Söltenfuß: Liberalismus ist eine Frage des Lebensstiles
freiraum: Habe ich Sie richtig verstanden, dass Sie ein gesellschaftspolitisches Engagement außerhalb der FDP und in mit der FDP verbandelten Organisationen als gleichwertig betrachten? Oder ganz konkret, wie sieht es zum Beispiel aus, wenn sich ein Stipendiat denkt, dass er sein liberales Engagement vielleicht besser in einer Partei wie der Piratenpartei vertreten könnte? Würde das genau so anerkannt werden wie ein Engagement in der FDP oder würde man dann sagen „Hör mal, wär' vielleicht doch besser, wenn du zur FDP gehst?“
Söltenfuß: Ein gesellschaftspolitisches Engagement in kirchlichen, karitativen und sportlichen Kontexten sehe ich persönlich als vollkommen gleichwertig an zu einem parteipolitischen Engagement zugunsten der Freiheit. Ein politisches Engagement unserer Stipendiatinnen und Stipendiaten in anderen Parteien würde ich allerdings nicht begrüßen. Wenn sich dies häufen würde, dann hätten wir in der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit sicherlich etwas falsch gemacht. Wir müssen die Glaubwürdigkeit für unsere Bildungs- und Handlungspotentiale immer wieder neu belegen. Die Bürgergesellschaft bedarf des vielfältigen Engagements ihrer Bürger auf allen Ebenen. Dies erfordert aber auch Mitarbeit in einer politischen Partei, die die freiheitliche Bürgergesellschaft eindeutig bejaht. Hieraus leitet sich unser Ziel ab, unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten von den Vorzügen liberaler Politik zu überzeugen und zu einer aktiven Teilnahme an dieser Politik in liberalen Organisationen zu befähigen. Die Stipendiaten sollten nach dem Ende der Förderzeit als Botschafter für die Freiheit in ihren jeweiligen Berufsfeldern und in ihrem gesellschaftlichen Umfeld agieren.
freiraum: Vielleicht schon zur letzten Frage: Was unterscheidet Ihrer Meinung nach die Stipendiaten der Stiftung von Stipendiaten anderer Stiftungen?
Söltenfuß: Was die Stipendiaten von ihren Begabungen und Fähigkeiten unterscheidet, das weiß ich nicht. Zumindest gehe ich davon aus, dass auch andere Stiftungen den Wettbewerb um die besten Köpfe betreiben. Wert legen wir allerdings darauf, dass die Stipendiatinnen und Stipendiaten, die zur Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit kommen, Talente sind, die die Idee der Eigenverantwortung und die der Freiheit durch ihre Sozialisation erfahren haben und beginnen, danach zu leben. Liberalismus ist eine Frage des Lebensstiles. Es ist nicht nur eine Frage, die aus Büchern und Theorien besteht. Ein anderer Unterschied könnte sein, dass die Stipendiaten der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit stärker bereit sind, selbstorganisiert Engagement zu zeigen, eigenverantwortlich zu handeln, Leistungselite zu sein. Gerade das Verständnis, zu einer Leistungselite zu gehören, und auch hierfür Vorbild zu sein, begründet möglicherweise den wertemäßigen Unterschied der Stipendiaten in der Begabtenförderung der Stiftung. Es würde mich nicht überraschen, wenn die angeführten Unterschiede in Sozialisation, Lebensstil und Wertehaltung sich als wirklichkeitsnah herausstellten und auch bei den persönlichen Auswahlinterviews eine Rolle spielten.
Zum Schluss möchte ich die Bedeutung der Selbstorganisation betonen, was gerade in der Stiftung für die Freiheit wichtiges Prinzip der Begabtenförderung ist. Das gestalterische Element schafft Freiraum und Kompetenzaufbau. Es motiviert und macht Spaß, wenn man sich selbständig Projekte vornimmt, diese plant, durchsetzt und umsetzt und dabei sich selbst bereichert, indem man in diesem Prozess zusätzliche Fähigkeiten, Fertigkeiten und Wissenselemente gewinnt. Das selbstorganisierte Lernen in Projekten führt auf der individuellen Ebene zur Ausdifferenzierung der inneren und äußeren Freiheit.
freiraum: Dann bedanke ich mich bei Ihnen, dass Sie sich die Zeit genommen haben mit dem freiraum zu sprechen und verbleibe mit der Hoffnung auf eine weiterhin positive Zusammenarbeit.
Das Interview führte Daniel Friedenburg, Chefredakteur des freiraum .




