Wer regiert die Welt? - Kolloquium im Liberalen Institut

Wer regiert die Welt? „Weiche“ und „harte“ Macht, eine Weltbank, die entwicklungshemmend wirkt, ein internationaler Währungsfonds, dem die Klienten ausgehen, soziales Engagement von Weltkonzernen, neue Formen von Imperialismus in der islamischen Welt, der weltweite Tanz um die goldenen Kälber „Kyoto“ und „Millennium Development Goals“, ein UNO-Menschenrechtsrat, der diesen Namen immer weniger verdient und die Frage nach Macht und Ohnmacht sogenannter Nicht-Regierungsorganisationen: Diese und weitere Themen standen im Fokus von liberal denkenden Intellektuellen aus vier Kontinenten, die sich zu einem Arbeitswochenende im Liberalen Institut in Potsdam versammelt hatten.

Frank Vibert In seinem Eröffnungsvortrag lenkte Frank Vibert, Direktor des in London ansässigen Think Tanks European Policy Forum die Aufmerksamkeit zunächst auf den zunehmenden politischen Einfluss von Körperschaften, die nicht durch demokratische Wahlen legitimiert sind. In den letzten Jahren haben beispielsweise Nicht-Regierungsorganisationen (NGOs), Berater und Auditoren weltweit kontinuierlich an Einfluss gewonnen und wirken immer stärker auf politisches Handeln ein, ohne aber selbst in direkter politischer Verantwortung zu stehen: Ein „Aufstieg der Ungewählten“, so auch der Titel des kürzlich von Vibert veröffentlichten Buches „The Rise of the Unelected“.

Wolf-Dieter Zumpfort Wolf-Dieter Zumpfort, Vorstandsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, befasste sich mit der Funktionsweise der Welthandelsorganisation (WTO) und konnte dabei aus eigener Erfahrung im internationalen Geschäft sprechen, ist er doch seit mehren Jahrzehnten bei einem Dax-gelisteten multinationalen Konzern beschäftigt. Der WTO bescheinigte er seit Jahren einen de-facto-Stillstand, was eine gerechte Ausgestaltung des rasch voranschreitenden Globalisierungsprozesses massiv gefährdet. Die WTO sei nicht in der Lage, ihre eigene Agenda zu erfüllen. Gleichwohl wird selbst diese nur bedingt handlungsfähige Weltorganisation mit überzogenen Forderungen von außen konfrontiert. Die viel zitierte „Gute Regierungsführung“ beispielweise sei zwar erstrebenswert, jedoch sicherlich nicht durch Welthandelsrunden zu erreichen.

Parth Shah Parth Shah, Gründungspräsident des indischen Think Tanks Centre for Civil Society , behandelte vor dem Hintergrund der CSR-Initiative Kofi Annans die Frage, ob Firmen tatsächlich zwingend eine soziale Verantwortung wahrzunehmen haben und erinnerte einleitend an Milton Friedmans bündige These, wonach die soziale Verantwortung einer Firma darin bestehe, ihre Profite zu erhöhen. Shah hält es für falsch, von Unternehmen eine besondere Moralität zu erwarten und betrachtet, wie auch die Diskutanten der Runde, jene von großen Firmen offensiv zur Schau gestellte soziale Verantwortung mit einem gesunden Misstrauen: Altruismus lässt sich in heutiger Zeit hervorragend für Produktmarketing und Kundenbindung nutzen.

Erich Weede Der Politikwissenschaftler, Soziologe und Psychologe Erich Weede stellte die Frage ob sich aus dem schwierigen Prozess des nation building im Nahen Osten eine neue Form des Imperialismus ergibt. Er sieht die Entwicklungen in Ländern wie Irak, Afghanistan und Pakistan pessimistisch, weil die einigenden und vernünftigen Kräfte in diesen Ländern in der Minderheit seien und sich Versuche der Einflussnahme von außen, beispielsweise durch die Vereinten Nationen, Entwicklungshilfe oder Diplomatie als ineffektiv erwiesen hätten.





