Quo Vadis Argentinien?
Roberto Salinas, Lord John Alderdice, Ricardo Lopez Murhpy, Otto Guevara Guth, Mauricio Macri (v.l.) Einen ganzen Tag lang war der Saal voll. Unternehmer, Studenten, Rentner, Politiker, Intellektuelle - insgesamt waren über 600 Zuhörer im Saal. Das Publikum von Buenos Aires, das ohnehin eine hohe Angebotsdichte von kulturellen und politischen Veranstaltungen wahrnehmen kann, wollte mehr darüber wissen, wie einflussreiche Denker, Politiker, Journalisten und Kritiker die zukünftigen Tendenzen Argentiniens in folgenden Themen einschätzen:
Die Rolle der politischen Parteien, die Justizreform, die Rolle des Parlaments, die Pressefreiheit und Arbeit, Ausbildung und Sicherheit.
Jedes Thema wurde in einem Panel präsentiert, das Publikum konnte über schriftlich eingereichte Fragen die Redner direkt ansprechen.
Otto Guevara Guth Die Friedrich Naumann Stiftung hatte diese Veranstaltung gemeinsam mit liberalen think tanks, Forschungsinstituten und Bürgervereinigungen vorbereitet. Sechs Wochen vor den partiellen Parlamentswahlen am 23. Oktober hat jede Veranstaltung dieser Thematik automatisch politische Brisanz, auch wenn sie nicht so geplant war.
Auf der Bühne der Schlusskonferenz waren sowohl soziale Referenz-Persönlichkeiten der argentinischen Gesellschaft sowie Politiker der Mitte (Mauricio Macri) und der Liberalen (Ricardo López Murphy) vertreten, die beide in der Schlussveranstaltung auftraten. Wichtige Vertreter der internationalen Besetzung waren der Politiker aus Costa Rica, Otto Guevara Guth, der mit einem überzeugenden Diskurs die Rolle des Staates gegenüber den Kräften des freien Marktes vertrat, ergänzt durch den Leiter des mexikanischen Wirtschaftsforums, Roberto Salinas León, der sich kritisch zu Subventionspolitik und mangelnder individueller Vertragsfreiheit äußerte.
Lord Alderdice Höhepunkt der Konferenz war der beeindruckende Vortrag des Präsidenten der Liberalen Internationalen Lord John Alderdice, der sich in glänzender Form für die weltweite liberale Agenda aussprach. Alderdice war eigens zu diesem Anlass aus London angereist. Immerhin ist die Partei Recrear seit dem diesjährigen Kongress von Sofia in Bulgarien nun Vollmitglied in der LI.
Trotz einer erdrückenden Übermacht der peronistischen Kräfte in der Regierung, mit ihren Merkmalen von Populismus und autoritären, machterhaltenden Formen der Regierungsführung, ist doch offenbar, dass es hier im Lande zahlreiche Suchende gibt, die nicht mit dem Menü zufrieden sind, das sie seit zwei Jahren von der peronistischen Regierung politisch vorgesetzt bekommen.
Rüdiger Vincent Graichen
In Kooperation mit
Claudia Bek und Landy Siemssen – Praktikantinnen der FNSt-Argentinien
und Ursula Schmidt-Liermann – FNSt-Argentinien
Buenos Aires, September 2005





