Schwieriges Pflaster für Homo- Bi-, Trans- und Intersexuelle

Südafrika Die südafrikanische Verfassung von 1996 gilt als eine der weltweit liberalsten Verfassungen. Während die Apartheidregierung Homosexualität mit bis zu sieben Jahren Gefängnis bestrafte, garantiert Artikel 9 (3) der Charta der Grundrechte (Bill of Rights), dass keine Person wegen ihres sozialen oder biologischen Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung diskriminiert werden darf. Seit der Verabschiedung der liberalen Verfassung im Jahr 1996 konnte dementsprechend im Bereich der „LGBTI-Rechte“ (Lesbian-Gay-Bisexual-Transgender-Intersex-Rechte) eine ganze Reihe von Erfolgen verzeichnet werden: z.B. die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften, Adoption durch gleichgeschlechtliche Partner und Ehegattenbezüge für gleichgeschlechtliche Partner.
Die Realität für viele LGBTIs in Südafrika straft die progressive Verfassung des Landes jedoch Lügen. Besonders schockierend ist die Gewalt, die jungen, schwarzen, lesbischen Frauen in der Form sogenannter „korrektiver Vergewaltigungen“ angetan wird. Doch auch die offizielle Position der ANC-Regierung gegenüber LGBTI-Rechten ist zunehmend zweideutig.
Die Diskrepanz zwischen den hehren Zielen der südafrikanischen Verfassung einerseits und der deutlich raueren Realität andererseits war Thema des Runden Tisches „Überbrückung der Kluft zwischen konstitutionellen Rechten und realer Homophobie“, den der Thinktank-Partner der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, die Helen Suzman Foundation, gemeinsam mit der Open Society Foundation for South Africa organisierte. Teilnehmer waren der Parlamentarier Andries Nel, Vize-Minister für Justiz und verfassungsrechtliche Entwicklung; der Verfassungsrichter Edwin Cameron; der Gastforscher der Helen Suzman Foundation, Eusebius McKaiser, sowie Ndumie Funa, Aktivistin und Gründerin der gemeinnützigen Organisation Luleki Siywe , die in Kapstadt überlebende Opfer von korrektiven Vergewaltigungen betreut.
Mit großer Leidenschaft gegen korrektive Vergewaltigungen
Als unerschrockene Aktivistin kämpft Ndumie Funa mit großer Leidenschaft gegen korrektive Vergewaltigungen und für Einigkeit unter den verschiedenen LGBTI-Gruppen. Als Sprecherin des Runden Tisches forderte sie von der Regierung aktives Handeln statt leerer Worte. Andries Nel, Vizeminister für Justiz des regierenden African National Congress (ANC), erklärte ausweichend, dass eine Arbeitsgruppe in naher Zukunft Aktivitäten zum Thema aufnehmen solle. Eusebius McKaiser betonte, dass man sich nicht ausschließlich auf körperliche Gewalt gegen LGBTIs konzentrieren dürfe, sondern auch psychische Verletzungen bekämpfen müsse – die vielen Kränkungen, Spötteleien und Vorurteile, welche die südafrikanische Gesellschaft gegenüber LGBTIs vorbringt. Aus den durch derartige Kommentare offenbarten Einstellungen speisten sich die gewalttätigen Handlungen, die Ndumie Funda und ihre Mitstreiterinnen bekämpfen.





