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01.08. - Liberale Stichtage: 75. Todestag von Hellmut von Gerlach

von Gerlach
von Gerlach
Nicht von ungefähr hat Hellmut von Gerlach seine postum erschienene Autobiographie mit dem Titel „Von rechts nach links“ überschrieben: Anders als enge Verwandte fand der einem schlesischen Adelsgeschlecht entstammende Journalist seine politische Heimat nicht im Konservativismus, sondern als Liberal-Demokrat im Umfeld Friedrich Naumanns.

Mit diesem gründete er 1896 den Nationalsozialen Verein und ihm folgte er 1918 in die Deutsche Demokratische Partei. Aufsehen erregte er 1903, weil von Gerlach damals in Marburg den einzigen national-sozialen Wahlerfolg feiern und ein Mandat für den Reichstag gewinnen konnte.

Von Naumann und den meisten Liberalen seiner Zeit trennte ihn aber sein pazifistisches Engagement, zu dem er sich bereits im Ersten Weltkrieg bekannte. 1918/19 setzte er sich als Unterstaatssekretär im preußischen Innenministerium für die Versöhnung zwischen Polen und Deutschland ein, warb publizistisch für die Anerkennung des Versailler Vertrages und die Aussöhnung mit Frankreich und unterstützte zusammen mit Ludwig Quidde aktiv die noch heute bestehende „Deutsche Friedensgesellschaft“.

Nach der politisch motivierten Verurteilung des späteren Nobelpreisträgers Carl von Ossietzky übernahm von Gerlach 1931 die Redaktionsleitung der „Weltbühne“, der führenden Zeitschrift des Linksrepublikanismus.

Folgerichtig stand er bei den Nazis ganz oben auf den Ausbürgerungslisten, musste Deutschland verlassen und ins Exil nach Frankreich gehen. Dort stand er an der Spitze einer Kampagne für seinen nunmehr im KZ einsitzenden ehemaligen Weltbühne-Kollegen, starb jedoch gut ein Jahr, bevor diese im November 1936 mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an von Ossietzky vom Erfolg gekrönt war.

Hellmut von Gerlach in den Verhandlungen des Reichstages / Stenographische Berichte (1895-1918), beim Deutschen historischen Museum
Hellmut-von-Gerlach-Gesellschaft
Deutsch-Polnische Gesellschaft
Politische Notizen vom 2. Juli 1903

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.
letzte Änderung: 26.07.2010


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