Konferenz: Lateinamerika - der vergessene Kontinent?
Vergessen sei Lateinamerika zwar keineswegs, aber durch gravierende Ereignisse in anderen Regionen an den Rand des Blickfeldes der deutschen Öffentlichkeit gerutscht, hierin waren sich Experten und Teilnehmer der gleichnamigen Konferenz in Hamburg einig. Organisiert wurde die im Übersee-Club durchgeführte Veranstaltung von der Friedrich-Naumann-Stiftung in Kooperation mit dem GIGA Institut für Iberoamerika-Kunde und dem Ibero-Amerika-Verein.
Dr. Wolfgang Gerhardt im Hamburger Übersee-Club Wenn Deutschland, wenn Europa die Entwicklungen in dieser menschen- und rohstoffreichen Weltregion nicht vollständig verschlafen wolle, müsse das Augenmerk dringend wieder auf den Subkontinent, seine Regionen und Länder gelenkt werden, so der Tenor der Ausführungen von Dr. Wolfgang Gerhardt, Vorstandsvorsitzender der Friedrich-Naumann-Stiftung. Diesen Standpunkt erläuterte Gerhardt auch ausführlich in einem Interview mit den "Nachrichten für Außenhandel".
Zu sehr hat Deutschland in den letzten 15 Jahren nach Asien, speziell nach China und Indien, geschaut, und dort den Wirtschaftsaufschwung bewundert, so Dr. Wolf-Dieter Zumpfort, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Stiftung, in seinem Eingangsstatement.
Zahlreiche lateinamerikanische Länder haben in den vergangenen Jahren einen viel beachteten Sprung von autoritären Militärregimes hin zu modernen Demokratien gemacht. Chile ist wohl der bemerkenswerteste Fall. Das Land hat Deutschland im Index der wirtschaftlichen Freiheit längst überholt. Während Chile hier auf Platz 14 liegt, dümpelt Deutschland mit absteigender Tendenz nur auf Platz 19. Im Kontrast hierzu stehen jedoch die Ergebnisse des zu Ende gehenden Wahljahres 2006, in dem linkspopulistische Meinungsführer und Parteien starken Zulauf bekommen haben.

Lateinamerika Neben der kommunistischen Bastion Kuba sind Venezuela, Bolivien und seit November auch Nicaragua zu nennen. Der selbst ernannte bolivarische Revolutionsführer und venezolanische Präsident Hugo Chavez unterstützt mit seinen sprudelnden Petrodollars sozialistische Bewegungen in ganz Lateinamerika. In Peru mit Ollanta Humala und in Mexiko mit Andrés Manuel López Obrador ist die Rechnung nicht ganz aufgegangen. Dennoch betreiben beide Politiker eine äußerst unangenehme Opposition, die die Massen bewegt und das jeweilige Land unregierbar machen könnte. Als moderater sind dagegen Nestor Kirchner in Argentinien oder der wiedergewählte brasilianische Staatschef Lula einzustufen; dennoch sind beide keine Freunde von freiheitlichen Wirtschaftsreformen. Die Heritage Foundation klassifiziert beide Staaten als wirtschaftlich weitestgehend unfrei, mit Platz 107 beziehungsweise 81.





