12.01.2012 - Liberale Stichtage: 85. Geburtstag von Ignatz Bubis

Bubis Von den zeitweise engen Beziehungen zwischen Judentum und Liberalismus in Deutschland ist immer wieder die Rede gewesen (vgl. z. B. Liberale Stichtage 23.09.2008, 08.09.2010 und 11.09.2011). Das politisch-gesellschaftliche Engagement von Ignatz Bubis steht für die Nachwirkungen davon in der Bundesrepublik.
1927 geboren stammte Bubis aus dem jüdischen Kleinbürgertum Breslaus; 1935 floh die Familie nach Polen. Anders als etliche Familienangehörige überlebte er die deutsche Besatzungszeit und ging trotz der Erfahrungen mit Ghetto und Arbeitslager nach Kriegsende nach Deutschland zurück. Seine Händlertätigkeit in Dresden musste er allerdings auf Druck der sowjetischen Besatzungsmacht aufgeben und floh 1949 in den Westen.
Hier arbeitete Bubis zunächst als erfolgreicher Kaufmann für Edelmetall, ehe er sich, seit 1956 in Frankfurt am Main ansässig, dem Immobiliengewerbe zuwandte. Seit 1969 Mitglied der FDP engagierte er sich in der örtlichen jüdischen Gemeinde, wurde dann aber wegen seiner Beteiligung an der Umgestaltung des Frankfurter Westends stark von linken Kräften angefeindet und sogar Gegenstand eines Theaterstücks.
Dennoch wuchs das Ansehen von Bubis, der allgemein als Mann des Ausgleichs galt, derart, dass die FDP, deren Bundesvorstand er ab 1992 angehörte, ihren Wiedereinzug in das Frankfurter Stadtparlament nach langer Abstinenz 1997 seiner kommunalpolitischen Spitzenkandidatur verdankte.
Sein wichtigste gesellschaftliches Betätigungsfeld blieben aber die jüdischen Gemeinden: Ab 1983 stand Bubis der in Frankfurter vor, als Mitglied des Zentralrates der Juden – seit 1982 – wurde er 1989 dessen stellvertretender Vorsitzende und 1992 dort an die Spitze gewählt. Diese Funktion hielt Bubis bis zu seinem Tod im August 1999 inne, zeigte sich aber am Ende von der Bilanz seines Wirkens für das deutsch-jüdische Zusammenleben eher enttäuscht, weshalb er auch verfügte, nicht in Deutschland, sondern in Israel beerdigt zu werden, wo sich sein Grab in Tel Aviv befindet.
In einem gewissen Gegensatz zu Bubis’ resignativer Haltung kurz vor seinem Tod stehen die zahlreichen Ehrungen, die er zu seinen Lebezeiten und postum erfuhr: So wurde in Frankfurt eine Brücke nach ihm benannt und verleiht die Stadt ihm zu Ehren einen Preis, während die Friedrich-Naumann-Stiftung, deren Kuratorium Bubis lange Jahre angehörte, seit 2001 ein nach ihm benanntes Stipendium für Doktoranden vergibt.
Lebenslauf Bubis' beim Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland
Ignatz-Bubis-Stipendium
Glückwünsche Wolfgang Gerhardts zum 70. Geburtstag Bubis'
Redemanuskript Bubis' zum außerordentlichen Bundesparteitag der F.D.P. am 4. September 1994 in Nürnberg
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