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Südkorea: Chancen der kommunalen Selbstverwaltung

Bislang wurde kommunale Selbstverwaltung in Südkorea meist unter institutionellen und politischen Gesichtspunkten, als politisches Gegengewicht zur nationalen Regierung sowie als System zur Verwaltungsdezentralisierung, diskutiert. Im Zeitalter der Glokalisierung, also der Verbindung der Globalisierung und ihrer lokalen Auswirkungen, ist es jedoch notwendig, kommunale Selbstverwaltung auch unter wirtschaftlichen Aspekten zu evaluieren - insbesondere die Chancen und Herausforderungen der Gemeinden.

Deshalb veranstaltete die Friedrich-Naumann-Stiftung zusammen mit dem Center for Local Autonomy (CLA) der Hanyang Universität, dem langjährigen Partner der Stiftung in Südkorea, in Seoul eine internationale Konferenz mit dem Titel „Local Autonomy and Local Economic Development“. Internationale und südkoreanische Kommunalexperten diskutierten den Zusammenhang zwischen kommunaler Selbstverwaltung und erfolgreicher lokaler Wirtschaftsleistung.

Dr. Peter Röhlinger
Dr. Peter Röhlinger
Die Friedrich-Naumann-Stiftung lud Dr. Peter Röhlinger (FDP), einen der erfolgreichsten ehemaligen Bürgermeister in Ostdeutschland, nach Korea ein, um über liberale Strategien kommunaler Wirtschaftsförderung in Jena zu referieren. In seiner fünfzehnjährigen Amtszeit als Oberbürgermeister hat Dr. Röhlinger die Stadt, die nach der Wende vor großen Herausforderungen und Schwierigkeiten stand, einem tiefgreifenden Strukturwandel unterzogen. Jena entwickelte sich zu einem international wettbewerbsfähigen Industrie- und Wissenschaftsstandort und die Zahl der Arbeitsplätze steigt. „Die wirtschaftlichen Erfolge der Stadt Jena wurden“, so Röhlinger, „mit liberalen Reformkonzepten erreicht.“

Großes Interesse zeigten die Teilnehmer der Veranstaltung, darunter einige neu-gewählte Bürgermeister, kommunale Vertreter und Kommunalwissenschaftler, auch am „Erfolgsmodell Irland“. Der irische Botschafter, S.E. Conor Murphy, nannte zwei Hauptfaktoren für den wirtschaftlichen Erfolg Irlands in den letzten beiden Jahrzehnten: Förderung freier Marktwirtschaft und hohe Subventionen der Europäischen Union, die in Bildung und Infrastruktur flossen. In weiteren Vorträgen stellten drei südkoreanische Bürgermeister ihre Strategien zur Förderung kommunaler Wirtschaftsentwicklung vor, darunter das Anwerben ausländischer Investitionen und die Spezialisierung auf bestimmte Wirtschaftssektoren, wie zum Beispiel den Tourismus.

Der Projektleiter der Stiftung in Korea, Ulrich Niemann, fasste die Diskussionen zusammen und wies auf drei wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche zukunftsfähige kommunale Wirtschaftsentwicklung hin. Erstens, ein Umdenken zu verantwortlicher Regierungsführung (Good Governance), zweitens, langfristige Politikansätze, die auf die demographische Entwicklung und strukturelle wirtschaftliche Veränderungen in den Gemeinden reagieren und, drittens, eine Politik, die auf dem Subsidiaritätsprinzip basiert.

Die Friedrich-Naumann-Stiftung fördert in Südkorea seit 1987 die politische Dezentralisierung mittels internationaler Veranstaltungen, Seminare, Studienreisen und Publikationen, um die demokratische Qualität der Kommunalpolitik zu verbessern.
letzte Änderung: 12.09.2008


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