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"So kriegen wir auch wieder Mediziner in die Uckermark."

Kuratorium und Mitarbeiter im Atrium der Stiftung
Kuratorium und Mitarbeiter im Atrium der Stiftung
Für das Kuratorium der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit hat es sich zur guten Tradition entwickelt, am Vorabend seiner Sitzungen einen prominenten Gast einzuladen. So sprach Carl Christian v. Weizsäcker über die ökonomischen Aspekte eines Nachfolgeabkommens für das Kyoto-Protokoll, Richard Schröder über ostdeutsche Befindlichkeiten zum Jahrestag des Mauerfalls.

Zur diesjährigen Dezember-Sitzung des Kuratoriums gab jemand seine Visitenkarte ab, deren Aufschrift noch vor wenigen Wochen für Augenreiben bei Kuratoriumsmitgliedern und Mitarbeitern der Stiftung gesorgt hätte: "Daniel Bahr, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit". Nicht, dass man Daniel Bahr eine Rolle als Staatsekretär nicht zugetraut hätte – dass die Liberalen jenen Posten aber ausgerechnet im Gesundheitsministerium beschicken würden, hätte kaum jemand prognostiziert.

Begrüßung durch Jürgen Morlok, Vors. des Kuratoriums
Begrüßung durch Jürgen Morlok, Vors. des Kuratoriums
Schon bei den Koalitionsverhandlungen habe sich gezeigt, so Bahr, dass im Nachhinein der großkoalitionäre Kurs in der Gesundheitspolitik bei weit mehr Unionspolitikern Anklang fand, als man es sich vorgestellt hatte. Inhaltlich allerdings, habe sich die FDP dennoch sehr gut durchgesetzt, und "zur Belohnung für erfolgreiche Verhandlungen gleich das Haus bekommen – das war wohl die Rache der Union", scherzte Bahr.

Der 33-jährige frühere JuLi-Vorsitzende referierte für und diskutierte mit den Kuratoriumsmitgliedern und Mitarbeitern fast alle Aspekte der Gesundheitspolitik. Dabei erwähnte er einiges an Pluspunkten, die in diesem viel kritisierten Bereich nicht unter den Tisch fallen dürften: Das deutsche Gesundheitswesen biete mehr als die meisten Konkurrenzveranstaltungen in benachbarten Ländern – freie Arzt- und Krankenhauswahl zum Beispiel, kaum Wartezeiten für Operationen und kaum Bürger ohne Krankenversicherung, jene aber mit einem bemerkenswert hohen Anspruchsniveau.

Daniel Bahr
Daniel Bahr
Dies zu finanzieren werde nicht billiger werden im Laufe der nächsten Jahrzehnte. Die alternde Bevölkerung führe zu Lasten für kommende Generationen. Der medizinisch-technische Fortschritt könne zwar hier und da Einsparmöglichkeiten bringen, vor allem aber Kostensteigerungen. So bleibt die Frage der Finanzierung das Kernthema der Gesundheitspolitik. Das machte auch Bahr deutlich, der forderte, "verschiedene Modelle " zu prüfen und nicht auf der Stelle zu treten. Die Solidarität zwischen Einkommensstarken und –schwachen sei über das Steuersystem gerechter und treffsicherer.

Bahr wies aber auch auf Probleme hin, die in der öffentlichen Diskussion nicht so sehr im Vordergrund stehen: Die Gewinnung von qualifiziertem Nachwuchs gehöre dazu und Wege zu finden, Mediziner von Verwaltungsaufgaben zu entlasten. Er zitierte seinen Minister Philipp Rösler – der habe Arzt werden wollen, um "mit Menschen zu tun zu haben, nicht mit Qualitätssicherungsbögen." Junge Menschen für den Beruf des Arztes zu begeistern, dazu gehöre es auch, über die Eingangsregelungen fürs Studium nachzudenken und soziale Fähigkeiten künftig stärker zu bewerten als die Abiturnote.

Immerhin erwarte das künftige medizinische Personal ein stabiler Arbeitsmarkt, der kaum von Verlagerung ins Ausland bedroht sei und Arbeitsplätze auch abseits der Metropolen. "Mit unserer Politik", erklärte Bahr, "kriegen wir auch wieder Mediziner in die Uckermark."

Boris Eichler
letzte Änderung: 15.12.2009


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