Navigation

Zur Startseite

Inhalt

Krise in Mali: Europa darf nicht abseits stehen

Dieser Text erschien zuerst in der Fuldaer Zeitung

Werner Nowak ist Leiter der Westafrika-Projekte der Stiftung für die Freiheit
Werner Nowak ist Leiter der Westafrika-Projekte der Stiftung für die Freiheit
Die Konturen der Rückeroberung des von islamistischen Gruppen okkupierten Norden Malis zeichnen sich immer stärker ab – ob militärisch, ob durch Verhandlungen. Eine Eingreiftruppe mehrerer westafrikanischer Staaten soll von rund 200 Soldaten aus Deutschland, Frankreich, Polen, Italien und Spanien unterstützt werden. Sie sollen nicht in Kämpfe eingreifen, sondern mit Material, Ausbildung, Logistik und militärischer Aufklärung helfen.

Dies haben die Außen- und Verteidigungsminister der Länder beschlossen. In der Vorwoche bereits hatten die Staats- und Regierungschefs der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft CEDEAO-Pläne für die Eingreiftruppe verabschiedet: 3300 Soldaten aus Nigeria, Senegal, Niger, Burkina Faso, Ghana und Togo werden für die Dauer eines Jahres bereitgestellt, um den regulären malischen Truppen beizustehen. Es wird erwartet, dass der UN-Sicherheitsrat Ende November grünes Licht für die Mission gibt. Seit Mitte des Jahres halten drei schwerbewaffnete islamistische Gruppen den Norden Malis besetzt: „Al-Qaida au Maghreb Islamique“ (Al-Kaida im islamischen Maghreb), „Ansar Eddine“ (Verteidiger des Islam) und das „Mouvement pour l’Unicité et le Jihad en Afrique de l’Ouest“ (Bewegung für die Einheit und den Dschihad in Westafrika – MUJAO). Eine vierte Gruppe ist die laizistische Touareg-Bewegung MNLA, die für einen eigenen Staat – Azawad – im Sahel kämpft.

Seither gilt in Nord-Mali der Strafkatalog der Scharia mit Steinigungen, Amputationen und Auspeitschungen. Teils hunderte Jahre alte Mausoleen islamischer Würdenträger, Bestandteile des Unesco-Weltkulturerbes in Timbuktu und Gao, wurden von religiösen Fanatikern geschändet und zerstört, ein Tabubruch, der bald Nachahmer in Libyen fand. Nigerias Präsident Goodluck Jonathan ist deshalb uneingeschränkt beizupflichten, wenn er sagt, dass die Option eines militärischen Eingreifens gegen die bewaffneten Islamisten unumgänglich sei, um desaströse Folgen für Mali, Westafrika und den Rest des Kontinents abzuwenden. Genauso richtig ist es aber auch, daß die CEDEAO weiterhin den friedlichen Weg der Verhandlungen offenhält, auch wenn die Aussichten auf ein Einlenken der Extremisten verschwindend gering sind. Die Verhandlungen der CEDEAO zielen darauf ab, die politischen Anliegen der Touareg von der brutal exekutierten religiösen Agenda der Islamisten zu trennen – nicht ohne Erfolg: Zwischen den Gruppierungen zeigen sich bereits Risse.

„Ansar Eddine“ lehnte vor zwei Wochen öffentlich „den Terrorismus“ ab und
rief stattdessen zum Dialog auf. Und am vergangenen Freitag bekämpften sich MNLA und MUJAO offen und mit Waffengewalt um die Herrschaft über eine wichtige Stadt, Gao. Während sich die militanten Gruppen die Köpfe einschlagen und während die Verhandlungen und Vorbereitungen für eine Militärintervention voranschreiten, verschlechtert sich die humanitäre Situation in Nord- Mali täglich. Nach jüngsten Angaben des Roten Kreuzes, das neun medizinische Hilfszentren im Norden betreibt, sind rund eine halbe Million Menschen in der Region auf Hilfe angewiesen, vor allem Nahrungsmittel fehlen.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle hatte vergangene Woche in Mali und weiteren afrikanischen Staaten Gespräche geführt. Er und sein französischer Amtskollege Laurent Fabius hatten daraufhin ihre Unterstützung für eine internationale Eingreiftruppe in Mali unterstrichen. Zu groß ist die Sorge um ein Übergreifen der Situation auf die instabilen Länder am Westrand des afrikanischen Kontinents. Die Bereitschaft europäischer Regierungen, sich an die Seite der Afrikaner zu stellen, ist ein nicht zu unterschätzendes, positives Signal. Die ungestraft begangenen Menschenrechtsverletzungen der Islamisten sind nur eine, wenn auch besonders abstoßende, Facette der Gefährdung für die Stabilität über Mali und Westafrika hinaus für den ganzen Kontinent.

Werner Nowak

Zur Stiftung in Afrika
letzte Änderung: 21.11.2012


Twitter

Blog des Liberalen Instituts

27.08.2014: Frankreich will wirtschaftsfreundlicheren Kurs mehr...

27.08.2014: Neointerventionismus mehr...

26.08.2014: Ist Uber schlecht für den Steuerzahler? mehr...

Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit

Schaufenster Stiftung