Politik und Verwaltung sich aus der Umsetzung vor Ort heraushalten.

Filmvorführung
Filmvorführung
Ausgangspunkt der vom Büro Berlin-Brandenburg organisierten Veranstaltung war die Filmdokumentation „Treibhäuser der Zukunft – wie in Deutschland Schulen gelingen“. Der Journalist und Filmautor Reinhard Kahl zeigt mit den Porträts verschiedener Schulen, die bereits heute andere Wege gehen, wie aus Schulen wieder Lebensorte werden können, in denen Schüler Spaß am Leben und an der Leistung haben. Beispiele dafür sind die Bodensee-Schule St. Martin Friedrichshafen, die Montessori-Gesamtschule Potsdam und die Jenaplan-Schule Jena, deren Erfolg in der Individualisierung und Förderung von Kooperationen gesehen wird.

Mieke Senftleben
Mieke Senftleben
Auf dem Podium bekräftigte Mieke Senftleben MdA, bildungspolitische Sprecherin der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus, die Forderung nach höherer Qualität durch mehr Freiheit an den Schulen. Für diese elementare Notwendigkeit verlangt sie eine von der Trägerschaft unabhängige ausreichende Pro-Kopf-Finanzierung gemäß den Schülerzahlen. Sie sprach sich gegen die „aufgeblähte“ Berliner Schulverwaltung aus, welche ineffizient sei und Aufgaben übernommen habe, die besser in den Schulen erledigt würden. So seien z.B. die 100 Stellen für die bezirklichen Personalräte im Schulbereich kontraproduktiv. Die Interessen des Personals würden besser in den Schulen vor Ort wahrgenommen. Die Lehrerschaft zu motivieren, zu begeistern, um Neues in der Schule zu wagen, das sei für sie die Herausforderung in der Bildungspolitik.

Michael Wilhelmi von der Freien Waldorfschule Kreuzberg erklärte, dass schon Wilhelm von Humboldt in seiner 1792 erschienenen Publikation „Ideen zu einem Versuch die Grenzen der Wirksamkeit des Staates zu bestimmen“ die Freiheit für Schulen als Reaktion auf das Preußische Landrecht begründet habe. Die damaligen Eingriffe des Staates zielten auf eine Neutralität gegenüber kirchlichen Schulen und auf die „Formung“ des Menschen. Heute sei dieser Gedanke überholt, der Staat enge jegliche Freiheit, die für das Gelingen von Schulen elementar ist, ein. Wir seien heute in einer Wissens- bzw. „Kreativ“-Gesellschaft und die Gesellschaft forme sich aus sich selbst heraus und nicht der Staat. Freie Schulen würden heutzutage gegängelt und deren Entstehen von der Politik gehemmt. „Und trotzdem zeigt die Praxis“, so Wilhelmi, „dass der Wechsel von der Fremd- zur Selbstverwaltung des Bildungswesens zwingend geboten ist.“

Dr. Peter Altmiks, Dr. Ernst Brenning (von links)
Dr. Peter Altmiks, Dr. Ernst Brenning (von links)
Der Elternsprecher für die Eltern der Freien Schulen und stellvertretende Kuratoriumsvorsitzender der evangelischen Schulstiftung Dr. Ernst Brenning forderte gegenseitige Achtung von Schülern und Lehrern, denn sie sei die Grundlage für eine kreative Atmosphäre. Schulen müssten auch zu Werten erziehen und diese selber vorleben. Brenning berichtete, das die evangelische Schulstiftung der Politik vor einiger Zeit ein verlockendes Angebot gemacht habe, die auch den Vorwurf der die bessere Leistung erklärenden Schülerselektion widerlegt: Es könnte eine Evangelische Schule in Kreuzberg gegründet werden, die jeden Schüler aufnimmt, wenn der Bezirk/Senat diese Schule mit den gleichen Mitteln ausstattete, wie die staatlichen Schulen. Die herrschende Politik sei nicht darauf eingegangen. Er konstatierte: „Man kann eine ganze Menge bewegen, man muss es nur tun.“

Der bildungspolitische Referent der Friedrich-Naumann-Stiftung Dr. Peter Altmiks fasste die Veranstaltung zusammen und brachte die Forderung nach höherer Qualität an den Schulen durch die Einführung von Bildungsgutscheinen, die einhergingen mit mehr Freiheit, auf den Punkt.

Jeannette Hassenmeier
Büro Berlin Brandenburg
letzte Änderung: 12.09.2008


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