München: Stiftung zeigt Präsenz beim Kirchentag

Liberale zu Besuch: Bayerns Wirtschaftsminister Zeil und Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger... Man stelle sich vor: ein gemeinsamer Parteitag der beiden traditionsreichen Volksparteien Union und SPD. Ein April-Scherz? In der Politik vielleicht, nicht aber in der Kirche. Bereits zum zweiten Mal nach 2003 stellten Katholiken und Protestanten, die beiden großen Konfessionen hierzulande, einen Ökumenischen Kirchentag auf die Beine, diesmal in München, im barocken, zwiebelturmreichen Süden.

...sowie die Bundestagsabgeordneten Königshaus und Meinhardt... Kirchentage bieten traditionell viel Raum für Dialog und Diskussion. Dabei dürfen die Stimmen aus Zivilgesellschaft und Politik nicht fehlen. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zeigte deshalb auch in diesem Jahr wieder Präsenz, auch sie war mit einem Stand auf der „Agora“ auf dem Gelände der Messe München International vertreten.
Die Nachbarschaft des Stiftungsstandes – ein kirchentagstypisches, farbenfrohes Bild: nebenan der Stand der Vorfeldorganisationen der FDP, vis-à-vis die Birthler-Behörde, um die eine Ecke die Hanns-Seidl-Stiftung, um die andere die religiösen Sozialisten. Interessiert war, wer an den Stand kam, vor allem an der internationalen Arbeit der Stiftung, an den Angeboten der Begabtenförderung und an Publikationen zur Migrations- und Integrationspolitik. Mancher Besucher war erstaunt zu erfahren, dass Friedrich Naumann, Namensgeber der Stiftung, selbst Theologe war und vor Beginn seiner politischen Karriere in der Großstadtseelsorge gearbeitet hatte.

...und Pascal Kober mit Pfadfindern. Trotzdem war, anders als beim Evangelischen Kirchentag im Vorjahr in Bremen, diesmal wärmere argumentative Kleidung gefragt. Seit Oktober tragen die Liberalen im Bund Regierungsverantwortung, Kritik an Erscheinungsbild und politischer Agenda der Blaugelben in Berlin konnten daher nicht ausbleiben. Der Ton, in dem sie geäußert wurden, blieb allerdings sachlich – man war nicht im Straßenwahlkampf, man war unter Christenmenschen.
Auch Prominenz darf auf Kirchentagen nicht fehlen. Kein Wunder, dass die namhaften Besucher am Stiftungsstand vor allem aus der Politik kamen, darunter Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil, Hellmut Königshaus, neuer Wehrbeauftragter der Bundesregierung, sowie die Bundestagsabgeordneten Nicole Bracht-Bendt, Pascal Kober, Martin Lindner und Patrick Meinhardt. Auch Bernhard Vogel, bis Ende vergangenen Jahres Chef der Konrad-Adenauer-Stiftung, machte der Stiftung für die Freiheit seine Aufwartung.
Der erste Ökumenische Kirchentag hatte vor sieben Jahren in Berlin stattgefunden. Der diesjährige, zweite stand unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“, einem Wort aus dem 1. Petrusbrief. Den Segen beim Schlussgottesdienst am Sonntag auf der Theresienwiese empfingen rund einhunderttausend Gläubige. Manch einer davon dürfte sich in den Tagen zuvor am Stiftungsstand mit den Segnungen des politischen Liberalismus vertraut gemacht haben.
Lars-André Richter





