"Nathan der Weise" in Kirgisistan

Sultan Saladin Die Friedrich-Naumann-Stiftung hat in Bischkek (Kirgistan) durch das Theater „Tschungush“ das „Dramatische Gedicht“ von Gotthold Ephraim Lessing „Nathan der Weise“ in kirgisischer Sprache aufführen lassen. Damit wird die Reihe von Aufführungen des „Nathan“ fortgesetzt, die 2003 (Taschkent, Samarkand), 2005 (Buchara, Chiva) und 2006 (Fergana, Margelan) in Uzbekistan begonnen worden ist.

Beim Schlussapplaus Das Stück stieß bei seiner Premiere in Bischkek auf große Resonanz. Das Theater war bis auf den letzten Platz gefüllt; zahlreiche Vertreter des geistigen und künstlerischen Lebens der Hauptstadt Kirgisistans waren anwesend. Auch der Kultusminister des Landes Rajev sowie der wohl berühmteste Bürger Kirgisistans, der Schriftsteller Tschinges Aitmatov, waren gekommen.

Der Projektleiter mit dem kirgisischen Kultusminister und der künstlerischen Leiterin des Theaters Im Unterschied zu den Aufführungen in Uzbekistan mit dem Uzbekischen Akademischen Nationaltheater, wo der turkmenische Regisseur Ovljakuli den „Nathan“ gleichsam klassisch-überzeitlich inszeniert hatte, war der Bischkeker „Nathan“ modern angelegt. Das Publikum war gleichwohl überaus angetan; die Zuschauer äußerten sich durchweg zustimmend oder sogar begeistert, auch der Kultusminister wie Tschinges Aitmatov waren des Lobes voll.

Professor Baring mit der kirgisischen Übersetzerin In zwei Begleitveranstaltungen ist mit kirgisischen Teilnehmern die Frage erörtert worden, wie das Stück Lessings in die heutige Zeit einzuordnen ist und was das Prinzip Toleranz für das heutige Kirgisistan und die beginnende Islamisierung im Lande bedeutet. Darüber hinaus ist die Frage behandelt worden, ob Toleranz als Prinzip in den internationalen Beziehungen einen Platz hat. Bei beiden Veranstaltungen trug der deutsche Publizist Professor Arnulf Baring mit seinen Vorträgen zur Diskussion wie auch zu ihren Ergebnissen maßgeblich bei. Alle Teilnehmer waren sich darin einig, dass gerade im heutigen Kirgisistan mit seinen ethnischen und religiösen Spannungen Toleranz besonders notwendig ist. Lessing mit seiner Botschaft sei im Land und seiner Gesellschaft auch heute und mehr denn je aktuell.

Teilnehmerin am Begleitseminar Weitere Aufführungen in Kirgisistan sind geplant; es gibt bereits Anfragen aus den Regionen zur Übernahme der Inszenierung. Daran gedacht ist auch, in der Stadt Osch, gelegen an der Grenze Kirgisistans zu Uzbekistan, sowohl die uzbekische Fassung als auch die kirgisische Version des „Nathan“ aufzuführen und in begleitenden Veranstaltungen einen Dialog zwischen der kirgisischen Bevölkerungsmehrheit und der uzbekischen Minderheit der Stadt zu initiieren.
Mit dem „Nathan“ und den Begleitseminaren hat die Friedrich-Naumann-Stiftung ihre Arbeit in Kirgisistan aufgenommen. Sie stieß bei ihrer Premiere und den in Bischkek mit zahlreichen Vertretern staatlichen Stellen wie auch von NGOs auf lebhaftes Interesse und konkrete Nachfrage. Damit eröffnen sich Perspektiven für eine Vertiefung der Arbeit der Stiftung in Zentralasien.





