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30.07. - Liberale Stichtage: Gründung der Deutschen Staatspartei

Flugblatt der DSP
Flugblatt der DSP
Der Name war ebenso außergewöhnlich wie das Vorgehen: Die Gründung der „Deutschen Staatspartei“ vor 80 Jahren war eigentlich ein eigenmächtiger Coup des DDP-Vorsitzenden Erich Koch-Weser (vgl. Liberaler Stichtag 19.10.2009), der die Fusion seiner Partei mit dem Jungdeutschen Orden ohne Rücksprache mit den Parteigremien betrieben hatte.

Doch die Situation war ungewöhnlich: die Weltwirtschaftskrise war auf die Weimarer Republik durchgeschlagen, die Regierung, an der die DDP beteiligt war, fand sich ohne parlamentarische Mehrheit (vgl. Liberaler Stichtag 30.3.2010) und nur war auch noch der Reichstag aufgelöst worden; die DDP, die ohnehin permanent an Zuspruch verloren hatte, sah einem schwierigen Wahlkampf entgegen.

Um die strategische Situation des Liberalismus insgesamt zu verbessern, wollte Koch-Weser die DDP zum Ausgangspunkt einer breiten bürgerlich-mittelparteilichen und zugleich republiktreuen Plattform machen, wofür die Fusion mit dem jugendbewegten, aber vor allem aus Weltkriegssoldaten bestehenden Jungdeutschen Orden der erste Schritt sein sollte.

Im Parteinamen sollte das Eintreten für die liberal-demokratische Grundordnung der Republik zum Ausdruck kommen, deshalb wählte man die Bezeichnung „Staatspartei“. Die große Mehrheit im DDP-Vorstand sah dazu keine Alternative und segnete deshalb Koch-Wesers nicht-autorisiertes Vorgehen nachträglich am 30. Juli 1930, sechs Wochen vor der Wahl ab.

Doch die Hoffnungen erfüllten sich nicht: Der Zuzug von anderen bürgerlichen Mittelparteien, insbesondere von der rechtsliberalen Schwesterpartei DVP blieb aus. Bei den Reichstagswahlen vom September 1930 verlor die Staatspartei noch einmal ein rundes Viertel des DDP-Anteils von 1928 und unmittelbar danach brach die Gemeinschaft mit den Jungdeutschen auseinander.

Die neue Staatspartei war seitdem faktisch identisch mit dem Rest der alten DDP. Von diesem Rückschlag erholten sich die Weimarer Linksliberalen nicht mehr, auch wenn Erich Koch-Weser Vizekanzler Hermann Dietrich an der Parteispitze Platz machte. Bei den nächsten Wahlen von 1932 wurden beide liberalen Parteien marginalisiert, 1933 dann auf Druck der Nationalsozialisten aufgelöst (vgl. Liberale Stichtage 28.6.2008 u. 4.7.2008).

Wahlplakate der DSP

Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.
letzte Änderung: 26.07.2010


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