Nürnberg: Sicherheitstagung diskutiert Afghanistan-Abzug

Langenegger, Kaim, Roeske, Kloke-Lesch, Trost
Ein großes Fragezeichen stand bei der Nürnberger Sicherheitstagung im Raum: Was wird aus Afghanistan im Jahr 2014? Bis dahin wollen die internationalen Isaf-Truppen das Land verlassen, doch was dann?

Langenegger
Eine endgültige Antwort konnte und mochte keiner der Referenten liefern, doch jeder hatte über den Einsatz und die Konsequenzen so seine eigene Sicht der Dinge. Brigadegeneral Johann Langegger, der erst im Frühjahr nach neun Monaten aus Afghanistan zurückgekehrt ist, sah keine Alternative zu dem bisher eingeschlagenen Weg. „Wir haben schon eine Menge erreicht“, erklärte er mit Hinweis auf die Ziele, die die Nato festgeschrieben hatte mit „Sicherheit erhöhen“, „Regierungsführung stärken“ und „Entwicklung fördern“. Dass es auf diesem Weg Risiken und Rückschläge gebe, das sei, so der Brigadegeneral, nicht zu leugnen. Sein persönliches Fazit nach dem Aufenthalt in Afghanistan: Es gibt keine Alternative zu einer nationalen Aussöhnung, und die Afghanen müssen in Zukunft für ihre Sicherheit selbst verantwortlich sein.

ISAF-Logo Für den Politikwissenschaftler Markus Kaim dagegen sind durchaus mehrere Szenerien vorstellbar. Das Positive: Die Übergabe 2014 klappt wie vorgesehen, Afghanistan bleibt als Staat erhalten. Das Unrealistische: Das Kalkül einer Machtübergabe geht nicht auf, die Isaf-Partner setzen ihre Mission fort. Das Pessimistische: Die sicherheitspolitische Lage wird dramatisch schlechter, die Truppen ziehen dennoch ab. Ein Zerfall Afghanistans wäre möglich. Und schließlich noch das Wahrscheinliche: Die internationalen Soldaten ziehen ab, der Unruheherd Afghanistan wird durch Spezialkräfte und Geheimdienste in Schach gehalten.

Kloke-Lesch
Doch wer entscheidet letztendlich darüber, was als Erfolg oder Misserfolg zu werten ist? Auch darüber gehen die Meinungen weit auseinander. Für Adolf Kloke-Lesch von der Deutschen Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit braucht es einen deutlich längeren Atem als die von der Nato noch geplanten drei Jahre. „Der zivile Aufbau des Landes ist eine Aufgabe von vielen Jahren oder Jahrzehnten“, erklärt er und verweist auf die zahlreichen ungeklärten Fragen. Etwa wie es mit der afghanischen Wirtschaft nach dem Abzug weitergehen soll. Viele Menschen leben bislang von der Infrastruktur der ausländischen Truppen, sie brauchen Alternativen.
Der ehemalige grüne Bundestagsabgeordnete Winfried Nachtwei („Ich habe uns den Einsatz in Afghanistan miteingebrockt.“) ist heute nicht mehr von einem glücklichen Ende überzeugt. Die Bundeswehr sei am Hindukusch erstmals in ihrer Geschichte mit einem Guerillakrieg konfrontiert, habe Tote und Verletzte zu beklagen. „Ein Scheitern ist möglich“, so Nachtwei.

Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus
General Karl-Heinz Lather, der bis letztes Jahr stellvertretender Nato-Oberbefehlshaber war, bereitete die amerikanische Enttäuschung über das mangelnde europäische Engagement Sorgen. Das zeige auch die jüngste Aufforderung des scheidenden US-Verteidigungsministers Robert Gates, Europa und Deutschland sollten in Zukunft weltweit eine größere Rolle spielen. Doch das sei noch Wunschdenken, derzeit gelte weiter die Maxime: Ohne die Stärke der USA geht nichts. Und Deutschland gelte seit dem Ausscheren in punkto Libyen-Einsatz ohnehin als eher unzuverlässiger Partner. Hier müsse erst einmal wieder Vertrauen geschaffen werden.
Sigrun Eibner, NZ
Grußwort Gisela Bock
Rede Oberst Ulrich Kirsch
Präsentation Brigadegeneral Johann Langenegger





