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Kleinere Klassen – (k)ein Schlüssel zum Schulerfolg?

300 Teilnehmer nahmen bisher an der Diskussion zum Auftakt der Online-Veranstaltungsreihe „Mythen oder Fakten? Schulpolitik auf dem Prüfstein“ teil. Steigen Sie ein...
Mit dem Thema „Klassengröße“ startete die Virtuelle Akademie der Friedrich-Naumann-Stiftung ihre große bildungspolitische Veranstaltungsreihe „Mythen oder Fakten? Schulpolitik auf dem Prüfstein“. Jeden Monat wird eine verbreitete Grundannahme der bildungspolitischen Debatte auf ihre Stichhaltigkeit hin überprüft. Dazu werden ausgewählte Materialien, Diskussionsforen für die Teilnehmer sowie die Gelegenheit zum Dialog mit Experten aus der Wissenschaft geboten.

Im Oktober wurde die These „Die Klassengröße hat keine Auswirkung auf die Unterrichtsqualität“ diskutiert. Als Experte stand Dr. Martin Wellenreuther, Erziehungswissenschaftler an der Universität Lüneburg, den Teilnehmern Rede und Antwort.

In den Diskussionsbeiträgen wurden viele Argumente für kleinere und wenige Argumente für größere Klassen zusammengetragen. Vor allem in der individuellen Förderung jedes einzelnen Schülers sahen die meisten Diskutanten die Grenzen von großen Lerngruppen. In seinem Thesenpapier zum Seminar berichtete Dr. Martin Wellenreuther, dass in vielen Studien keine Relevanz der Klassengröße festgestellt werde, damit erklärt werden könne, dass viele Lehrer ihre Unterrichtsmuster nicht flexibel an die Klassengröße anpassen. Viele Studien zeigten aber auch, dass vor allem in den ersten Schuljahren und bei Schülern aus benachteiligten sozialen Gruppen kleinere Klassen zu deutlichen positiven Effekten führen können.

Im weiteren Diskussionsverlauf verlagerte sich der Schwerpunkt der Debatte zunehmend. Die Grundannahmen zur Gestaltung von Schule, Unterricht und Lernen wurden hinterfragt: „Schlechter Unterricht ist schlecht, auch wenn er in kleineren Klassen stattfindet.“, konstatierte eine Realschullehrerin. Die meisten Diskussionsbeiträge plädierten für einen grundlegenden Wandel hin zur Ermöglichung von individuellen Lernwegen der Schüler unter Anwendung vielfältiger Arbeitsformen im Rahmen reformpädagogischer Konzepte. Einige Teilnehmer gingen dabei so weit, das Organisationsprinzip von Klassen und Jahrgangsstufen grundsätzlich als „anachronistische Frage aus dem Bildungsmuseum“ bzw. als „Schule aus dem 19. Jahrhundert“ in Zweifel zu ziehen. In der Diskussion wurde immer wieder betont, dass die einzelnen Lehrerinnen und Lehrer sowie ihre Arbeitsbedingungen von entscheidender Bedeutung für die „gefühlte Klassengröße“ und gelungenen Unterricht sind.

Zur Verbesserung von Schule und Unterricht wurden zahlreiche Ansätze diskutiert, sowohl im Bereich der Schulentwicklung als auch die politischen Rahmenbedingungen betreffend. Letztere wurden zum Teil massiv kritisiert. „Den Verwaltungsapparat eines Schul-TÜVs könnten sich die Länder womöglich sparen, wenn sie den Eltern ein ernstzunehmendes Mitspracherecht oder Mitteilungsrecht geben“, gab eine Elternvertreterin zu bedenken. Wiederholt wurde mehr Gestaltungsspielraum für die Schulen und die Pädagogen vor Ort eingefordert: „Liebe Bildungspolitik, gebt das Geld nach unten an die Schulen weiter! Die wissen am besten, wie sie dies effizient einsetzen.“ Der Erziehungswissenschaftler Wellenreuther plädierte dafür, an mehreren Punkten gleichzeitig anzusetzen, um die Unterrichtsqualität anzuheben: „Optimierung von Lernmaterialien, verbesserter Lehrerbildung bzw. -fortbildung zusammen mit deutlich kleineren Klassengrößen in den ersten beiden Schuljahren.“

Eine ausführliche Dokumentation der Diskussion mit vielen weiterführenden Informationen können Sie als pdf-Dokument herunterladen.

Über 300 Teilnehmer haben sich bisher für das Online-Angebot „Mythen oder Fakten? Schulpolitik auf dem Prüfstein“ registriert. Auch spätere Einsteiger sind sehr willkommen. Die Anmeldung ist kostenlos und unkompliziert online möglich.
Die nächsten Thesen, die in der Virtuellen Akademie auf den Prüfstand gestellt werden:

„Viele Kinder mit Migrationshintergrund beeinflussen die Leistungsstandards.“
„Der Erwerb sozialer Kompetenzen geht zulasten fachlicher Kompetenzen.“
„Frühkindliche Bildung ist eine Überforderung des Kindes.“
„Verbalbeurteilungen sind Ziffernoten grundsätzlich überlegen.“
„Frontalunterricht ist nicht zeitgemäß und gehört aus der Schule verbannt.“

Das aktuelle Thema

Noch bis zum 19. November steht die These "Viele Schüler mit Migrationshintergrund beeinflussen die Leistungsstandards" auf dem Prüfstein. "Schüler mit Migrationshintergrund" - oder inzwischen auch oft "Schüler mit bestimmten Migrationshintergrund" – schon die Begrifflichkeiten lösen in Deutschland Kontroversen aus.

17.06.2012: 2. Lord Ralf Dahrendorf Lecture

29.06.2012 bis 01.07.2012: Studierende und Entwicklungszusammenarbeit

25.08.2012: dOCUMENTA (13)

Schaufenster Stiftung
Blog des Liberalen Instituts

24.05.2012: Stimulus-Faktoid mehr...

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Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit