Ethnische Ökonomien als Wirtschaftsfaktor
Rösler Durch Bürokratieabbau und vereinfachte Rahmenbedingungen will der Wirtschaftsminister nicht-deutschen Investoren Geschäfte erleichtern. Dies legte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler auf einer Veranstaltung zum Thema „Ethnische Ökonomien als Wirtschaftsfaktor in Berlin“ dar.
In seinem Referat betonte Rösler die Bedeutung der Ethnischen Ökonomien für die deutsche Wirtschaft. Das Potenzial dieser Ökonomien, insbesondere auch von kleinen und mittelständischen Unternehmen, müsse von der Politik stärker erkannt und gefördert werden.
Bürokratiehemmnisse – wie z.B. verpflichtende Sprachkurse für Investoren – müssten abgeschafft werden, ebenso andere Hindernisse wie die Nicht-Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse. Das „Business-VISA“, was in Kooperation mit dem Auswärtigen Amt im Bereich der Außenwirtschaftsbeziehungen auf der Agenda steht, soll international tätigen Unternehmen die Ein- und Ausreise von Managern erleichtern.
Eine Vielfalt der Herkunft von Mitarbeitern im öffentlichen Dienst und in der Politik sei wünschenswert, so Rösler.
„Von Tante Emma zu Onkel Ali“
In der anschließenden von Corinna Schlag vom Wirtschaftswunder Berlin-Brandenburg moderierten Podiumsdiskussion wurde intensiv über Chancen und Herausforderungen ethnischer Ökonomien in der Metropolregion Berlin-Brandenburg diskutiert.
Zu Beginn stellten die Diskussionsteilnehmer fest, dass der Begriff „Ethno-Ökonomie“ wenig geeignet sei, um die Unternehmenstätigkeit nicht-deutsch-stämmiger Unternehmer zu beschreiben. Viele Unternehmer, so Tarkan Tasyumruk, stellvertretender Vorsitzender von BAREX e.V., fühlten sich längst als Deutsche. Die Herkunft stehe nicht im Vordergrund.
Floeting Holger Floeting vom Deutschen Institut für Urbanistik, stellte das Potenzial der Ethnischen Ökonomien in Zahlen dar: So hätten überdurchschnittlich viele Selbstständige einen nicht-deutschen Hintergrund. Dies gelte insbesondere für italienisch- und griechischstämmige Unternehmer. 12 % der Berliner Unternehmen seien Ethnische Ökonomien, davon wiederum 90% Kleinunternehmen. Der Anteil der ethnischen Ökonomien steige weiter an, wobei generell eine Ungleichbehandlung der Unternehmen aus EU-Ländern und Drittstaaten festzustellen sei.
Die Polnische Ökonomie in Berlin sei stark, gleichzeitig seien die Wirtschaftsbeziehungen mit Polen aufgrund der geographischen Nähe sehr hoch, die Arbeitnehmerfreizügigkeit erleichtere zudem vieles..
Die Türkische Ökonomie habe es verstanden, sich durch Vernetzung und Schaffung von Verbandsstrukturen Gehör für ihre Anliegen zu schaffen. Dies könne auch für die Vertiefung der Außenwirtschaftsbeziehungen mit der Türkei genutzt werden.
Funktion des Brücken-Bauens
Auch Christoph Meyer MdA, Vorsitzender der FDP-Fraktion im
Meyer Abgeordnetenhaus von Berlin, plädierte dafür, das Potenzial der Ethnischen Ökonomien in Berlin stärker zur Stärkung der Außenwirtschaftsbeziehungen zu nutzen, z.B. für den Nahen Osten und speziell die Türkei. Auch die Chance zur Ausbildung von Nachwuchskräften müsse stärker genutzt werden.
In Berlin müssten Mechanismen geschaffen werden, um die Ethnischen Ökonomien zu fördern. Generell sei die Regelungsdichte zu hoch. In der Berliner Verwaltung herrsche keine ausreichende „Willkommenskultur“.
Die Anerkennung ausländischer Abschlüsse sowie ein Verzicht auf verpflichtende Integrationskurse für Unternehmer seien wichtige Punkte, die umgesetzt werden müssen. Die Erteilung von Handwerkerparkausweisen in der Stadt gehöre ebenfalls dazu.
Unternehmer – egal welcher Herkunft- müssten in Berlin viel stärker als Bereichung, denn als Last, begriffen werden.
Tasyumruk ergänzte: Erster Maßstab für Unternehmen sollte die Bilanz sein, nicht die deutsche Sprache. Dass man die deutsche Sprache natürlich erlerne, wenn man hier tätig ist, stehe außer Frage.
Er forderte zudem, Migranten müssen auch in Gremien wie IHK stärker vertreten sein. Bei einem jährlichen Umsatz von rund 6 Milliarden Euro und ca. 36.000 Beschäftigten sehe er für die Türkische Ökonomie dafür eine Berechtigung.
Zuhörer in der Hessischen Landesvertretung Viele der anwesenden rund 200 Zuhörer nutzten die Gelegenheit, Fragen an das Podium zu stellen. Generell wurde eine stärkere und konkretere Unterstützung Klein- und Mittelständischer Unternehmen in Berlin gefordert.
Anne Wellingerhof
Regionalbüro Berlin-Brandenburg
Die Veranstaltung fand in Kooperation mit BAREX e.V., der Berliner Arbeitsgeber- und Existenzgründervereinigung , sowie mit dem Wirtschaftsmagazin „Migration Business“ statt.
Die Studie des DIFU-Instituts zum Thema "Ethnische Ökonomien" finden Sie hier.





