Tag der deutschen Sprache
Prof.Dr. Schmitz und Prof.Dr. Krämer „Was gegenwärtig mit der deutschen Sprache geschieht, speziell die Verdrängung durch das Englische aus immer mehr Bereichen unseres Lebens, ist mehr als nur ein Pausenthema für Deutschlehrer. Es geht uns alle weit mehr als die meisten glauben, auch die Wissenschaft und vor allem die Wirtschaft.“ Mit diesen Worten eröffnete der Vorsitzenden des Vereins Deutsche Sprache e.V., Professor Dr. Walter Krämer (Universität Dortmund), eine Veranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung zum „Tag der deutschen Sprache“ am vergangenen Samstag im Goethehaus am Großen Hirschgraben in Frankfurt am Main.
In den Mittelpunkt seines Themas „„Deutsch oder Denglisch – die Sprache Goethes und Schillers auf dem Weg zu einem regionalen Pidgin-Dialekt“ belegte Krämer den von ihm beklagten Sprachverfall und die kulturelle Selbstaufgabe an vielen, in ihrer Absurdität bestechenden Beispielen. Die deutsche Sprache leide unter einer „extremen Illoyalität“ all derer, die das Deutsche zunehmend mehr zu vermeiden suchten.
„Der moderne Modell-Germane joggt, jumpt, trekkt, walkt, skatet oder biket, hat fun und feelings, moods und moments, sorrows und emotions und scheint vor nichts auf der Welt solche Angst zu haben, als davor seine eigene Sprache zu benutzen. – Deutsch zu sprechen ist vielen Deutschen heute ganz offensichtlich lästig oder peinlich“, so der Träger des „Deutschen Sprachpreises“ Walter Krämer.
Mit seiner Bilanz der „Anglizismenschwemme“ verband der Referent die Überzeugung, dass durch diese „Pidginisierung“ nicht nur die Sprache, sondern auch das Denken leidet. Sprache ist mehr als nur eine Benutzeroberfläche, die unserem Gehirn ermöglicht, mit der Umwelt in Kontakt zu treten, sie ist ein Katalysator, ein Motor des Denkens selbst. „Wer keine guten Sätze bauen kann, der kann auch keine guten Computerprogramme und auch keine guten Autos bauen.“ Das Unternehmen Daimler Chrysler habe seit der Einführung von Englisch als Konzernsprache über 20 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Ähnlich verlustreich sei es aus eben diesem Grund auch vielen anderen großen deutschen Unternehmen mit ihren Engagements im Ausland gegangen. Ein Nicht- Muttersprachler, der Englisch redet, sei dem Muttersprachler gegenüber immer im Nachteil.
„In der Sprache BSE (Bad Simple Englisch) kann man weder klare noch innovative Gedanken fassen. Indem wir uns diese moderne Billigsprache überstülpen lassen, werden wir zu Sklaven einer angelsächsischen Denkweise und Weltansicht und geben ohne Gegenleistung unsere eigenen komparativen Vorteile auf, die wir in Deutschland immer noch besitzen“, sagte Krämer. der zugleich nachwies, dass all dies vom Ausland als unwürdiger Anbiederungsversuch und Selbstverleugnung werde.
In seinem Referat „Sprache in modernen Medien“ sah der Germanist, Linguist und Sprachdidaktiker, Prof. Dr. Ulrich Schmitz (Universität Duisburg-Essen) nicht so sehr diese auffälligen und manchmal als anstößig empfundenen Merkmale des sprachlichen Ausdrucks, wie die Anglizismen als tiefen Eingriff in das sprachliche System, als vielmehr grammatische Tendenzen.
Anhand zahlreicher Beispiele aus Presse, Fernsehen und Internet plädierte er dafür, die historischen Bedingungen und deren Folgen zu erkennen und zu verstehen und warb für eine umfassende Sorgfalt im Umgang mit Sprache.
Ein jahrtausendelanger Sprachwandelprozess gehe heute einher mit parallelen Vorgängen auf der kognitiven und medialen Ebene. Traditionelle Textstrukturen in großen Einheiten würden zunehmend abgelöst von Informationspräsentation in kleinen Modulen. Beispiele dafür seien etwa die Titelseiten von Online-Tageszeitungen, wobei sich dies tendenziell davor schon in klassischen Zeitungen und Zeitschriften angekündigt habe.
Identität und Wandel der deutschen Sprache stehen in einem Spannungsverhältnis, das hauptsächlich den jeweiligen Kommunikationsbedürfnissen der Sprachnutzer unterworfen ist, sagte Schmitz. Im großen Maßstab sei dies vor allem eine noch immer beschleunigt wachsende und von den Medien getragene Kommunikationsdichte.
Schrift und Bild werden intensiver miteinander verknüpft, Grammatik werde teilweise vom Design überlagert.
Sprachpflege heute hat erheblich umfangreichere und anspruchsvollere Aufgaben als früher, betonte Schmitz. Es wäre fatal, wenn bewusster Umgang mit sprachlichen Mitteln sich nur auf Rechtschreibung und Anglizismen konzentrierte.
Für den Verein Deutsche Sprache e.V. verwies deren Sprecher Hans-Dieter Dey in dieser mit weit über hundert Gästen gut besuchten Kooperationsveranstaltung auf die eindrucksvolle Zahl von weltweit 25.000 Mitgliedern dieser „größten Bürgerinitiative“.
Der „Tag der deutschen Sprache“ wurde von seinem Verein ins Leben gerufen, um das Bewusstsein für die Schönheit und Ausdruckskraft der deutschen Sprache zu stärken.
Marianne Wagner
Regionalbüro Wiesbaden





