Nichts für Kleingeister: Nanotechnologie
Forschungspolitik und Zukunftstechnologie - Themen in der Theodor-Heuss-Akademie

Cornelia Pieper MdB „Es gibt nichts wovor man sich fürchten müsste, nur Dinge die man zu verstehen lernen sollte.“Cornelia Pieper, forschungspolitische Sprecherin der FDP-Bundestagsfraktion, wünscht sich eine solche Offenheit, wie sie einst Marie Curie (Physikerin, Chemikerin und Nobelpreisträgerin) propagierte. Mit diesem Zitat eröffnete Cornelia Pieper ihren Beitrag zum 4. Nanotechnologieforum in der Theodor-Heuss-Akademie in Gummersbach. Sprach man einst noch von „Mini“ und „Mikro“ wird heute in Physik und Chemie in kaum mehr vorstellbaren Größenordnungen geforscht: ein Nanometer ist ein Milliardstel Meter.

Neue Materialien wie Fullerene oder Carbon-Nanotubes sind Nanotechnologie und werden schon jetzt in vielen Gebieten eingesetzt Nanos kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Zwerg“. Aber dass Nanotechnologie nichts ist für (kleingeistige) Zwerge, wurde im Seminar deutlich. Nano bietet Potenzial und Chancen zugleich. Vom sich selbst reinigenden Fenster bis zur „Medikamentenfähre“ im menschlichen Körper – in unterschiedlichsten Bereichen scheint heute vieles möglich. Unter Leitung des Altstipendiaten Dr. Olaf Stiller, der die NanoRepro GmbH in Marburg gründete und führt, und des Mitgründers und Stipendiaten, Nicolas Combé, fanden sich Nano-Interessierte in Gummersbach ein. Während die einen sich in diesem Zukunftsbereich auf dem Laufenden zu halten wünschten, wollten die anderen überhaupt erst einmal eine Ahnung vom Thema bekommen.
Eine politische Nano-Strategie für Deutschland

Dr. Olaf Stiller, Nicolas Combé Cornelia Pieper, die auch stellvertretende Bundesvorsitzende der FDP ist, entwarf eine politische Nano-Strategie für Deutschland. Noch seien in diesem Bereich deutsche Firmen, insbesondere im Vergleich zu den USA und Japan, sehr gut aufgestellt. Indien und China holten jedoch auf. China versuche durch Zwangsmaßnahmen und Importverbote die nationale Entwicklung voranzutreiben. In Deutschland hingegen sei „Nano“ noch nicht im Bewusstsein verankert. Die Liberalen in Deutschland setzten sich für die Freiheit der Forschung ein bei vernünftiger Abwägung von Risiken. Dies unterscheide sie deutlich von den Grünen. Die Politik könne günstige Rahmenbedingungen für den Erfolg der Zukunftstechnologie setzen. Dazu gehörten der Abbau bürokratischer Hürden sowie die Senkung der Steuer- und Abgabenlast.
Die Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen, die neue Produkte auf den Markt brächten, sei von 65 % auf 59 % gesunken. Dem gelte es entgegen zu wirken. Die Bildung von Innovationsclustern, die auf engere Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und universitäre Forschung setzten, müsse gerade in der Nanotechnologie gefördert werden. Die Wirtschaft habe ein hohes Interesse an Nano-Produkten, die Politik am Wachstum der Branche und den daraus resultierenden Unternehmensgründungen.
Cornelia Pieper betonte, dass die Wirtschaft mehr Freiraum benötige für Investitionen. Eine mittelstandsfeindliche Steuerreform sei kontraproduktiv. Im Gegenteil müssten steuerliche Anreize für den Auf- und Ausbau der Nanotechnologie sowie von Nano-Unternehmen gesetzt werden. Die Lissabon-Strategie der Europäischen Union, durch die die EU bis 2010 zum wettbewerbsfähigsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden solle, setze die Zielmarke für Forschungsausgaben auf 3 %. Damit sei der Anteil am Bruttoinlandsprodukt gemeint. Zwei Drittel davon müsse von der Wirtschaft aufgebracht werden. Leider sei man davon in Deutschland noch entfernt. Der Anteil stagniere bei 2,5 %.

Prof. Dr. Joachim Wendorff: Nano zum Anfassen Prof. Dr. Joachim Wendorff, Chemiker an der Uni Marburg, machte die Technologie anschaulich, die sich mit dem Kleinsten des Kleinen auseinandersetzt. Nicht zuletzt die medizinische Entwicklung könne von diesem Forschungsbereich sehr stark profitieren. Eine Wundbehandlung mit Nano-Technik könne zu zehn Mal schnellerer Heilung führen, Gewebe könne gezüchtet werden. Für den Mittelstand biete Nano große Chancen, da die Produktion von Nano-Fabrikaten nicht teuer sei. Eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft sei auf jeden Fall erforderlich.
Nano zum Anfassen
„Nano zum Anfassen“ präsentierte Wendorff zum Schluss seines Vortrages: Ein mit Nano-behandeltes Stück Stoff blieb weiß und trotzte dem Rotwein, mit dem ihn Wendorff begoss. Ein Grund mehr, um mit den Seminarteilnehmern auf ein spannendes Thema und ein gelungenes Seminar anzustoßen.
Jochen Leyhe, Referent im Veranstaltungsprogramm der Theodor-Heuss-Akademie





