Kubakrise - die Welt kurz vor dem Atomkrieg?
Die Invasion in der Schweinebucht April 1961 und die Kubakrise 1962
Manfred Strack, Vorstandsvorsitzender des Amerikazentrums e.V. Hamburg
Im Oktober 1962 hielt die Welt aufgrund der Kubakrise den Atem an, man war erstmals mit der Gefahr eines Atomkriegs konfrontiert. Vorausgegangen war im April 1961 die US-Invasion der kubanischen Schweinebucht, die scheiterte. Prof. Bernd Greiner vom Hamburger Institut für Sozialforschung diskutierte die Entwicklungen und Hintergründe, anschließend waren alle Anwesenden zum preisgekrönten Film „Thirteen Days“ eingeladen, der jene 13 Tage von der Entdeckung der Abschussrampen bis zur Abwendung der Gefahr der atomaren Konfrontation portraitiert. Stattgefunden hat die Abendveranstaltung in Kopperation mit und in den Räumlichkeiten des Amerikazentrums Hamburg e.V.
Wie kam es zur Invasion in der kubanischen Schweinebucht?
Petra Beckmann-Schulz, Prof. Bernd Greiner
1959 wurde der diktatorisch regierende Staatspräsident Fulgencio Batista gestürzt. Er hatte ein äußerst korruptes Regime geführt, der Protest im Land war stetig angewachsen. Durch seinen Sturz kam es zu tief greifenden Veränderungen, auch zu Enteignungen von US-Firmen gegen Entschädigung. Danach hatten die USA diverse, vor allem wirtschaftliche Anstrengungen unternommen, um Kuba deutlich zu machen, dass es völlig von ihnen abhängig sei. Dies wirkte sich aber nicht wie erwartet aus, so dass man sich nach der anschließenden Diskussion militärischer Optionen für die Invasion entschied.
Während der Sturz Batistas und die folgenden Entwicklungen den Anlass darstellen, der zu einer Reaktion Washingtons führte, ist es für das Verständnis der Invasion und vor allem der Entwicklung von der Invasion zur Kubakrise wichtig, die Hintergründe, hier vor allem die Entwicklung in der Konkurrenz und Konfrontation der Supermächte zu kennen.
Kalküle
Die Entwicklung nach dem Sturz Batistas erlaubte in der Systemkonkurrenz zwischen den USA und der Sowjetunion einen Perspektivenwechsel: Vor 1959 hatte diese Systemkonkurrenz in Europa stattgefunden, die Supermächte standen sich vor allem in Berlin unmittelbar gegenüber. Gerade hier war es zu einer Pattsituation gekommen, die keine Weiterentwicklung zuließ. Mit Kuba wurde diese Konkurrenz erstmals in die Dritte Welt getragen, so Bernd Greiner. Zudem erschien Castro, so unbekannt er auch zunächst gewesen sein mag, mit seinem Anspruch als nicht ungefährlich. Als Kommunist versprach er den Menschen diverse Wohltaten, als Nationalist hatte sein Kurs eine Signalwirkung für alle lateinamerikanischen Staaten.
Da Supermächte ja „die Guten“ sein wollten, sollte die Invasion natürlich keinerlei imperialistischen Anstrich haben. Es sollte die Antwort auf einen „Hilferuf“ sein. Deshalb war vorgesehen, dass Exilkubaner, die zunächst militärisch geschult worden waren, die Hauptarbeit bei der Invasion leisteten. Castro sollte ermordet werden. Die USA versprachen sich von der Kombination dieser Ereignisse - Invasion und Tod Castros - die Erhebung des Volkes als Konsequenz.
Von der Schweinebuchtinvasion zur Kubakrise
Die Invasion scheiterte aus etlichen Gründen. U. a. wird immer wieder auf die ungünstige Situation in der Schweinebucht hingewiesen: Das Hinterland der Bucht ist sumpfig, im Meer wimmelt es von Haien und an Land gibt es Krokodile. All dies ist für eine Offensive nicht ideal. Nach dem Scheitern der Invasion stellte Kuba ein Prestigeobjekt dar: John F. Kennedy hatte quasi mit dieser Aktion sein “Wort verpfändet“, so Bernd Greiner. Er entwickelte nahezu eine Kuba-Obsession. Aber auch Chruschtschow stand im Wort, auch er wollte „der Gute“ sein, ein loyaler Verbündeter und Kuba schützen. Deshalb schickte er nicht nur Gewehre und leichte Geschütze, sondern letztlich Atomsprengköpfe.
Die Eskalation der Entscheidungen und Ereignisse von der Schweinebuchtinvasion zur Kubakrise hatte aller Welt gezeigt, wie nah sie am Abgrund stehen kann.




