Liberalismus und Diktaturen
Rund 40 Gäste nahmen teil an einer Abendveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung, Büro Berlin-Brandenburg, im Atrium des Truman-Hauses in Potsdam-Babelsberg mit dem Thema Liberalismus und Diktaturen in Deutschland.Prof. Dr. Karl-Hans Laermann Bei der Begrüßung legte Professor Dr. Karl-Hans Laermann, Bundesminister a. D. und Vorsitzender des Programmausschusses der Friedrich-Naumann-Stiftung, einen besonderen Augenmerk auf den Widerstand liberaler Persönlichkeiten gegen die Diktaturen des Faschismus und der kommunistischen Herrschaft in Ostdeutschland.
Prof. Dr. Joachim Scholtysek
Professor Dr. Joachim Scholtysek, Rheinische Friedrich-Wilhelm-Universität Bonn, hielt einen Vortrag, der sich mit den Handlungsbedingungen bürgerlicher Opposition in totalitären Staaten beschäftigte.
Opposition und Widerstand stellen in einer Diktatur immer ein Ausnahmeverhalten dar, weil Mitmachen und Anpassen die einfachste Lösung und Widerstand die gefährlichste ist. Mit Beispielen des Attentats auf Hitler und der stalinistischen Säuberungsprozesse in Ostdeutschland würdigte der Referent den starken Charakter und den Heldenmut der Oppositionskräfte, die ihrem Gewissen folgten und damit existentielle Probleme für das materielle und persönliche Überleben in Kauf nehmen mussten. Die Bewertung der Regimegegner reicht von einer notwendigen Anpassung, einer erzwungenen Kollaboration bis hin zum aktiven Widerstand, dabei kommen lupenreine Helden recht selten vor. Uns heute Lebenden geht sehr schnell das Gefühl dafür verloren, dass in anderen Zeiten die Bedingungen des Handelns auch ganz andere waren.
In der lebhaften Diskussion legte Renate Schneider, Mitglied des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung und Vorsitzende der Karl-Hamann-Stiftung, besonderen Wert auf die Feststellung, dass Biografien von Politikern rein aus der Stasi-Aktenlage heraus beschrieben, so wie sie von Dr. Karl Hamann, dem Mitvorsitzenden der ostdeutschen LDP, im Jahrbuch des Liberalismus 2004 veröffentlicht wurde, äußerst problematisch sind. Reine Aktengläubigkeit hilft hier nicht weiter, zumal man weiß, dass gerade die Stasi-Akten die Wahrheit nur begrenzt wiedergeben.
Peter Menke-Glückert, stellvertretender Vorsitzender des Kuratoriums der Friedrich-Naumann-Stiftung, verwies als Zeitzeuge und Mitstreiter im liberalen Widerstand gegen die kommunistische Diktatur auf seine Forschungsergebnisse insbesondere über das Wirken und das Schicksal von Karl Hamann, die er nun zur Veröffentlichung vorlegte. Er mahnte ein differenziertes Urteil für die Vorgänge der damaligen Zeit an, in der die Spielregeln des Rechtsstaates ihre Gültigkeit verloren hatten.
Wolfgang Glaeser





