Liberale Bildungspolitik – konzipiert in Ghana

Grundschulklasse in Ghana Die Zweite „Annual Liberal Lecture“ in Ghana stand ganz im Zeichen liberaler Bildungspolitik. Die bildungspolitische Elite, mit Bildungsminister und Ministerin für Hochschulbildung, den Vorsitzenden des Parlamentsausschusses für Bildung und der nationalen Bildungskommission, mit Akademikern und Bildungsplanern hörte und diskutierte den Fachvortrag von E. Gyimah-Boadi, Politikprofessor und Partner der Friedrich-Naumann-Stiftung, zum Thema „Reflections on Liberalism and Education in Ghana“.
Die Stiftung stößt mit ihrer Initiative und Kampagne für eine bessere Bildung nicht nur die Diskussion in Deutschland an. Für das Projektland Ghana z.B. kann eine liberale Bildungspolitik ein zentraler Hebel werden, um die Millenniums-Zielvorstellungen (MDG), wie auch für Ghana in der Armuts-Reduzierungs-Strategie (Poverty Reduction Strategy) formuliert - jedes Kind erhält bis zum Jahr 2015 eine ununterbrochene Schulbildung bis zum 17 Lebensjahr -, mit Aussicht auf Erfolg anzugehen.
Zwar hat der Staat per Verfassung allen Bürgern gleiche Bildungsbedingungen versprochen und Schulpflicht dekretiert, aber – auch mit Privatsektor – macht er ein bei weitem nicht ausreichendes Schulangebot. Die Einschulungszahlen in die Grundschule variieren regional zwischen 40% und über 80% - mit einem Durchschnitt von ca. 78% bei Jungen und 70% bei Mädchen. Dazu kommt, das derzeit 65% der Schüler nach der Grundschule auf der Straße stehen und es wichtig wäre, durch bessere Qualifikation die Übergangszahlen von „Primary“ in „Secondary“- Bildung, besonders für Mädchen, zu erhöhen.
Auch das (fast ausschließlich) staatliche Angebot im Hochschulbereich steht derzeit nur 2,5% der Altersgruppe zwischen 18 und 21 Jahren zur Verfügung. Ein ganzheitliches, auf den gesamten Bildungssektor ausgerichtetes Konzept müsste es ermöglichen, mehr Schüler und Studenten in allen Bildungsformen zu erreichen.
Was denken Ghanas Liberale zu diesen Problemen und Fragestellungen?

Ernst Specht, Prof. Cyril Daddieh, Hon. Yaw Osafo Maafo, Prof. E. Gyimah-Boadi, Larry Bimi (von links) Ein Vordenker ist sicher E. Gyimah-Boadi, Politikprofessor an der Legon-Universität und Leiter der Partnerorganisation der FNSt, Ghana Center for Democratic Development – CDD-Ghana. In seiner Rede bei der diesjährigen „Annual Liberal Lecture“ wies er zunächst darauf hin, dass Bildung grundlegende Voraussetzung dafür sei, dass individuelle Selbstbestimmung möglich werde. Daher sei Bildungspolitik ein zentrales Thema für Liberale. Auch korreliere Bildung stark mit dem Aufbau von sozialem Kapital - daher sei es für Liberale erforderlich, einen breitest möglichen Zugang zu Bildung zu schaffen, was nur durch ein offenes Angebot vieler Träger und nicht durch Staatsmonopol möglich sei.
Prof. Gyimah-Boadi analysiert die Krise im Bildungssystem Ghana´s, geprägt durch Defizite beim Zugang, ungleiche Chancen, schlechte Qualität, wenig soziale Relevanz und ausufernde Verwaltung.
Und er konstatiert bei vielen Kritikern liberaler Politik die Ansicht, dass negative Auswirkungen der durch Weltbank und Währungsfonds geprägten „neo-liberalen Reformpolitik“ der letzten 25 Jahre im Bildungssektor in Ghana jetzt nicht durch liberale Bildungspolitik wieder behebbar seien. Er setzt dagegen, dass liberale Politik von „neo-liberaler“ zu differenzieren sei. So sehe liberale Bildungspolitik sehr wohl die wichtige Rolle des Marktes, aber auch die Notwendigkeit effektiver staatlicher Regulierung, um Zugang zu Bildung und deren Qualität zu verbessern. Nicht zuletzt weist er darauf hin, dass liberale Prinzipien wie Dezentralisierung Anwendung finden müssen, um das Management in Bildungseinrichten zu verbessern. Die „Liberal Lecture“, die in den Medien und Fachkreisen ein großes Echo fand, kann abgerufen werden und ist per mail vom Büro Accra der FNSt, aber auch von CDD erhältlich!
Ernst Specht
Projektleiter Accra, Ghana





