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Neue Aktivitäten in Nordkorea

Eröffnung des Seminars über öffentliche Finanzen
Eröffnung des Seminars über öffentliche Finanzen
Bereits zum dritten Mal innerhalb eines guten Jahres veranstaltete die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNSt) ein Fortbildungsseminar für nordkoreanische Wirtschafts- und Finanzexperten in Pjöngjang. In ihrem Grußwort zur Eröffnung des Seminars über öffentliche Finanzen würdigte die scheidende deutsche Botschafterin, Doris Hertrampf, ausdrücklich das Engagement der Stiftung zur Unterstützung der vorsichtigen wirtschaftlichen Transformation in Nordkorea.

Die Ausgaben- sowie die Einnahmenseite des Staates am Beispiel Deutschlands waren die zentralen Themen der viertägigen Veranstaltung, die in enger Kooperation mit dem Finanzministerium der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK) und der Koreanisch-Deutschen Freundschaftsgesellschaft (KDF) im Kulturpalast des Volkes durchgeführt wurde. Mit starker Beteiligung von rund 75 Teilnehmern aus mehr als zehn Institutionen, darunter Ministerien, Wirtschaftsinstitute, Universitäten und Banken in der DVR Korea, übertraf das Seminar alle Erwartungen. Maßgeblich zum Erfolg beigetragen haben die beiden Referenten, Ralph Hoffmann, Leiter des Referats für Steuerpolitik und –reform im Bundesfinanzministeriums (BMF), und Dr. Elke Baumann, Referentin für Analysen zur Wirtschafts- und Konjunkturentwicklung im BMF.

Neben theoretischen Kenntnissen über Budgetierung, Ausgabenpolitik, Geld- und Steuerpolitik in Deutschland wurden vor allem praktische Kenntnisse über den Aufbau des BMF, Auditing, Steuerarten und –gesetzgebung sowie das in Deutschland praktizierte Verfahren der Steuereinziehung (u.a. Rolle der Finanzämter) vermittelt. Sowohl in den Fragerunden als auch in zwei separaten Arbeitsgruppen, die zum ersten Mal zur Vertiefung der Materie am letzten Tag der Veranstaltung organisiert wurden, kam es zu lebhaften Diskussionen und einem regen fachlichen Austausch zwischen den Referenten und den Teilnehmern. Die sehr aktive Teilnahme auf nordkoreanischer Seite spiegelte nicht nur das große Interesse am Thema, sondern auch marktwirtschaftliches Grundverständnis wieder. Vor allem junge Seminarteilnehmer fielen durch ihr Engagement und ihre fließenden Englischkenntnisse sehr positiv auf. Aufgrund des erfolgreichen Seminarverlaufs und vieler positiver Reaktionen sowohl von den Mitveranstaltern, Teilnehmenden und Vertretern internationaler Organisationen, plant die Stiftung ähnliche Veranstaltungen zu Wirtschafts- und Finanzthemen in der Zukunft.

Zur selben Zeit fand in der Pjöngjanger Studienhalle des Volkes ein viertägiges Seminar über Bibliothekswesen statt. Die Veranstaltung war vom Goethe Institut, das dort 2004 einen Lesesaal eröffnet hatte, organisiert worden.

Ein kultureller Höhepunkt während der Maßnahme der FNSt in Pjöngjang war die koreanische Erstaufführung der 1. Symphonie von Gustav Mahler unter Leitung von Alexander Liebreich. Unterstützt vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) reist der deutsche Dirigent Liebreich seit 2002 regelmässig in die DVRK, um mit nordkoreanischen Musikern Landes-Erstaufführungen ein zu studieren. In diesem Jahr hat er eine Gastprofessur des DAAD in Pjöngjang übernommen.

Das Klassikkonzert war zudem ein Abschiedsgeschenk für die deutsche Botschafterin, Doris Hertrampf, die im Juni nach knapp dreieinhalbjähriger, sehr erfolgreicher Mission die DVR Korea verlässt. Bei einer Abschiedsfeier mit 150 Gästen dankte der Vize-Außenminister der DVR Korea, Kung Sok Ung, Botschafterin Hertrampf für ihren wichtigen Beitrag beim Auf- und Ausbau der Beziehungen zwischen der DVR Korea und Deutschland. Ulrich Niemann, Projektleiter der FNSt in Korea, dankte der scheidenden Botschafterin in seiner Abschiedsrede für ihr großes Engagement und die „erfolgreiche, fachliche Zusammenarbeit“ mit der liberalen Stiftung, worauf „Deutsche und Nordkoreaner gut für die Zukunft aufbauen“ könnten.


Projektleiter der Stiftung referierte auf dem ersten internationalen Forum über Außenhandel

Gruppenbild beim International Trade Forum<br />
 Gruppenbild beim International Trade Forum
Vom United Nations Development Programme (UNDP) und dem Außenhandelsministerium der DVR Korea wurde in Pjöngjang ein Trade Forum durchgeführt. Es war das erste Forum über Außenhandel mit Beteiligung der FNSt, deren Pionierarbeit zur Vermittlung von marktwirtschaftlichen Kenntnissen in der DVRK sehr geschätzt wird. Vertreter von UN Organisationen, Wirtschaftsexperten aus Großbritannien, Singapur, Malaysia, Australien und Deutschland referierten über Handelspolitik, globale Handelsszenarien und Business Trends sowie Handel, Investitionen und Unternehmensentwicklung. Der Projektleiter der Stiftung in Korea, Ulrich Niemann, wurde als Experte zum Forum eingeladen. In seiner Präsentation ging er insbesondere auf die Bedingungen für ein erfolgreiches Anwerben von ausländischen Direktinvestitionen (FDI) ein. Transformations- und Entwicklungsländer müssten langfristige Strategien erarbeiten und dabei konkrete politische Schritte zur Investitionserleichterung ergreifen, so Ulrich Niemann, der auch eine Arbeitssitzung zum Thema FDI leitete. Mehrere Referenten wiesen empirisch nach, dass die Öffnung und Teilnahme von Entwicklungsländern an der Globalisierung mehr Vorteile für die betreffenden Länder als Nachteile gebracht hätten.

Die Veranstaltung über Außenhandel zeigt, dass sich die DVR Korea für internationale Handelsbeziehungen öffnen möchte. Es wurde jedoch betont, dass eine schnelle, friedliche Lösung des Nuklearkonflikts eine wichtige Bedingung für den Ausbau und die Weiterentwicklung der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Ausland sei. Die über 70 nordkoreanischen Teilnehmer werteten die Vorträge und fachlichen Diskussionen als sehr hilfreich für die Entwicklung einer konsistenten Außenhandelsstrategie und Verbesserungen der Investitionsbedingungen in der DVR Korea. Über das Forum wurde in den nordkoreanischen Medien ausführlich berichtet.

Dr. Ulrich Niemann
Projektleiter Südkorea
letzte Änderung: 12.09.2008


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