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Vince Ebert: "Machen sie sich frei. Denn Freiheit ist alles!"

Rede zur Freiheit in Hamburg mit Vince Ebert
Rede zur Freiheit in Hamburg mit Vince Ebert
Wenn ein deutscher Kabarettist sein aktuelles Programm "Freiheit ist alles" nennt, dann ist das nicht nur ungewöhnlich. Er ist damit zugleich prädestiniert, eine "Rede zur Freiheit" zu halten. Vince Ebert hat dies mit großem Erfolg in Hamburg getan.

Auf den ersten Blick passt Ebert, 1968 im Odenwald geboren, als Comedian nicht in die inzwischen lange Reihe seiner Vorredner wie Peter Sloterdijk, Joachim Gauck oder Hans-Jürgen Papier – wer allerdings erwartet hatte, an diesem Abend im Haus der Hamburger Patriotischen Gesellschaft Comedy statt Philosophie geliefert zu bekommen, wurde aufs Angenehmste enttäuscht: Vince Ebert lieferte beides. Dass er dies unnachahmlich leisten kann, hatte er schon beim 4. Freiheitskongress der Stiftung bewiesen – im Anschluss lud ihn der Vorsitzende des Vorstands der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Wolfgang Gerhardt, spontan dazu ein, die Rede zur Freiheit in Hamburg zu halten.

Freiheit gibt es nur um den Preis der Unberechenbarkeit

Begrüßung durch Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung und Zweite Bürgermeisterin...
Begrüßung durch Dorothee Stapelfeldt, Senatorin für Wissenschaft und Forschung und Zweite Bürgermeisterin...
Dort lieferte Vince Ebert nun einen Parforceritt über das weite Feld der Freiheit ab, nahm sich die Grenzen der Freiheit genauso vor wie ihre philosophischen Hintergründe. Regelmäßig unterbrochen durch Zwischenapplaus. Durch die Bank stellte er Bezüge zu heute her. Ebert erinnerte daran, dass die Welt viel zufälliger abläuft, als wir uns das vorstellen können und verdeutlichte das am Aktienhandel: Das eigentliche Geheimnis von geheimen Erfolgsrezepten an der Börse sei, "dass es keine gibt. Und das ist gut so. Denn genau das ist Freiheit. Wenn alles vorausberechenbar wäre, würde das ja bedeuten, dass die Zukunft feststeht. Aber wenn alles vorherbestimmt ist, wo wäre dann die Freiheit? Freiheit gibt es nur um den Preis der Unberechenbarkeit."

Rede zur Freiheit im Haus der Hamburger Patriotischen Gesellschaft
Rede zur Freiheit im Haus der Hamburger Patriotischen Gesellschaft
Er knüpfte Verbindungen zwischen Aufklärung und Freiheit und erinnerte daran, dass freie und gute Entscheidungen auf Kenntnissen beruhen, die wir durch Massenmedien oft gar nicht erhalten: "Was glauben Sie, ist nach Expertenmeinung das größte Umweltproblem in Deutschland? Die Überdüngung der Böden durch die Landwirtschaft. Riesengroßes Problem. Dadurch werden Ökosysteme am meisten geschädigt. Davon hören sie in den Medien fast nichts. Weil das nicht spektakulär ist."

"Wer glauben muss, was andere sagen", so Ebert, "ist ziemlich unfrei. Wer aber weiß, dass sein Wissen vorläufig und unvollständig ist, hat die Freiheit, seine Einstellungen zu verändern."

Vince Ebert und Wolfgang Gerhardt
Vince Ebert und Wolfgang Gerhardt
"Die Finnen – ein verrücktes Volk!"

Ebert kritisierte zum Beispiel die in Deutschland gängige Armutsdefinition, die so genannte relative Armut, die sich am Durchschnittseinkommen aller Deutschen bemisst. Dazu lieferte er dem Publikum handgezeichnete Grafiken zur viel beschworenen Schere zwischen Arm und Reich. Natürlich gebe es in Deutschland Armut. Aber die habe nicht nur was mit Geld zu tun. "Als ich noch studiert habe, hatte ich so wenig Geld, dass ich locker unterhalb der Armutsgrenze war. Aber ich habe mich trotzdem nicht arm gefühlt." Das höchste Armutsrisiko in Deutschland sei nicht mangelndes Geld, sondern mangelnde Bildung. Denn nur, wer gebildet sei, habe die Freiheit, sich aus eigener Kraft aus seinem Schlamassel befreien.

Es folgte ein Plädoyer für mehr frühkindliche Bildung und brachte das finnische Modell ins Spiel: "Dort lernen die Kinder mathematische Grundlagen, Sozialkompetenz und Sprachförderung. Finnische Erzieher sind gut ausgebildet, werden sehr gut bezahlt und haben in der Bevölkerung ein hohes Ansehen. In Deutschland dagegen ist Erzieher ein Niedriglohnjob und der Grundschullehrer ist der Klassenfeind". Das sei das Problem. "Die Finnen – ein verrücktes Volk!"

Ebert nannte die Geschichte der Freiheit eine "ziemliche Erfolgsstory". Noch vor 100 Jahren habe es weltweit gerade mal 30 Demokratien gegeben. "Heute wird in 120 Nationen gewählt." Auch wenn darunter Länder seien, "in denen eine Wahl was anderes bedeutet als bei uns: Simbabwe, Uganda, Italien…"
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letzte Änderung: 04.10.2011


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