Publikation: Der Sport ein Opfer des Profitstrebens?
Niemand bestreitet, dass Marktkräfte und Profiterwartungen die Welt des Sports nachhaltig verändert haben und dies weiter tun werden. Nach einer im vergangenen Jahr erschienenen Studie ist der Wert von Fußballclubs wie Manchester United oder Real Madrid mit über 1 Milliarde Euro anzusetzen. Bayern München ist immerhin 727 Millionen Euro wert. Noch nie waren die Zuschauersportarten so populär wie heute – und die sich daraus ergebenden Geschäftsmöglichkeiten waren niemals zuvor so groß. Längst versuchen sich Ligen und Klubs im weltweiten Geschäft. Raymond D. Sauer, Wirtschaftsprofessor an der Clemson-University South Carolina, untersucht das spezifische Spannungsverhältnis zwischen Sport- und Marktkräften und stellt dabei auch die Frage, welche Rolle der Staat spielen sollte, um den unterschiedlichen Interessen angemessen Geltung zu verschaffen. Zu den großen Stärken seines Beitrags gehört der historische Vergleich, in den er seine Analyse der aktuellen Situation einbettet: Vor dem Hintergrund der Entwicklungen der letzten Jahrhunderte werden die im heutigen Sport wirksamen Mechanismen besser verständlich.

Raymond D. Sauer beim LI-Colloquium Darüber hinaus nimmt er auch einen internationalen Vergleich vor und stellt fest, dass in der aktuellen Phase der weltweiten Kommerzialisierung des Sports in den USA und Europa staatliche Interventionen nur selten festzustellen sind. Die Freude des Zuschauers am Sport wird, so Raymond Sauer, durch dessen Ökonomisierung keineswegs getrübt: „Dass wir unseren Sport lieben und unsere Sportidole mit Ehrfurcht betrachten, heißt keineswegs, dass wir sie vor den Marktkräften schützen müssen.“ Eine genussvolle und lebendige Welt des Sports werde vielmehr erst durch die Möglichkeiten geschaffen, Wettkämpfe zu organisieren, die für die Zuschauer auch interessant und spannend sind. Marktkräfte und Eigeninitiative seien vielmehr dafür verantwortlich, dass moderne Zuschauersportarten von so vielen Menschen genossen werden können.
Die soeben als occasional paper 49 erschienene englischsprachige Broschüre kann ab sofort hier bestellt oder hier heruntergeladen (Format: PDF) werden. Sie ist der dritte Beitrag einer Serie zum Thema „Sport“, die im Nachgang zu einem in diesem Sommer durchführten internationalen Colloquium des LI aufgelegt werden.
Im ersten Teil der Publikationsreihe befasst sich der Bundestagsabgeordnete Detlef Parr mit der Frage „Spitzensport und Breitensport. Gesellschaftliche Aufgaben?“. Im zweiten Teil denkt der englische Professor und Essayist Lincoln Allison über das Thema „Sport als Tugend…, als Liebe…, als Kommerz“ nach.
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