Israel auf der langen Suche nach seiner Identität
Das Centrum Judaicum bis auf den letzten Platz gefülltWo liegt Israel? Im Orient oder im Okzident, in Europa, in der Levante oder – wie es der formalgeographischen Zuordnung entspricht – gar in Asien? Seit seiner Gründung ist Israel ein Land auf der Suche nach seiner Identität – seiner geografischen, nationalen, religiösen, kulturellen und sozialen. Jede Einwanderungswelle brachte neue kulturelle Elemente in das Land und insbesondere die Zuwanderung von rund einer Million russischer Staatsbürger seit dem Fall des Eisernen Vorhangs - deren jüdische Herkunft häufig unklar ist - hat die israelische Gesellschaft drastisch verändert und die Diskussion um ihre Identität neu entfacht.

Dr. Gabriele Reitmeier, Referatsleiterin Afrika/Mittelmeerländer der Stiftung für die Freiheit Eine Kooperationsveranstaltung der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG) in Berlin widmete sich diesen spannenden Fragen. Eröffnet wurde sie von Dr. Martin Kloke, Mitglied des DIG-Vorstandes, im großen Saal des ehrwürdigen Centrum Judaicums. Dr. Gabriele Reitmeier, Referatsleiterin Afrika/Mittelmeerländer der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit begrüßte im Namen der Stiftung die überaus zahlreich erschienen Gäste und stellte die neue inhaltliche Ausrichtung der Stiftung vor. Es gelte, den Wert der Freiheit in seiner umfassenden Bedeutung von Selbstbestimmung, Selbstverwirklichung und Selbstverantwortung wieder stärker in das öffentliche Bewusstsein zu bringen und die Bürger zu ermutigen, Freiheitsräume und Freiheitspotentiale stärker zu nutzen. Gleichzeitig wolle die Stiftung aber auch für eine Kultur der Verantwortung des einzelnen in der Gesellschaft werben. Dies tue sie sowohl im Inland wie im Ausland in über 60 Ländern weltweit. Darunter seien leider auch immer noch viele, wo es nicht selbstverständlich sei, in Freiheit zu leben, wo viele Menschen im Kampf um ihre persönlichen und bürgerlichen Freiheiten täglich ihr Leben riskierten.

Dr. Alexandra Nocke, Kulturwissenschaftlerin Die Hauptrednerin Dr. Alexandra Nocke untersuchte in ihrem Beitrag die im Entstehen begriffene Mittelmeeridentität innerhalb der israelischen Kultur und Gesellschaft, die sie unter dem Namen "Jam Tichoniut" (hebräisch für Mediterraneanism) vorstellte. Dabei ging sie vor allem zwei zentralen Fragen nach: Welche Rolle spielt das Mediterrane in Kunst und Kultur Israels und welchen Einfluss hat das Mediterrane auf die Entwicklung der israelischen Identität? Für Dr. Nocke fungiert „Jam Tichoniut" als Bindemittel in der stark fragmentarisierten israelischen Gesellschaft. Auch sieht sie in diesem Konzept einen guten Mittelweg auf der Suche Israels nach seiner Identität zwischen West und Ost. Mit Hilfe zahlreicher Beispiele aus Alltagskultur, Werbung, Pop-Musik und Literatur stellte sie das Potential des „Yam-Tichoniut“-Konzeptes für Israel und die gesamte Region vor. In Tel Aviv sieht sie den Ort, an dem sich „Mediterraneanism“ in Israels Alltagskultur am besten zeige: "Wir finden sie im Trubel der Märkte und im gemächlichen Lebensrhythmus heißer Sommertage …..“
Diese so genannte Mittelmeer-Option gilt in Israle als Alternative zu den
bestehenden Kultur- und Identitätsmodellen und ist sowohl im akademischen Diskurs wie in den Medien präsent. Auch Amos Os, der wohl bedeutendste Schriftsteller des Landes entwickelte in seiner jahrelangen Auseinandersetzung mit der Identitätssuche Israels ein eigenes Konzept des „Mediterraneanism“.
Dr. Gabriele Reitmeier





