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Kunst und Kultur als Wirtschaftsfaktor

Gitta Connemann, MdB und Dr. Hinrich Enderlein
Gitta Connemann, MdB und Dr. Hinrich Enderlein
Namhafte Vertreter aus Kultur, Politik und Wirtschaft diskutierten im Zentrum für Kunst- und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe über die scheinbaren Gegensätze von Kultur und Wirtschaft.

„Liebe zu Kunst und Kultur und wirtschaftlicher Erfolg schließen sich nicht gegenseitig aus“ – in seiner Einführung zum Kolloquium „Kunst und Kultur als Wirtschafts- und Standortfaktor“ fasste der Vorsitzende der Friedrich-Naumann-Stiftung, Dr. Otto Graf Lambsdorff die scheinbaren Gegensätze in einem Satz zusammen. Anlass der Veranstaltung am 29. September war der 60. Geburtstag des Kuratoriumsvorsitzenden Dr. Jürgen Morlok.

Dr. Otto Graf Lambsdorff und Dr. Jürgen Morlok
Dr. Otto Graf Lambsdorff und Dr. Jürgen Morlok
Moderiert von Dr. Hinrich Enderlein, Kuratoriumsmitglied der Friedrich-Naumann-Stiftung, setzte die erste Diskussionsrunde aus Prof. Dr. Rolf Funck, Institut für Wirtschaftspolitik und Wirtschaftsforschung der Universität Karlsruhe, Michael Sieber, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Kunst in Baden-Württemberg, dem ehemaligen Fellbacher Oberbürgermeister Friedrich-Wilhelm Kiel als Kulturbeauftragter der FDP/DVP-Landtagsfraktion und der Bundestagsabgeordneten Gitta Connemann, Vorsitzende der Enquete-Kommission „Kultur in Deutschland“ des Deutschen Bundestages, bereits wichtige Wegmarken. In der Diskussion wurde deutlich, dass der Schein vom Gegensatz des „freien“ und „subventionierten“ Kulturbetriebs trügt. In der Praxis ergänzen sich diese Aspekte meist. Gute öffentliche Kulturförderung ermutigt auch zum privaten Kulturschaffen.

Der Kulturbereich, in dem in Deutschland immerhin mehr Menschen beschäftigt sind als in der Automobilbranche, ist nicht nur wegen seiner Wirtschaftskraft bedeutsam. Er beeinflusst die Lebensqualität in Städten und Ländern, denn „der Mensch lebt nicht vom Brot allein“. Die entscheidende Frage ist allerdings, ob die öffentliche Kulturbürokratie, die die Subventionen verwaltet, diese als „Kulturmandarine“ (so die zitierten Autoren Dirk Maxeiner und Michael Miersch) teuer betreuen sollte. Kreativität lässt sich nicht verwalten und „Kulturleuchttürme“ entstehen am besten in der Atmosphäre von geistiger und wirtschaftlicher Freiheit.

Michael Sieber, MdL und Friedrich-Wilhelm Kiel
Michael Sieber, MdL und Friedrich-Wilhelm Kiel
Im Streitgespräch „Professionalisierung der Kultur – Fluch oder Segen“, moderiert vom Vorsitzenden des rheinland-pfälzischen Kulturkanals Rolf Zitzlsperger, loteten die Referenten das filigrane Verhältnis von Kommerz und Kultur aus. Der Kulturbürgermeister von Karlruhe Ullrich Eidenmüller, der bekannte Politikwissenschaftler Prof. Dr. Jürgen W. Falter, der Direktor des Maecenata Instituts Berlin Rupert Graf Strachwitz, und der Stuttgarter Staatsopernintendant Prof. Dr. Klaus Zehelein, zugleich auch Vorsitzender des Deutschen Bühnenvereins, brachten am Beispiel der Evaluationsproblematik die Schwierigkeiten im Umgang mit öffentlichen Mitteln im Kulturbetrieb auf den Punkt.
Deutlich in beiden Diskussionsrunden wurde, dass der Frage, was die Kunst und Kultur dem Staat wert sein sollte, unvollständig ist. Zentral ist die Dynamik des Kunstschaffens. Die Kreativität der Freiheit ist und bleibt der letztendliche Antriebsmotor, durch den Künstler im Kulturbetrieb Neues schaffen wollen und werden.

Das Thema war hervorragend auf Dr. Jürgen Morlok zugeschnitten, der als profilierter und erfahrener Stiftungsrepräsentant liberale Politik mit Sinn für Kunst und Kultur macht und begleitet. Ihm dankte das Geschäftsführende Vorstandsmitglied, Dr. h.c. Rolf Berndt, in seinem Schlusswort, lobte sein weltweites Engagement, seinen ökonomischen Sachverstand und seine liberale Überzeugungskraft.

Jan Havlik
Regionalbüro Stuttgart
letzte Änderung: 12.09.2008


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