Nr. 13 | 04.03.2011 | Algerien: Im Schatten der Revolution
An Algerien, lange als Problemkind im Maghreb gesehen, ist eine Protestwelle, wie sie die arabische Welt derzeit durchzieht, bislang vorbeigegangen. Protest als solcher ist in Algerien kein unerhörtes Ereignis. Streiks, lokale Proteste und Ausschreitungen gehören seit Jahren zum Alltag. Auch wenn es Anfang des Jahres zu gewalttätigen Demonstrationen kam, bislang mehrere Dutzende Menschen versucht haben sich selbst zu verbrennen und seit einigen Wochen jeden Samstag oppositionelle Gruppen zu Protesten aufrufen: Eine geeinte Protestbewegung zeichnet sich bislang nicht ab. Dabei spielt eine Rolle, dass Algerien bereits eine gewisse Erfahrung mit der politischen Öffnung hinter sich hat, die Presse weitgehend frei berichten kann und auch ein gewisser Pluralismus bei den Oppositionsparteien herrscht – auch wenn demokratische Strukturen erstarrt sind. Vor allem aber ist das autoritäre Regime an der Macht multipolar – le Pouvoir, wie es von den Algeriern genannt wird – und Präsident Bouteflika alles andere als ein Alleinherrscher. Wen soll man vertreiben, wenn die Hydra aus Misswirtschaft, Korruption und Repression so viele Köpfe hat? Auch die Aufhebung des Ausnahmezustandes – von der die Hauptstadt Algier explizit ausgenommen wurde – hat so bislang kaum Auswirkungen und ist so ein weiterer Winkelzug in einem Katz-und-Maus Spiel, das die Zukunft einer ganzen Generation gefährdet. Nicht zuletzt wird daher Algeriens Entwicklung vor allem durch den weiteren Weg seiner Nachbarn, zuallererst von Tunesien und Marokko, aber auch von den anderen Ländern in der Region bestimmt werden. Kommt die Demokratisierung dort besser und schneller voran, als es die algerische Erfahrung ist, wird sich „le pouvoir“ nicht isolieren können.Vollständigen Text jetzt abrufen (PDF)




