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Mexiko: Scholtyseck erster Theodor-Heuss-Gastprofessor

Prof. Joachim Scholtyseck
Prof. Joachim Scholtyseck
Der Veranstaltungssaal war überfüllt. Studenten und Akademiker wollten den ersten Theodor-Heuss-Gastprofessor der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit an der renommierten Privatuniversität ITAM (Instituto Tecnológico Autónomo de México) und dem führenden Forschungsinstitut CIDE (Centro de Investigación y Docencia Económicas) persönlich kennenlernen. Der Bonner Historiker Joachim Scholtyseck hielt seinen Vortrag in der Bibliothek „Octavio Paz“ in Mexiko-Stadt zum Thema „Vergangenheitsbewältigung des Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1945 und 2007“.

Auch in Mexiko ist das Interesse an der deutschen NS-Zeit ungebrochen. Filme über Deutschland und seine Vergangenheit sind in dem lateinamerikanischen Land Publikumsrenner. Scholtyseck erklärte eindrucksvoll den oftmals kontroversen Umgang der Deutschen mit ihrer Geschichte. Er ging auf den Historikerstreit, die Walser/Bubis-Debatte, die Diskussion um das Holocaust-Mahnmal sowie die jüngste Feuilletonposse um Tom Cruises Filminterpretation des Widerstandskämpfers von Stauffenberg ein. Für Scholtyseck bleibt die akribische Vergangenheitsbewältigung eine politisch notwendige Aufgabe.

Publikum, Dr. Sberro, Martina Klumpp
Publikum, Dr. Sberro, Martina Klumpp
Um das vorhandende Interesse an Deutschland zu vertiefen und dabei liberale Gesichtspunkte in den Vordergrund zu stellen, hat sich die Stiftung für die Freiheit mit den zwei Bildungseinrichtungen zusammengeschlossen, um einen Lehrstuhl ins Leben zu rufen. Einmal im Jahr sind Professoren aus den Bereichen Geschichte, Politikwissenschaft und Wirtschaft zu einem dreiwöchigen Seminar mit mexikanischen Studenten eingeladen. In Erinnerung an den Aufbau eines demokratischen Deutschlands und dem bürgerlichen Liberalismus nach der Nazi-Diktatur ist der Lehrstuhl nach dem ersten Bundespräsidenten Theodor Heuss benannt.

Theodor Heuss
Theodor Heuss
Im Rahmen des Besuchs von Prof. Scholtyseck stellte das CIDE auch seine jüngste Ausgabe der geschichtswissenschaftlichen Zeitschrift „istor“ vor. Die Ausgabe beschäftigt sich mit der aktuellen Erinnerung über Deutschland. Unter anderem steuerte Thomas Hertfelder, der Direktor der Theodor-Heuss-Stiftung in Stuttgart, einen Artikel über Theodor Heuss bei. Für ihn ist die „Renaissance von Bürgerlichkeit“ auch heutzutage noch aktuell. Das gilt auch für das sich transformierende Mexiko, wo sich die Zivilgesellschaft im Aufbau nach über 70 Jahren autoritärer Herrschaft befindet. Daher ist Theodor Heuss’ Wirken durchaus ein gutes Beispiel für heutige mexikanische Politik.

Im Rahmen seines dreiwöchigen Seminars am ITAM lehrte der Zeithistoriker den 30 Studenten die Ursachen für das „Zeitalter der Extreme“. Scholtysecks Schwerpunkte sind das Dritte Reich, hierbei vor allem der Vergleich des Nationalsozialismus mit dem italienischen Faschismus und der Widerstand gegen Hitler, sowie der Kalte Krieg, die DDR und der Terror der RAF in der Bundesrepublik. Ebenso referierte der Professor über die deutsche Wiedervereinigung in einem Vortrag am CIDE. Obwohl viele Studenten außerordentlich gut informiert über die europäische Geschichte sind, ist deutsche Geschichte oder Politik immer nur ein Randthema im Unterricht. Die Studenten lobten daher auch den Unterrichtsstil des deutschen Professors, der viel Platz für Diskussionen liess. In Mexiko ist die akademische Diskussion noch nicht so ausgeprägt, so dass die Studenten der internationalen Beziehungen diese Art zu Lernen äußerst positiv aufnahmen.

Die erste Theodor-Heuss-Gastprofessur hat gezeigt, dass sie einen guten Beitrag leistet, gerade mit jungen Menschen - späteren Multiplikatoren – auf die Vergangenheit zu schauen, um die Gegenwart zu verstehen und die Zukunft demokratisch zu gestalten.

Dr. Thomas Cieslik, Projektkoordinator Mexiko

Den Vortrag „Vergangenheitsbewältigung des Nationalsozialismus in Deutschland zwischen 1945 und 2007“ von Prof. Scholtyseck können Sie hier herunterladen (Format PDF)
Alles über Theodor Heuss
Die Stiftung für die Freiheit in Mexiko
letzte Änderung: 12.09.2008


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