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K.-H. Flach: Grenzgänger zwischen Macht und Medien

Karl-Hermann Flach (1929-1973)
Karl-Hermann Flach (1929-1973)
„Liberalismus heißt Einsatz für größtmögliche Freiheit des einzelnen Menschen und Wahrung der menschlichen Würde in jeder gegebenen oder sich verändernden gesellschaftlichen Situation.“ Dies ist einer der Sätze aus der berühmten Streitschrift „Noch eine Chance für die Liberalen?“ aus dem Jahre 1971, in der Karl-Hermann Flach seine Vorstellungen liberaler Reformpolitik eindrucksvoll formulierte. Neben den „Freiburger Thesen“ legte dieses - heute legendäre - „grüne Buch“ die Grundlagen für ein liberales Reformprogramm in einer Zeit, als das gesellschaftliche Klima zwischen revolutionärer Kapitalismuskritik und gesellschaftlicher Erstarrung polarisiert war.

Schauspieler Benjamin Krämer-Jenster
Schauspieler Benjamin Krämer-Jenster
Die Karl-Hermann-Flach-Stiftung erinnerte nun in Wiesbaden anlässlich ihres 30jährigen Bestehens an ihren Namensgeber, den großen liberalen Politiker und Journalisten Karl-Hermann Flach. Die Sprachlust und intellektuelle Anziehungskraft, die von diesem Manne ausging, wurde in einer beeindruckenden Rezitation längerer Passagen dieser Schrift durch den Schauspieler Benjamin Krämer-Jenster vom Staatstheater Wiesbaden regelrecht nachfühlbar.

Der Vorsitzende der Karl-Hermann-Flach-Stiftung, Herbert Hirschler, hatte die Gäste dieser Jubiläumsmatinee im Presseclub Wiesbaden zunächst herzlich begrüßt und die zentralen beruflichen Stationen des Journalisten und Politikers Flach in Erinnerung gerufen: fast 10 Jahre Redakteur der Frankfurter Rundschau, zunächst als Ressortleiter Innenpolitik, ab 1964 als stellvertretender Chefredakteur; 1959-61 Bundesgeschäftsführer der FDP, dann nach längerer Pause von der aktiven Politik 1971 zum Generalsekretär der FDP auf dem Freiburger Parteitag gewählt; 1972 Einzug in den Deutschen Bundestag und dort tätig als stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

v.l.: Krämer-Jenster, Hirschler, Roitsch-Wittkowsky, Schiller
v.l.: Krämer-Jenster, Hirschler, Roitsch-Wittkowsky, Schiller
Die Journalistin Jutta Roitsch-Wittkowsky, langjährige Ressortleiterin der Frankfurter Rundschau stellte dann in ihrem sehr persönlich gehaltenen Vortrag Flach als einen Grenzgänger „mit innerem Kompass und Charisma“ vor, „dem Hierarchien fremd waren und der eine in sich ruhende Autorität und Menschlichkeit ausstrahlte, die im hektischen Journalismus und im strapaziösen Parteialltag selten war und ist.“ In Redaktionskonferenzen habe er klare aber begründete Meinungsäußerungen gegenüber allen Angriffen und Anfeindungen von außen verteidigt. Pressefreiheit definierte er als „treuhänderisch wahrgenommene Bürgerfreiheit“.

"...solche Trauer und ein solches Gefühl des Verlusts..."

Sein Weggang in die Politik hätte die gesamte Redaktion sehr bedauert. Aber alle Versuche, ihn als stellvertretenden Chefredakteur der Frankfurter Rundschau zu halten, schlugen fehl. Als er am 25. August 1973 völlig unerwartet an den Folgen einer Hirnblutung starb, waren seine journalistischen Kolleginnen und Kollegen zutiefst berührt: „Ich habe eine solche Trauer und ein solches Gefühl des Verlusts in den 33 Jahren meines aktiven Journalismus nie wieder erlebt.“
Die von Max Weber in seiner berühmten Rede „Politik als Beruf“ genannten drei Bedingungen zur Wahrnehmung von Macht – Leidenschaft, Verantwortungsgefühl und Augenmaß – habe Flach auf idealtypische Weise erfüllt. Seine Stärke habe in der Sprache und der Überzeugungskraft gelegen, mit der er für einen modernen Liberalismus warb.

Benjamin Krämer-Jenster
Benjamin Krämer-Jenster
Die Unruhen an den Hochschulen und die Studentenproteste habe er grundsätzlich begrüßt, zunehmend empfindlich reagierte er jedoch Ende der 60er Jahre auf die akademische Linke und den Studentenführer Rudi Dutschke, denen er ideelle Maßlosigkeit, pathologische Unduldsamkeit gegenüber Andersdenkenden und leichtfertiges Gerede von der Revolution vorwarf: „Wer die Massen verschreckt“, so Flach seinerzeit, „sich im Grunde über sie erhebt und sich von der hohen Warte des Intellektuellen über sie lustig macht, der hat das Recht verwirkt, sich als Apostel des gesellschaftlichen Fortschritts aufzuspielen.“ Klar grenzte er sich gegen jede Art von Terror und Gewalt ab: „Man kann nicht Freiheit predigen und Terror provozieren oder produzieren.“ Von der intellektuellen Kraft und Leidenschaft eines Karl-Hermann Flach, so Roitsch kritisch an die Adresse seiner Nach-Nachfolger, sei im zeitgenössischen politischen Liberalismus nichts zu spüren. Dessen radikal-demokratische Liberalität habe heute keine parteipolitische Plattform.
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letzte Änderung: 12.09.2008


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