Liberale Lösungen für netzgebundene Märkte

Diskussion in der Theodor-Heuss-Akademie: Wie funktionieren netzgebundene Märkte? Liberale sind von der Effizienz und Wirksamkeit marktwirtschaftlicher Prinzipien überzeugt - und diese Effizienz ist in einer Unzahl von Fällen auch empirisch belegt. Märkte "verwalten" selbst extrem komplexe Strukturen von Angebot und Nachfrage.
Doch wie ist es, wenn ein Markt aufgrund technischer Gegebenheiten ohne weiteres gar nicht existiert? Ein prominentes Beispiel solcher Fälle sind die sogenannten „netzgebundenen Märkte“, also etwa Strom, Gas, Wasser, Telekommunikation und auch die Eisenbahn.
Schnell sind Marktskeptiker der Meinung, diese Bereiche gehörten in staatliche Hand, da sie ansonsten mindestens zu Monopolen mit überhöhten Preisen, wenn nicht sogar zu Sicherheitsrisiken für die Verbraucher führten. Gibt es also Bereiche der Wirtschaft, in denen nur die steuernde Hand des Staates hilft? Müssen Märkte hier zwangsläufig versagen?
Im Rahmen des Seminars "Netzgebundene Märkte" in der Theodor-Heuss-Akademie erörterten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit Experten aus den verschiedenen Bereichen, wie netzgebundene Märkte heute funktionieren und welche Form von Regulierung notwendig oder wünschenswert sei. Wie sich herausstellte, ist es mit dieser nämlich sehr wohl möglich, sicherzustellen, dass Marktmacht von (ehemaligen) Monopolisten nicht zur Aushebelung von
Wettbewerb missbraucht wird, und die Vorteile marktwirtschaftlicher Effizienz für die Verbraucher zu erzeugen.
Ein "natürliches Monopol"
Michael Coenen vom Düsseldorf Institute for Competition Economics der Universität Düsseldorf erläuterte zu Beginn des Seminars die Besonderheiten netzgebundener Märkte: Für den Betreiber eines Netzes entsteht in vielen Fällen ein sogenanntes "natürliches Monopol". Je weiter das Netz ausgebaut wir und je mehr Menschen durch ein solches Netz zum Beispiel mit Energie, Telekommunikationsdienstleistungen oder Verkehrsangeboten erreicht werden können, desto geringer werden die Kosten für jede zusätzlich produzierte Einheit des Angebots. Dazu kommen finanzielle, technische und praktische Schwierigkeiten, die beispielsweise den Aufbau eines zweiten, parallelen Eisenbahnnetzes in Deutschland unmöglich und andere Wege zur Etablierung eines funktionierenden Marktes erforderlich machen.
Coenen erläuterte, dass für sogenannte resistente natürliche Monopole, wie sie in Netzen von Versorgungsunternehmen bestehen, ein Regulierungsbedarf besteht. Ein Weg besteht in bindenden Vorgaben, die einen Netzbetreiber zwingen, sein Netz zu fairen Kosten für die Konkurrenz zu öffnen und damit Wettbewerb zu ermöglichen. Allerdings wird im Gegensatz zu der traditionellen Sichtweise, das Unternehmen als Ganzes einer Regulierung oder sogar staatlicher Aufsicht zu unterstellen, nun versucht, die Wertschöpfungskette disaggregiert zu betrachten, das heißt nur die wesentlichen und notwendigen Einrichtungen zu regulieren.





