Projekt Desertec: Zukunft der Energieversorgung

Aula in der Alten Universität Heidelberg Grenzüberschreitende Energie-Kooperationen und der Ausbau der Nutzung erneuerbarer Ressourcen, beides gewinnt nach dem deutschen Atomausstieg an Dringlichkeit. Das transmediterrane Desertec-Projekt, eines der ehrgeizigsten Energiegewinnungskonzepte, steht als Symbol für diese energiepolitische Neuausrichtung auf nationaler, europäischer und internationaler Ebene: Durch Solar- und Windenergie aus den Wüsten Nordafrikas sollen in einigen Jahrzehnten Teile Europas mit Strom versorgt werden können.
Der dynamischen Entwicklung im Bereich der erneuerbaren Energien im Maghreb trägt die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in ihrer Projektarbeit vor Ort Rechnung. So hat hat sie beispielsweise im Herbst 2010 in Marokko, Algerien und Tunesien gemeinsam mit lokalen Partnern Seminare unter Beteiligung internationaler Experten veranstaltet, um Investitionen des Privatsektors im Bereich der erneuerbaren Energien zu stimulieren. Eine von (Alt-)Stipendiaten der Stiftung konzipierte und in Kooperation mit dem Regionalbüro Stuttgart in Heidelberg durchgeführte Diskussionsveranstaltung knüpfte nun an die Arbeit der Stiftung im Maghreb an.
Energie aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme

Dr. Thiemo Gropp In seinem einleitenden Vortrag umriss Thiemo Gropp, Vorstandsmitglied der DESERTEC Foundation, die Ausgangssituation und skizzierte das Konzept des Projektes. Energiesicherheit und Klimaschutz für eine Bevölkerung von zehn Milliarden Menschen – vor dieser Herausforderung steht die Welt im 21. Jahrhundert. Bei begrenzten fossilen Energiereserven und derzeit noch steigenden CO²-Emissionen können nachhaltige Lebensbedingungen nur auf der Basis erneuerbarer Energien geschaffen werden. „In 6 Stunden geht auf die Wüsten der Erde so viel Sonnenergie nieder, wie die gesamte Menschheit innerhalb eines Jahres verbraucht“, zitierte Gropp den Physiker Gerhard Knies, den geistigen Vater von Desertec.
Das Desertec-Konzept verbindet verschiedene „saubere“ Technologien zur Gewinnung von Energie aus Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse und Erdwärme. Zur Umsetzung des Konzeptes gründete die Stiftung 2009 zusammen mit Partnern aus der Industrie- und Finanzwelt die Industrieinitiative Dii GmbH. Die Technologien seien vorhanden, so Gropp, die Realisierung hänge vom politischen Willen und der gesellschaftlichen Akzeptanz ab.
"Hohes Interesse daran, dass DESERTEC Realität wird"
Politiker auf beiden Seiten des Mittelmeers äußern ihre Unterstützung: Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir haben ein hohes Interesse daran, dass DESERTEC Realität wird. Es ist heute noch eine Vision, aber es kann ein verbindendes Projekt zwischen dem europäischen und dem afrikanischen Kontinent sein.“ König Mohammed VI. von Marokko: „Marokko freut sich darauf, zusammen mit der Europäischen Union alle Chancen zu untersuchen, die regionale Projekte wie DESERTEC bieten, um die Grundlagen für eine wohl definierte, sichere, nachhaltige Euro-Mediterrane Energiepolitik zu schaffen.“
Fragen nach den energiewirtschaftlichen und entwicklungspolitischen Aspekten des Projektes, der Finanzierbarkeit, den rechtlichen Rahmenbedingungen, der Energiepolitik der EU und der politischen Situation in den südlichen Anrainerstaaten des Mittelmeers standen im Mittelpunkt der anschließenden Diskussion, die von Clemens Recker, Stipendiat der Stiftung, moderiert wurde.




