Navigation

Zur Startseite

Inhalt

Mit weniger Geld mehr Kunst – kann das gelingen?

Buecheler
Buecheler
Kann das öffentlich finanzierte Theater angesichts steigender Kosten und einer sinkenden Anzahl Interessierter weitermachen wie bisher? Über diese Frage wurde auf einer Diskussionsveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Berlin leidenschaftlich diskutiert. Fazit: Kultur muss bezahlbar bleiben und staatlich gefördert werden.

Über die Frage jedoch, inwieweit bestehende Strukturen im öffentlichen Theater geändert werden müssen, wurde heftig gestritten. Ausgangspunkt waren Thesen zur Zukunft des Theaters des Berliner Regisseurs und Theaterproduzenten Frank Alva Buecheler.


Stadttheater als Hort der Romantik – ein Auslaufmodell?

Buecheler kritisierte den Zustand der öffentlichen Theater, denen immer mehr das Publikum fehle: Selbstverliebte Intendanten klagten immerfort über Kürzungen, könnten aber selber nicht wirtschaftlich arbeiten. Starre Regeln, ein absurder Spagat von Proben und Spielbetrieb sowie undurchdringliche Tarifverträge behinderten die Entfaltung von Kunst und Kreativität.

Die Qualität und die Leidenschaft der Mitwirkenden bleibe dabei zwangsläufig oft auf der Strecke. Öffentliche „Stadttheater“ mit Schauspielern, die in einer Stadt leben und ein halbes Leben am selben Haus spielen, seien nicht mehr zeitgemäß. Dieser „Hort der Romantik“ sei ein Auslaufmodell.


Trias von Struktur – Ästhetik - Relevanz

Gleichzeitig biete sich dem Theater durch die Finanzkrise die einmalige Chance, sich zu erneuern, moderner und flexibler zu werden. Die Theater als offener Ort der Kommunikation müßten das moderne Leben an sich und in seiner zunehmenden Vielfalt stärker einbeziehen, mehrsprachig sein, den Kontakt zur freien Szene suchen und sich dem wandelnden Freizeitverhalten der Menschen stellen.

Die Balance zwischen der Trias von Struktur, Ästhetik und Relevanz müsse neu justiert werden. Buecheler zeigte sich jedoch optimistisch: Es gebe etliche Gründe, dem Theater eine glänzende Zukunft zu attestieren – es dürfe nur nicht weitermachen wie bisher.

Als neue Konzeption schlug er eine dreigliedrige Aufteilung ähnlich etwa der Filmbranche vor. Zum einen gebe es Ensembles und Kompanien, die Aufführungen produzieren: die Produktionsgesellschaften. Ihnen stünden die Theater gegenüber, die Produktionen einkaufen, die nicht produzieren müssen und sich besucherorientiert voll auf Kunstvermittlung, Kommunikation und Marketing konzentrieren können. Agenturen wiederum vermittelten zwischen den Angeboten der Produzenten und der Nachfrage der Theater.


Theaterlandschaft bewahren

Deutschmann MdB
Deutschmann MdB
Anschließend wurden die Thesen unter der Moderation von Peter Claus vom rbb Kulturradio diskutiert. Reiner Deutschmann MdB, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, zeigte Übereinstimmung mit Buecheler in der Hinsicht, daß das Theater der Zukunft neue Wege gehen muß. Zweifel zeigte er jedoch an dem von Buecheler vorgeschlagenen Weg. Es sei keineswegs sicher, daß die Alternativen Buechelers kostengünstiger seien als die heutige Förderung. Zudem hätte das Theater gerade im ländlichen Raum eine wichtige Funktion. Oft habe sich gezeigt, daß die Zuhörer keine externen Produktionen sehen wollen sondern mit dem Ort verbundene Produktionen einheimischer Schauspieler.
Wichtig sei, die kulturelle Vielfalt zu erhalten. In den aktuellen Haushaltsberatungen seien gerade 100.000 Euro für den Bundesverband Freier Theater eingeplant, um auch diese Szene zu stützen.

Sutter, Schwarz, Deutschmann, Unganz
Sutter, Schwarz, Deutschmann, Unganz
Thomas Sutter, Autor und Intendant des freien Theaters „Atze Musiktheater“ aus Berlin, bekräftigte, es sei wichtig, die freie Szene zu stützen. Es sei natürlich wichtig, große öffentliche Theater zu fördern. Die Diskrepanz zwischen den staatlich geförderten und den freien Theatern hinsichtlich der Arbeitsmöglichkeiten sei jedoch zu hoch. Dies führe zur Frustration. Gleichzeitig arbeiteten öffentlich Theater oft zu bürokratisch.

Der Schweizer Theaterregisseur Samuel Schwarz bestätigte diese Auffassung. Eine zunehmende Bürokratisierung der Theater führe zur Entfremdung des Schauspielers von seiner Rolle. Freies Denken komme in öffentlichen Theatern zu wenig vor. Trotzdem sei er auf diese und das dort vorhandene Geld angewiesen.

Ronny Unganz, geschäftsführender Direktor der Staatsoper Unter den Linden, widersprach den Thesen Buechelers sowie den Äußerungen Schwarz'. Die öffentlichen Theater hätten eine gute Auslastung von etwa 80%. Das zeige, daß die Menschen die Kunst annehmen, die gezeigt wird. Gleichzeitig seien öffentliche Subventionen unerläßlich. Aufgrund der jährlichen Inflation müßten die Kartenpreise jährlich erhöht werden, um die Kosten auf gleichem Niveau zu halten. Insofern sei man auf externe Unterstützung angewiesen.


Kinder- und Jugendtheater fördern

Die Diskutanten waren darin einig, daß es wichtig sei, die Kinder- und Jugendtheater besonders zu fördern. Dort werden die Theaterbesucher von morgen an Kultur herangeführt. Gleichzeitig gelte es, eine „Harry-Potterisierung“ der deutschen Theater zu vermeiden. Die deutsche Theaterlandschaft in ihrer Vielfalt sei weltweit einzigartig und müsse bewahrt werden.

Anne Wellingerhof
Regionalbüro Berlin-Brandenburg

Konzeption von Frank Alva Buecheler
letzte Änderung: 06.01.2011


14.06.2012: Gamingmetropole Hamburg!? Gamingmetropole Hamburg!

15.06.2012: Vorankündigung: 9. Karlsruher Verfassungsdialog "Das Internet in der Politik: ...

23.11.2012 bis 25.11.2012: Freiheit und Verantwortung - Philosophische Grundlagen

Schaufenster Stiftung

Blog des Liberalen Instituts

24.05.2012: Interview mit Ronald Coase mehr...

24.05.2012: Stimulus-Faktoid mehr...

23.05.2012: Wer lesen kann ist klar im Vorteil mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit