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Neues Selbstbewusstsein: Russland vor Tag des Protestes

Am morgigen Samstag wird es in Russland zu den größten Protestdemonstrationen seit der Machtübernahme Wladimir Putins kommen. Diese werden nicht nur in Moskau sondern auch in sehr vielen größeren Städten des Landes stattfinden. In Moskau werden zehntausende Teilnehmer erwartet, an viele anderen Orten tausende. Sie protestieren gegen die umfangreichen und systematischen Wahlfälschungen, die bei den Wahlen am vergangenen Sonntag stattgefunden haben. Ihr Ausmaß wird von Beobachtern auf zehn bis zwanzig Prozentpunkte zugunsten der Staatspartei „Einiges Russland“ geschätzt.

In Moskau ist der Ort der Demonstration noch nicht klar. Unter dem eigentlich vorgesehenen „Platz der Revolution“ begannen gestern unaufschiebbare Arbeiten an Wasserleitungen. Teile der Opposition haben sich mit der Stadtregierung auf einen neuen Ort geeinigt, andere sind strikt gegen eine Verlegung. Die Zahl der Demonstranten dürfte beide Plätze füllen – derzeit haben allein auf facebook fast 34.000 Personen namentlich ihr Kommen zur „Demonstration für ehrliche Wahlen“ angekündigt. Im größten russischen sozialen Netzwerk vkontakte.ru sind es bereits über 50.000. Darin sind die vielen nicht eingeschlossen, die auf anderen Wegen von dem Ereignis erfahren haben.

wichtigste Losung: "Russland ohne Putin"

Die Demonstranten eint ihre Unzufriedenheit und ihr Protest gegen die unfairen Wahlen und die Arroganz der Machthaber. Ansonsten sind sie sehr verschiedenen politischen Strömungen zuzurechnen. Das Spektrum reicht von sehr weit links stehenden über liberale Kräfte bis hin zu Nationalisten. Die meisten der Teilnehmer lassen sich jedoch keiner politischen Strömung zuordnen. Viele würden sich selbst schwertun, sich zu verorten. Das einigende Motiv, aus dem heraus sie ihre politische Passivität und die Angst vor Repressionen überwinden, ist der Wunsch, ihre eigene Würde gegenüber der Arroganz der Machthaber wieder herzustellen. Sie wollen sich nicht länger gängeln und wie kleine Kinder behandeln lassen. Auch die Popularität des Führers Wladimier Putin ist gesunken. Eine der wichtigsten Losungen der Demonstrationen der letzten Tage war „Russland ohne Putin“.

Das große Echo auf in den sozialen Netzwerken zeigt, dass es sich bei den Teilnehmern in großen Teilen um gut ausgebildete junge Berufstätige oder Studenten handelt. Viele von ihnen verfügen über ein gutes Einkommen. Die Proteste sind also, jedenfalls in Moskau, nicht vorrangig sozial motiviert. Allerdings ist davon auszugehen, dass bei andauernden Protesten in den Regionen soziale Fragen eine zunehmende Rolle spielen.
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letzte Änderung: 09.12.2011



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