Keine Bildung: keine Freiheit, keine Chancen
25 internationale Teilnehmer diskutieren liberale Konzepte zur Bildungsreform
13 der 25 Teilnehmerwaren Frauen Vom 1. bis 12. Oktober führte die Internationale Akademie für Führungskräfte in Gummersbach ein Seminar zum Thema "Keine Bildung: keine Freiheit, keine Chancen" mit vorgeschalteter Online-Phase durch. Die 25 erfolgreichsten Teilnehmer und Teilnehmerinnen aus der Online-Phase nahmen am Präsenzseminar in der Theodor-Heuss-Akademie teil. Lange Einführungen waren dadurch nicht mehr nötig. Das Seminar konzentrierte sich auf die Entwicklung zentraler liberaler politischer Maßnahmen und Konzepte. Schlüsselfragen des Bildungsseminars waren: Welche Reformen brauchen wir und warum? Welche Vorgehensweisen empfehlen sich zur Umsetzung dieser Reformen?
Egal ob die Teilnehmer aus Brasilien oder Guatemala, Serbien oder Ghana, Indien oder den Philippinen angereist waren, sie waren sich darin einig, daß die globalen Bildungssysteme noch weit davon entfernt sind, die Bedürfnisse ihrer Kunden zu befriedigen -- seien es die Bedürfnisse von Schülern oder Studenten oder die der Volkswirtschaften und der Arbeitgeber. Obwohl in vielen Ländern der Staat eine zentrale Rolle bei der Erziehung in der Schule spielt, hat er vielerorts selbst bei der Bekämpfung des Analphabetismus versagt, so z.B. in vielen Ländern in Sub-Sahara-Afrika und in Südasien.
Überall wird über fehlende Gelder im Bildungswesen geklagt. Doch es ist unrealistisch, weitere Erhöhungen öffentlicher Bildungsetats zu erwarten. Dies liegt zum einen am enormen Wettbewerb zwischen den verschiedenen staatlichen Stellen um Steuergelder und zum anderen daran, daß Steuereinnahmen nicht beliebig erhöht werden können. Die Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer erstellten am letzten Tag des Seminars einen Forderungskatalog, der auch finanzielle Aspekte des Bildungswesens berücksichtigt.
Dr. Jürgen Rudolphund Ashish Talwar Hier einige der zentralen Thesen der Seminarteilnehmer zur Finanzierung des Bildungswesens:
"(...) Entscheidungen hinsichtlich Regelungen, Curriculum und Verwaltung von Schulen sollten in den Händen von Regionalparlamenten mit wachsender Partizipation aller Beteiligten ("stakeholders") liegen.
Bildungsinstitutionen sollten finanzielle Unabhängigkeit anstreben und Investitionen aus allen Quellen begrüßen.
Der Privatsektor sollte das Bildungsangebot erweitern und Deregulierung und Delizensierung sollten hierzu einen Beitrag leisten. (...)
Eine von liberalen Grundsätzen geleitete Reformpolitik wurde als äußerst relevanter Beitrag zur Lösung vielfältiger Probleme in den diversen Bildungssystemen gesehen. Beispiele privater Bildung aus den vertretenen Ländern gab es viele. Wie z.B. der indische Journalist Kalbe Abbas Dodhiya zu seinem eigenen Erstaunen bei der Seminarvorbereitung feststellte, schicken viele arme Familien in Indien ihre Kinder auf Privatschulen, da die staatlichen Schulen auf unerträglichem Niveau unterrichten oder gleich über längere Perioden ganz geschlossen sind.

Diskussion im Plenum Im Seminar wurden u.a. diskutiert über eine "liberale Bildungsvision"; politische Prioritäten für das Bildungswesen in Entwicklungsländern; Religion und Bildung; curriculare Reform in Schulen und Universitäten; lebenslanges Lernen; Berufsschulausbildung; sowie Globalisierung und "brain drain". Neben Plenumsdiskussionen, Arbeitsgruppen und Referaten der Moderatoren Stefan Melnik und Jürgen Rudolph, lud die IAF unter der Leitung von Birgit Lamm deutsche Experten zu Gastvorträgen ein. Einige Teilnehmer hielten ebenfalls Vorträge oder stellten Videos und PowerPoint-Präsentationen über Schulen für Arme aus ihren Heimatländern vor.
Mit dem Abschlussabend des Seminars in Gummersbach war die Zusammenarbeit der Teilnehmer aber nicht beendet. Was als Online-Seminar begann, wird jetzt als virtuelles Netzwerk von den Teilnehmern eigenständig weitergeführt: Ein weltweites Netzwerk zu den Themen Bildung, Schule und Liberalismus mit eigenem Internetauftritt ist geplant.
Die Thesen des dritten internationalen Seminars zu liberaler Bildungspolitik und Bildungsreform werden diesem Artikel nach dem 3. November zum Download zugefügt.
Dr. Jürgen Rudolph
Birgit Lamm
Weitere Links zu diesem Artikel
Ein ausführlicher Seminar-Bericht in englischer Sprache von Dr. Stefan Melnik kann hier als pdf heruntergeladen werden:
"Education for profit?"
Drei der Videos, die von den Teilnehmern zum Thema "Bildung für die
Armen" erstellt wurden, können hier angesehen werden (alle in Englisch):
"Adopt-A-School" (externer Link) von Mennen M. Aracid, Philippinen
"Lakeside School" (externer Link) von Mennen M. Aracid, Philippinen
"Brazilian lady talks about education" (externer Link) von Luciano Medina Martins, Brasilien
Der indische Teilnehmer Kalbe Abbas Dodhiya hat in einem Zeitungsartikel über seine Eindrücke in Buchenwald berichtet - erschienen im "Mumbai Mirror", einer der führenden Zeitungen in Indien:
"No More Skeletons" (externer Link)





