Religiöse Radikalisierung – Israel Chofshit zu Gast

Aktivisten aus Israel... Durch die Berichterstattung in den letzten Wochen erfuhren auch die deutschen Bürger, wie sehr sich Israel zu einem religiösen Staat wandelt und wie dies die Freiheiten der Bürger einschränkt. Man konnte von Geschlechtertrennung in Bussen lesen und Ausschreitungen bei Demonstrationen. Ende Dezember forderte sogar Präsident Schimon Peres zu Protesten gegen ultraorthodoxe Juden auf.
Was sich in den letzten Wochen zu einem allgegenwärtigen Thema hochspielte, beschäftigt den Kooperationspartner der Stiftung „Israel Chofshit – Be Free Israel“, zu Deutsch „Freies Israel“, bereits seit seiner Gründung vor zwei Jahren. Die Organisation fordert nicht nur die „Freiheit der Religionen“, sondern auch die „Freiheit von der Religion“, also die Freiheit keiner Religion anzugehören und sich dementsprechend auch nicht an religiöse Gebote zu halten.
Um neue Impulse für ihre Arbeit in Israel zu bekommen, reiste eine Gruppe führender Aktivisten von Israel Chofshit nach Deutschland. Bei Gesprächen mit Vertretern der Religionsgemeinschaften, der Politik, der Judikativen und zivilgesellschaftlicher Initiativen lernten sie das besondere Verhältnis von Kirche und Staat in Deutschland im Vergleich zu anderen Modellen in der westlichen Welt kennen. Dieses Modell wird auch als kooperativer Säkularismus bezeichnet, im Gegensatz zum Laizismus, wie er in Frankreich besteht, der eine strikte Trennung von Kirche und Staat vorsieht.

...zu Besuch in Deutschland. In einem Einführungsseminar, geleitet von Staatskirchenrechtler Martin Valchanov, und Terminen im Bundesministerium des Inneren und dem Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin, erhielten die Teilnehmer Informationen über das deutsche Staatskirchenrecht und zu welchen Verfassungsbeschwerden es bereits geführt hat. Ein aktueller Fall über den Schwimmunterricht für muslimische Mädchen wurde auch von Iman Reimann, der Vorsitzenden des deutschsprachigen Muslimkreises, aus Sicht der Muslime kommentiert. Diese warb für die eigens hierfür geschaffene Badebekleidung für Mädchen, die es ihnen auch nach religiösen Geboten erlauben würde, am Schulschwimmunterricht teilzunehmen. Einen weiteren Einblick in das muslimische Leben in Berlin brachte der Besuch des Islamischen Kulturzentrums der Bosniaken.
Zu den Schwierigkeiten der Anerkennung des Islams als Religion in Deutschland, berichtete Stefan Ruppert, Mitglied des deutschen Bundestags und kirchenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion. Das Fehlen eines organisierten Dachverbandes, der von der Mehrheit der muslimischen Gemeinschaften getragen würde, sei einer der Hauptgründe, warum der Islam als Religion in Deutschland noch nicht anerkannt ist.
Anders sieht es hingegen bei den Juden in Deutschland aus, die durch den Zentralrat der Juden vertreten werden. Bei einem Gespräch mit ihrem Generalsekretär Stephan J. Kramer wurde deutlich, dass die Juden in Deutschland, wie auch andere Religions- und Wertanschauungsgemeinschaften, einen Rückgang in ihren Mitgliederzahlen erfahren.
Die NGO "Be Free" nutzt die modernen sozialen Netzwerke, um Aktivisten zu mobilisieren und Aktionen publik zu machen. Bei Gesprächen mit Vertretern von verschiedenen Parteien, Jugendorganisationen und aus dem Public Affairs Bereich erfuhren die Teilnehmer etwas über die jeweilige Nutzung neuer Medien und sozialer Netzwerke. Ein reger Austausch erfolgte hierzu mit Steffen Wenzel und Daniel Reichert, Vorsitzende politik-digital.de und Liquid Democracy e.V., die den Teilnehmern moderne Computerprogramme für Grassroot Campaigning vorstellten.
Mit vielen neuen Ideen kehrten die Aktivisten von Israel Chofshit zurück nach Israel, um sich auch in Zukunft für die Sicherung und Umsetzung der individuellen Freiheiten einzusetzen.
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