Thailand: Der seltsam ruhige Putsch
Ein Bericht von Girawadee Khao-orn, Program Officer des Thailand-Projekts der Friedrich-Naumann-Stiftung vom 22. September 2006

Soldaten bewachen strategisch wichtige Punkte Als ich am Dienstag kurz nach 21 Uhr einen Anruf von einer Freundin bekam, war ich gerade dabei schlafen zu gehen. Sie sagte, ich solle sofort das Fernsehen einschalten, das Militär hätte geputscht! Meine ersten Gedanken waren...es muss ein Irrtum sein...das glaube ich nicht!!??
Als ich dann in allen Fernsehkanälen ununterbrochen Königslieder hörte und Bilder von König und Königin sah, wußte ich, daß das Militär die Macht an sich gerissen hat. Nur das Militär kann in diesem Land alle staatlichen und privaten Fernsehkanäle, CNN und BBC inklusive, kappen. Meine nächste Überlegung war: Welches Militär hat geputscht, das Premierminister Thaksin nahe stehende Militär oder das ihm kritisch gegenüberstehende?
Kurz vor Mitternacht kam dann die erste Erklärung des Armeechefs Sonthi Boonyaratkalin, dem Anführer des sogenannten „Rates für Demokratische Reform unter der konstitutionellen Monarchie“. Sonthi gilt als Gegner des Premiers. Nach seinen Angaben hatte das Militär die Macht übernommen. Die Verfassung, das Verfassungsgericht, das Kabinett und der Senat seien aufgelöst. Bei Abgabe seiner Erklärung wurde General Sonthi von den Kommandeuren der Marine, Luftwaffe, Polizei und dem Oberkommandierenden der Streitkräfte flankiert.

Die aktuellen Ausgaben der Zeitungen sind begehrt in Bangkok Der Staatsstreich sei nötig gewesen, um Korruption, nationale Zerstrittenheit und die Unterwanderung unabhängiger Behörden zu beenden, für die Regierungschef Thaksin Shinawatra verantwortlich sei. In einer späteren Erklärung versicherten die Generäle, spätestens in zwei Wochen die Macht an eine zivile provisorische Regierung zu übergeben. Bis dahin solle darüber hinaus eine Übergangsverfassung erarbeitet und ein Premierminister für eine Übergangsregierung gefunden werden.
Es ist das erste Mal, dass ich einen Putsch direkt miterlebe. Beim letzten Putsch in Thailand vor 15 Jahren befand ich mich noch in Deutschland. Einer meiner Landsleute beschimpfte mich, die Tochter eines Soldaten, damals als Tochter eines Mörders. Die Bilder von schwer bewaffneten Soldaten, die auf wehrlose Demonstranten losgingen und ihre Versammlungen blutig auflösten, gingen um die ganze Welt.
Als ich jetzt im Fernsehen die Bilder von Panzern und voll ausgerüsteten Soldaten sah, bekam ich Angst. Wird es Tote und Verletze geben, wird Thailand wieder von einem militärischen Regime beherrscht und bedeutet es das Aus für die Demokratie in Thailand? Zumindest meine erste Frage wurde beantwortet. Es gab keine Toten und Verletzten. Der Staatsstreich traf auf keinen Widerstand und es wurde kein einziger Schuß abgegeben.





