20.08. - Liberale Stichtage: 200. Geburtstag von August Ludwig von Rochau

August Ludwig von Rochau Mit August Ludwig von Rochau verbindet sich rückblickend weniger eine zwar bewegte, aber nicht unbedingt herausragende politische Karriere als vielmehr ein Buch, das einer ganzen Generation das Stichwort gab: 1853 veröffentlichte er seine „Grundsätze der Realpolitik“ mit weitreichenden politischen Folgen nicht nur für den deutschen Liberalismus.
Zuvor war Rochau als radikaler Student aufgefallen, der aus politischen Gründen mehrfach relegiert wurde und 1833 am berühmten „Frankfurter Wachensturm“ teilnahm, mit dem radikale Liberale ein Zeichen gegen die reaktionäre Politik des Deutschen Bundes setzen wollten.
Der Verfolgung entzog sich Rochau durch Flucht ins Ausland, um 1848 nach Deutschland zurückzukehren und die Revolution publizistisch zu unterstützen. Aus derem vorläufigen Fehlschlag zog er Schlüsse, die er in dem genannten Werk zusammenfasste und damit mittelbar zu einer Strategieänderung der deutschen Liberalen beitrug: Fortan setzten sie vor allem auf evolutionäre Veränderungen des innen- und nationalpolitischen Status quo, u. a. mit der Gründung des Deutschen Nationalvereins (vgl. Liberale Stichtage vom 14.8. und 15./16.9.2009).
Rochau unterstützte den Nationalverein ebenso wie die Gründung der Nationalliberalen Partei 1867, die er wie viele andere als weitere „realpolitische Wende“ des Liberalismus angesichts der Bismarckschen Erfolge auf dem Schlachtfeld und bei der Lösung der deutschen Frage sah. Für die Nationalliberalen saß er noch einige Jahre im Reichstag, ehe er im Alter von 63 Jahren 1873 verstarb.
August Ludwig von Rochau bei wikisource
Liberale Stichtage - mit dieser Serie erinnert das Archiv des Liberalismus in unregelmäßigen Abständen an Ereignisse und Personen aus der Geschichte des deutschen Liberalismus. Alle bisherigen ‚Stichtage’ finden Sie hier.





