Kairo: Ausbildungsprogramme für ägyptische Journalisten

Buchpräsentation: Ronald Meinardus mit Hala Mustafa und Howayeda Mustafa
Ausbildungsprogramme für Journalisten gehören seit vielen Jahren zum Standardrepertoire der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Ägypten. Im Vorfeld der wichtigen Parlamentswahlen, die am 28. November beginnen und auf mehrere Termine verteilt im Frühjahr abgeschlossen sein werden, hat das Regionalbüro der Stiftung in Kairo in Abstimmung mit den Partnern eine Reihe von Trainings für Redakteure und Reporter durchgeführt: Ziel der Maßnahmen war in jedem Fall die Professionalisierung der Journalisten in der Berichterstattung über politische Wahlen.

Cover des Handbuches „Ein großes Problem der ägyptischen Medien bleibt das Fehlen einer systematischen journalistischen Ausbildung wie wir sie etwa in Deutschland haben“, sagt Regionalbüroleiter Ronald Meinardus, der als gelernter Hörfunk-Redakteur als Referent aktiv an den Programmen teilgenommen hat. Zusammen mit dem renommierten Al Ahram Verlag veröffentlichte die Stiftung ein 300-seitiges Handbuch, das in verständlicher Sprache und im Detail die für die Wahlberichterstattung relevanten presserechtlichen Aspekte erläutert, vor allem aber ausführlich auf das komplexe ägyptische Wahlsystem eingeht. Das Lehrbuch ist in einer Auflage von 2000 Exemplaren erschienen und wird seither in allen von der Stiftung geförderten Medienprogrammen eingesetzt. „“Es ist eine Orientierung für Journalisten, die fair, akkurat und ausgewogen über die Wahlen berichten wollen“, sagt die Herausgeberin des Buches, Howeida Mustafa.
Journalistentrainings im Schulterschluss mit der Fakultät für Wirtschaft und Politische Bildung der Kairo Universität haben ebenfalls einen festen Platz in der Programmplanung der Stiftung für die Freiheit in Ägypten. Aus gegebenem Anlass ging es bei einem dreitägigen Workshop Ende Oktober, zu dem sich über 50 Reporter und Redakteure von ägyptischen Printmedien einfanden, um das Thema: „Die Rolle der Medien bei der Beobachtung der Parlamentswahlen“.

Workshop an der Kairo Universität: Meinardus mit Nourhan Sheik und der Dekanin Hala El Saed
Auf dem Weg zu einer demokratischen Medienordnung
Der wichtigste Medienpartner der Stiftung in Ägypten ist indes die Egyptian Radio and Television Union (ERTU). Der staatliche Sender produziert und sendet Fernseh- und Hörfunkprogramme für das ganze Land. Auf Wunsch der Sendeleitung fanden kurzfristig vor der Wahl eine Serie von mehrtägigen Trainingsworkshops statt, auf denen ägyptische Experten die Reporter des Senders in die Regeln einer professionellen Wahlberichterstattung einwiesen und im Sinne der konventionellen politischen Bildung die wahlrechtlichen Gegebenheiten erläuterten.
„Nach der Revolution vom 25. Januar und der Transformation in der Medienlandschaft hin zu einer freien und demokratischen Ordnung haben diese Workshops für uns eine ganz besondere Bedeutung“, sagte Ismail El-Sheshtawy, der Präsident der Hörfunkprogramme bei ERTU, der seit über zwanzig Jahren mit der Stiftung zusammenarbeitet.
Das Ägypten-Projekt der Stiftung hat sich in den zurückliegenden Jahren verstärkt im Bereich Neue Soziale Medien engagiert und bei Bloggern und Bürgerjournalisten einen guten Namen erarbeitet. Das neuartige Engagement soll indes die etablierten Partnerschaften nicht in Frage stellen, sagt Meinardus: „Für uns bleibt die Zusammenarbeit mit Journalisten der traditionellen Medien ein wichtiges Standbein“.
Im kommenden Jahr soll eine weitere Tradition fortgeschrieben werden – die Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle Akademie. Dabei soll es unter anderem um die „journalistische Ethik“ gehen – ein wichtiges liberales Thema, das bis heute in ägyptischen Redaktionsstuben unterbeleuchtet ist.
Download: Handbuch „Medienschaffende und Wahlen“ (arabisch)





