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Nordkoreanische Delegation in Deutschland

Die Delegation vor dem Checkpoint Charlie in Berlin
Die Delegation vor dem Checkpoint Charlie in Berlin
Es war bereits die zweite Informationsreise einer Delegation nordkoreanischer Regierungsvertreter auf Einladung der Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) nach Deutschland innerhalb eines halben Jahres und die siebte Fortbildungsmaßnahme der Stiftung zur Unterstützung der marktwirtschaftlichen Reformen in Nordkorea. Bereits im vergangenen September hatte die FNSt zehn Finanzexperten der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) nach Deutschland eingeladen, um ihre Kenntnisse über das Funktionieren einer Marktwirtschaft in Gesprächen und Fachvorträgen in Ministerien und anderen Institutionen auszubauen.

Im Mittelpunkt dieser achttägigen Studienreise, an der vier Vertreter des nordkoreanischen Außenministeriums, Bildungsministeriums und Finanzministeriums teilnahmen, standen die Themen Bildung und Transformation. Die Gespräche mit den nordkoreanischen Teilnehmern dienten auch dazu, zukünftige Themenfelder für Fortbildungsmaßnahmen zu sondieren.

Begrüßung im Truman-Haus druch Dr. Irmgard Schwaetzer
Begrüßung im Truman-Haus druch Dr. Irmgard Schwaetzer
Das Vorstandsmitglied der Stiftung, Dr. Irmgard Schwaetzer, begrüßte die Delegation im historischen Truman Haus der Stiftung in Potsdam. Irmgard Schwaetzer bekräftigte das Engagement der Stiftung in der DVR Korea, verwies aber gleichzeitig auf die Sorgen in der deutschen Öffentlichkeit über die ungelöste Nuklearfrage. Die Auslandsarbeit der Stiftung und die Begabtenförderung waren Themen der Gespräche mit Siegfried Herzog, Leiter des Asienreferats der Geschäftsstelle und Marie-Luise Simon, Sachgebietsleiterin für Begabtenförderung.

Die Bundesregierung würde den bilateralen Handel mit Nordkorea gern ausbauen, jedoch sei eine stärkere Öffnung der DVR Korea Voraussetzung dafür, so ein Vertreter des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie, wo die Delegation einen Vortrag über die Außenwirtschaftspolitik Deutschlands und die Wirtschaftsbeziehungen zu Ostasien hörte. Auch im Auswärtigen Amt wurde betont, dass auf deutscher Seite weiterhin Restriktionen gegen einen Ausbau der diplomatischen Beziehungen bestünden, dass aber Spielräume, wie die Friedrich-Naumann-Stiftung sie nutze, wichtig seien und begrüßt würden.

Beim Besuchstermin im Bundesministerium für Bildung und Forschung ging es um internationale Kooperation in Bildungsfragen. Ziel der Bundesregierung sei es, exzellenten Wissenschaftsnachwuchs nach Deutschland zu bringen und deutschen Studierenden Auslandserfahrung zu ermöglichen. Dieser Austausch fördere zudem das gegenseitige Verständnis, sagte die Mitarbeiterin. Ausbildung, insbesondere das Studienfach Außenwirtschaft und internationaler Handelsbeziehungen, standen im Mittelpunkt des Gesprächs mit dem Dekan des Fachbereichs für Wirtschaftswissenschaft der Freien Universität Berlin.

Der Besuch eines erfolgreich umstrukturierten DDR-Staatsbetriebs, die Berlin Chemie AG, stieß bei der nordkoreanischen Delegation ebenfalls auf sehr großes Interesse. Inzwischen hat sich das Unternehmen, das nach der Wende von einem italienischen Pharmakonzern übernommen wurde, zu einem international tätigen Pharmabetrieb mit 900 Mitarbeitern und einem Umsatz von knapp 770 Mio. Euro entwickelt. Kern der betrieblichen Umstrukturierung, so der Vorstandvorsitzende Dr. Reinhard Uppenkamp, sei der Schritt von der Produktions- zur Marktorientierung. Den theoretischen Input zum Thema „Umstrukturierung von Staatsunternehmen“ und Erfahrungen der Treuhandanstalt lieferte Frau Dr. Brigitta Kauers aus dem Finanzministerium, die selbst bereits an einer gemeinsamen Fortbildungsmaßnahme der Stiftung und der Europäischen Union in Nordkorea teilgenommen hatte.

In Hamburg besuchte die Delegation das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut (HWWI), den Ostasiatischen Verein (OAV) und das Institut für Asienkunde (DUEI-IFA). Im HWWI, wie auch schon bei einem vorangegangenen Besuch im Deutschen Wirtschaftsinstitut (DIW) in Berlin, lernten die Teilnehmer mehr über die Struktur und Organisation deutscher Wirtschaftsforschungsinstitute sowie praktische Einblicke in die Erstellung von wirtschaftlichen Prognosen und Analysen. Alle besuchten Institute und Organisationen würden einen Ausbau der Kooperation mit Nordkorea begrüßen.

Die nordkoreanischen Teilnehmer äußerten sich sehr zufrieden mit dem Programm. Der Delegationsleiter dankte der FNSt für das Angebot dieser Studienreise, die Anregungen für die weitere bilaterale Zusammenarbeit im Bereich der Fortbildung geben soll.
letzte Änderung: 12.09.2008


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