Potsdam: Politische Matinée mit Heinz Rudolf Kunze

Veronika Kolb Während einer Matinee hat die Stiftung für die Freiheit eine Brücke zwischen Kultur und Politik geschlagen und dieses Spannungsverhältnis näher beleuchtet. Der erfolgreiche Musiker und Literat Heinz Rudolf Kunze war zu Gast und lockte Kultur- und Politikinteressierte gleichermaßen an den Griebnitzsee. Die Kombination aus künstlerischer Performance und politischer Diskussion sollte das Verhältnis von Kultur und Politik näher beleuchten.
„Die oft vernachlässigte Kultur ist zu wichtig, als dass sie einfach nur durch die finanzielle Brille betrachtet werden kann“, sagte die Leiterin des Büros Berlin-Brandenburg, Veronika Kolb, zur Begrüßung der rund 200 interessierten Gäste im Garten der Stiftung. Wichtiger sei die Betrachtung der Kultur als eigenständiges Politikfeld, erst recht, da Kultur zunehmend auch eine wirtschaftliche Wertschöpfung erzielt.

Claudia Hauptmann, Heinz Lanfermann, Carl-Philipp Burkert, Heinz Rudolf Kunze und Petra Weckel Ein hochkarätig besetztes Podium widmete sich jenem Spannungsfeld: Heinz Rudolf Kunze, Musiker und Literat und die Potsdamer Künstlerin Claudia Hauptmann, die derzeit die Ausstellung „Mythos Freiheit“ im Neubau des Truman-Hauses präsentiert, saßen ebenso auf dem Podium wie Heinz Lanfermann MdB, Landesvorsitzender der FDP Brandenburg. Erweitert wurde die Runde durch Petra Weckel, die sich nicht nur als Leiterin der Begabtenförderung der Stiftung für die kulturelle und politische Bildung der 700 Stipendiaten einsetzt, sondern auch als stellvertretende Vorsitzende der Wilhelm-Fraenger-Gesellschaft zum aktiven kulturellen Diskurs in Potsdam beiträgt. Die Moderation übernahm Carl Philipp Burkert, Leiter der Virtuellen Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit. Burkert stellte gleich zu Beginn die Bestrebungen der Stiftung dar, Kultur und Politik langfristig zusammen zu bringen. Das warf sogleich die Hauptfragen der Matinée auf: Welchen Einfluss hat und kann die Kultur auf die Politik haben? Und was kann die Politik tun, damit es der Kunst besser geht?

Beifall im Atrium der Stiftung Heinz Lanfermann, bekennender Opern-Freund, skizzierte die besondere Bedeutung, die die Kultur für FDP als liberale Partei einnimmt. Kultur brauche nicht nur Geld, sondern vielmehr Selbstverständnis in der Kommunikation mit der Politik. Dass durchaus eine Gefahr der Vereinnahmung der Kunst durch die Politik bestehe, bestätigte Heinz Rudolf Kunze, der seinerseits ein politisches Engagement von Künstlern - wenn überhaupt – dann nur überparteilich als ratsam ansieht. Dass das Posieren mit Künstlern für Politiker immer eine gute Werbeaktion sei, könne nicht darüber hinweg täuschen, dass die Politik selbst eher wenig für die Kultur tun kann, meinte Kunze. Vielmehr sollte sich die Politik auf ihre Kernkompetenzen beschränken, wobei hier besonders die Bildungspolitik den Vorrang haben sollte. Denn ohne Bildung, so argumentierte Kunze unter dem Applaus der Gäste, wären die Opern und Theater bald leer.

Heinz Rudolf Kunze Dem pflichtete Petra Weckel bei. Viele müssten mehr trainieren, Kunst wahrzunehmen und damit lernen, der Kultur in unserer Gesellschaft neue Perspektiven zu eröffnen. Dabei sollte Kultur als sehr umfassender, interdisziplinärer Begriff verstanden werden. Dieser Meinung war auch Claudia Hauptmann. Einer kultivierten Gesellschaft gehe der Begriff „Kultur“ mittlerweile sehr leicht über die Lippen. Die tatsächliche Bedeutung, nämlich als evolutionär entwickelte Überlebensstrategie, werde leicht übersehen. „Kultur ist der Umgang des Menschen mit der Umwelt und mit seinesgleichen“, meinte Hauptmann, womit die Bedeutung der Kultur für die Politik erneut herausgestellt wurde. Auch Lanfermann sprach der Kultur für die Politik eine große Bedeutung zu, denn man könne keinen gute Politik machen, ohne die Menschen zu verstehen, und dafür sei Kultur essentiell.
Auf die Frage nach der Wirkung von Kunst argumentierte Claudia Hauptmann, dass sie als freischaffende Künstlerin schon dadurch politisch sei, weil sie mit ihrer Arbeit etwas bei ihrem Publikum bewirken möchte. Im Gegensatz dazu versteht sich Heinz Rudolf Kunze als unpolitischer Künstler. Als "Medium des Kreativen" freue er sich zwar über Veränderung, doch beabsichtigt sei dies nicht. Die Frage, wie politisch Kunst sein kann und wie politisch sie sein sollte, bewegte die Diskutanten sehr. „Alles ist Kunst und daher wage ich auch zu sagen, dass auch alles Politik ist“, meinte Heinz Lanfermann. „Genau wie die Kunst ist die Politik ein Versuch, die Gemeinschaft zu gestalten.“ Und darin läge auch die gemeinsame Verantwortung beider Seiten.

Hajo Hoffmann (Geige), Heinz Rudolf Kunze und Wolfgang Stute (Gitarre) Mit einem an die Diskussion anschließendem Konzert von Heinz Rudolf Kunze sowie seinen Kollegen Wolfgang Stute (Gitarre) und Hajo Hoffmann (Geige), einem Auszug aus ihrem Programm „Räuberzivil“, zeigten die Musiker, wie kritisch und teilweise bissig Kunst sein kann, nicht nur gegenüber der Politik, sondern auch gegenüber der Gesellschaft.
Martin Hoffmann
Regionalbüro Berlin-Brandenburg
Homepage von Heinz Rudolf Kunze
Regionalbüro Berlin-Brandenburg





