Zwischen Freiheit und Gleichheit – Das Spannungsfeld zwischen Migration, gesellschaftlicher Teilhabe und Wettbewerb
Internationale Konferenz in Zusammenarbeit mit dem German Marshall Fund of the United States

Podium In Berlin fand die letzte Veranstaltung der dreiteiligen Tagungsreihe zum Thema Zuwanderung statt. Diesmal wurden die Chancen der Migranten an gesellschaftlicher Teilhabe erörtert.
Nach einer Begrüßung durch Tanja Wunderlich (German Marshall Fund) schilderte Christian Taaks (Leiter Begabtenförderung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit) einführend das liberale Dilemma des Grades in dem der Staat bei dem Thema Chancengleichheit eingreifen soll bzw. muss. „Jeder ist seines Glückes Schmied“, sei eine liberale Devise, die jedoch in Deutschland durch mangelnde Anerkennung ausländischer akademischer Abschlüsse zu taxifahrenden Physikern führte. Die aktuelle Diskussion zur Einwanderung ausländischer Fachkräfte werfe die Frage auf, ob durch die Aktivierung der bereits im Land lebenden Migranten, Frauen und Älteren nicht zumindest ein Teil des Bedarfes gedeckt werden könnte. Es gelte aber auch langfristig die Durchlässigkeit zwischen den Schichten zu erhöhen, um die Integration der nachwachsenden Generationen mit Migrationshintergrund zu gewährleisten.

Straubhaar Der Hauptredner Prof. Thomas Straubhaar (Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts), selbst Migrant aus der Schweiz, bezeichnete die Kommentare der Herren Sarrazin und Seehofer als kontraproduktive Phantomdiskussionen, da Deutschland derzeit – zumindest was die statistischen Daten angeht – eher ein Aus- als ein Einwanderungsland sei. Seit 2008 gelte für Deutschland ein negatives Wanderungssaldo. Intellektuelle in Deutschland sollten vermehrt darauf aufmerksam machen, dass die Emotionalität in dieser Diskussion derzeit in die falsche Richtung laufe. „Die Praxis ist in den meisten Fällen besser, als die aufgeheizte Diskussion derzeit vermuten lässt“. Eine entscheidende Rolle bei der Haltung gegenüber Migranten spiele aber natürlich die persönliche Situation. So würden beispielsweise Professoren Zuwanderung befürworten, da die einheimische Forschung durch solche Internationalisierung tendenziell profitiere. Arbeitende im niedrigen Lohnsektor sehen Zuwanderer dagegen als unmittelbare Konkurrenten um Arbeitsplätze und fürchteten die Gefahr des Lohndumpings.
Schere zwischen Gebildeten und Ungebildeten
Das eigentliche Problem in Deutschland sei jedoch, dass wir auf eine wachsende soziale Problematik zusteuerten: So sorge der demographische Wandel mit einer steigenden Zahl an Pflegefällen und immer weniger Erwerbstätigen für weitere Spannungen und die Schere zwischen Gebildeten und Ungebildeten klaffe immer weiter auseinander. „Es handelt sicher daher weniger um ein Zuwanderungs- als vielmehr um ein Schichtenproblem, vor welchem Deutschland sich derzeit sieht, und welches es zu beheben gilt“, so Straubhaars Analyse. „Potenziert wird dieses Problem noch, wenn es zu einer Überlagerung der Schichten kommt: migrant, krank und ungebildet!“




