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Ohne Glanz und Glamour

Liberal sein heißt, sich für Freiheit, Menschenwürde und Menschenrechte des Einzelnen und der Allgemeinheit einzusetzen. Dies bedeutet zugleich, Unrecht anzuprangern und unpopuläre Themen zur Diskussion zu stellen. Frauenhandel und Zwangsprostitution sind Tabu-Themen, denen sich das Büro Berlin-Brandenburg im Rahmen einer Ausstellung und eines Seminars widmete.

Ausstellung „ohne Glanz und Glamour“

„ohne Glanz und Glamour“ lautet der Titel der Wanderausstellung, die von Terre des Femmes erarbeitet wurde und im Truman-Haus bis zum 30. August 2006 besichtigt werden kann. Die Ausstellung informiert auf 26 Schautafeln über die Formen und das Ausmaß der Zwangsprostitution sowie über politische und gesellschaftliche Perspektiven der Beendigung dieses Unrechts.

Blechinger, Schwaetzer, <br />
Laurischk (v.l.)<br />
Blechinger, Schwaetzer,
Laurischk (v.l.)
Dr. Irmgard Schwaetzer, Bundesministerin a.D. und Mitglied des Vorstandes der Friedrich-Naumann-Stiftung, betonte in ihrer Eröffnungsrede, dass es erschreckend sei, dass wir in unserer modernen Gesellschaft Frauenhandel dulden würden. Dieser moderne Sklavenhandel und die Zwangsprostitution seien ganz brutale physische und psychische Gewalt, die nicht zu tolerieren seien. Als ein „menschenunwürdiges Leben in ständiger Angst“ bewertete Beate Blechinger, Schirmherrin der Ausstellung und Ministerin der Justiz des Landes Brandenburg, das Schicksal der Opfer. Hingegen würden die Täter oft unbestraft und risikolos ihr „lukratives Geschäft“ ausüben. Äußerst deutlich bezog auch Sibylle Laurischk MdB, Bundesvorsitzende der Liberalen Frauen, Stellung gegen die Grausamkeit von Frauenhandel und Zwangsprostitution und bezeichnete das Engagement der Liberalen Frauen als „Schutzverein für betroffene Frauen“ dieser Kriminalitätsformen.
U. Ludwig
U. Ludwig
Aus der praktischen Arbeit mit Opfern von Zwangsprostitution und Frauenhandel in Brandenburg berichtete Uta Ludwig, belladonna e.V., sehr eindringlich und mahnend. Seit 1994 würde ihr Verein hunderte Frauen entlang der deutsch-polnischen Grenze betreuen. Die Opfer lebten isoliert und bräuchten Hilfe, die wir als alltäglich empfinden würden. Nur eine kontinuierliche Arbeit schüre Vertrauen und sichere Hilfe für die Opfer.
Sabine Stüber, 1. Sprecherin des Frauenpolitischen Rates des Landes Brandenburg e.V., forderte abschließend die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung auf, gemeinsam etwas gegen Frauenhandel und Zwangsprostitution zu unternehmen und dafür Sorge zu tragen, dass auch Männer über dieses Thema diskutierten.

Seminar "Frauenhandel und Zwangsprostitution"

Prävention müsse in den Rekrutierungsländern beginnen, denn dort gebe es noch keine Opfer und die möglichen Täter hätten kein Geld. Mit dieser appellierenden Aussage begann Manfred Paulus, Kriminalhauptkommissar a.D., sein Referat zum Thema Frauenhandel und Zwangsprostitution.
Zunächst übte er heftige Kritik an der Verharmlosung und Tabuisierung des Themas in Deutschland. Dies beginne bereits semantisch: Frauenhandel klinge nicht schrecklich, denn Handel sei allgemein ein positiv besetzter Begriff. Im englischen Sprachgebrauch werde hingegen der Begriff Sexsklaverei verwendet, welcher das rücksichtslose und brutale Verbrechen an Frauen aufgreife.
M. Gold, M. Paulus (v.l)
M. Gold, M. Paulus (v.l)
400.000 Prostituierte gebe es in Deutschland; von diesen seien 50 bis 75% mit Migrationshintergrund. „Freiwillig“ würde kaum eine Frau als Prostituierte arbeiten. Viele Lebensläufe von Prostituierten beruhten auf Zwangslagen und Notsituationen. Demnach sei es „scheinheilig“, so Paulus, von Freiwilligkeit oder Einverständnis zur Prostitution zu sprechen.
Armut und die Aussicht auf ein besseres Leben führe zu einer hohen Migrationsbereitschaft von Frauen aus Mittel-Osteuropa. Ferner würden Frauen mit Jobangeboten getäuscht oder unter Androhung von Gewalt zur Prostitution gezwungen. Paulus zeichnete anhand verschiedener Bespiele nach, wie Frauen in das Zielland Nummer 1, nach Deutschland, durch das schmutzige und unmenschliche Geschäftes mit der „Ware Mensch“ gelangen würden.
Frauenhandel könne als „Basisdelikt“ schlechthin verstanden werden. Einer Investition aus Brutalität und Rücksichtslosigkeit, die keiner Finanzen bedürfe, stünde ein hoher Gewinn gegenüber, der aus der Ausbeutung der Frauen resultiere.

Die Ausstellung und das Seminar wurden mit öffentlichen Mittel sowie durch das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie des Landes Brandenburg gefördert und fanden in Kooperation mit dem Frauenpolitischen Rat des Landes Brandenburg e.V. statt.

Michael Gold
Büro Berlin-Brandenburg

Dauer der Ausstellung:
18. August bis 30. August 2006

Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 17.00 bis 19.00 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 10.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt: frei

Ausstellungsort:
Friedrich-Naumann-Stiftung
Truman-Haus
Atrium im Neubau
Karl-Marx-Straße 2
14482 Potsdam-Babelsberg

S-Bahn Griebnitzsee


letzte Änderung: 12.09.2008


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