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Nordkoreas weiter Weg zum internationalen Handel

Walter Klitz eröffnet das Seminar
Walter Klitz eröffnet das Seminar
Es scheint noch ein weiter Weg bis die Demokratische Volksrepublik Korea (DVR Korea) die Integration in regionale und überregionale Handelsabkommen und -regime ernsthaft in Erwägung zieht. Dennoch ist das Thema Außenwirtschaft nach wie vor von großem Interesse: Mehr als siebzig nordkoreanische Wirtschaftsexperten kamen in Pjöngjang zusammen, um dieses Thema während der dreitägigen Fortbildungsveranstaltung zu vertiefen. Schwerpunkte des Seminars, das die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit dem Außen- und Bildungsministerium der DVRK organisiert hatte, waren u.a. theoretische Ansätze des Handels, internationale Handelsinstitutionen sowie rechtliche Rahmenbedingungen.

Die Stiftung hatte zwei Wirtschaftsfachleute aus Deutschland als Referenten nach Pjöngjang eingeladen: Georg Koopmann von der Universität Hamburg und Dr. Lutz Werner, stellvertretender Abteilungsleiter im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Walter Klitz, der Projektleiter der Stiftung für die Freiheit für Korea und Han Kyu Sam, stellvertretender Direktor für Internationale Kooperation im nordkoreanischen Bildungsministerium, eröffneten die Veranstaltung. Der deutsche Botschafter in der DVR Korea, Friedrich Löhr, sicherte in seiner Begrüßungsrede Unterstützung für die Fortbildungsseminare der Stiftung in Nordkorea zu und betonte, dass diese nicht nur der Weiterbildung dienten, sondern auch vertrauensbildende Maßnahmen seien.

Freihandel und Protektionismus

Vor dem Kulturpalast
Vor dem Kulturpalast
An den beiden ersten Seminartagen referierte Koopmann über klassische und moderne Handelstheorien sowie wichtige Rahmenbedingungen für Direktinvestitionen aus dem Ausland. Anlehnend an die bekannten Wirtschaftswissenschaftler Krugman und Obstfeld betonte er die „wahrscheinlich wichtigste Erkenntnis der internationalen Ökonomie“: Handel ist gewinnbringend. Wenn alle Länder Güter und Dienstleistungen verkauften, sei dieser Austausch für alle Beteiligten so gut wie immer von gegenseitigem Nutzen. Im Gegensatz zu dem, was die Wirtschaftstheorie vorhersagt, habe die Vergangenheit jedoch gezeigt, dass nicht Freihandel, sondern vielmehr Protektionismus die Handelspolitik dominiert. Im Allgemeinen spiegelten die Fragen der Teilnehmer ihre guten Kenntnisse der internationalen Ökonomie wieder, sie indizierten aber auch, welche Bedeutung bestimmte Themenschwerpunkte für die nordkoreanische Seite haben. Beispielsweise erkundigten sie sich nach den konkreten Vorteilen und dem Nutzen einer Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation für die Entwicklungsländer. Sie zeigten auch Interesse an der Frage, warum Russland seit mehr als zehn Jahren und bislang erfolglos über eine Aufnahme in die WTO verhandelt.

Koopmann sprach auch über die Regionalisierung des internationalen Handels und seine Auswirkungen auf das multilaterale Handelssystem. Mit der Ausnahme der Mongolei seien viele WTO-Mitgliedstaaten auch in mindestens ein präferenzielles Handelsabkommen eingebunden. Derartige vielfache Mitgliedschaften würden in den nächsten Jahren stark zunehmen, denn es bestehe riesiges Potenzial: Wenn jedes der derzeit 150 WTO-Mitglieder mit jedem anderen Mitglied ein solches Abkommen schließe, wäre die Welt durch mehr als 11.000 bilaterale Abkommen vernetzt. Derzeit bestehen zweihundert solcher Handelsvereinbarungen. Zum Zeitpunkt des Seminars in Nordkorea brachten die Vereinigten Staaten und Südkorea die Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zum erfolgreichen Abschluss.

Wachstumsmotor Außenhandel

Der Referent aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Dr. Werner, referierte über praktische Fragen des internationalen Handels, insbesondere Außenwirtschaftspolitik und rechtliche Rahmenbedingungen des Außenhandels der Europäischen Union und Deutschlands. Er betonte, dass globaler Handel und grenzüberschreitende Investitionen die grundlegenden Voraussetzungen für stetiges Wachstum, Beschäftigung und Wohlstand in Deutschland seien. So wird in der deutschen Wirtschaft bereits jeder dritte Euro im Ausland verdient und jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hängt vom erfolgreichen Export deutscher Produkte und Dienstleistungen ab. Dr. Werner zeigte außerdem auf, wie die Bundesregierung deutsche Unternehmen bei der Suche nach Geschäftsmöglichkeiten und beim Ausbau bereits bestehender Investitionsstandorte im Ausland unterstützt. Beispielsweise fördern die deutschen Botschaften, die Bundesanstalt für Außenwirtschaft (bfai) sowie die staatlich unterstützten Geschäftszentren (Außenhandelskammern) Investitionen deutscher Unternehmen im Ausland.

Auf Einladung des Außenhandelsministeriums der DVR Korea hatte die Stiftung bereits Anfang April in Pjöngjang einen Roundtable zum Thema Währungspolitik durchgeführt.
letzte Änderung: 12.09.2008


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