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Islam, Militär und die Zukunft der Demokratie in Pakistan

Pakistan wurde mehr als die Hälfte seiner Zeit direkt vom Militär regiert und in den Phasen ziviler Machthaber, so auch zum jetzigen Zeitpunkt, übt das Militär großen Einfluss auf Politik, Wirtschaft und Religion des Landes aus. General Talat Masood, der 39 Jahre lang im Dienste des pakistanischen Militärs stand, erörterte die starke Verbindung zwischen Militär und dem Islam bei einer Veranstaltung der Stiftung für die Freiheit in Berlin.

Da Pakistan erschaffen wurde, um einen Staat für die Muslime das ehemaligen Britisch Indien zu haben und es die Aufgabe des Militärs ist, diesen Staat zu schützen, wurde dem Land eine enge Verquickung von Religion und Militär mit in die Wiege gelegt. Islamische Parteien, die zunächst geringen Rückhalt bei den Wählern hatten, wurden von militärischen wie zivilen Regierungen systematisch gefördert, um die jeweils eigene Macht zu festigen.

Dieser Prozess der Islamisierung hat sich mittlerweile verselbständigt. Weder Militär noch die Regierung sind in der Lage ihn aufzuhalten, die Regierung nicht, weil sie noch nicht stark genug ist, das Militär nicht, weil es an Macht verliert. Da die demokratischen Institutionen des Landes schwach und schlecht organisiert sind, hat das Militär nach wie vor viele Freiräume. Dies ändert sich jedoch allmählich, weil Kräfte wie die Medien und die Judikative wachsen, die Zivilgesellschaft gewinnt ebenso an Bedeutung. Auch wenn diese Entwicklungen langsam vorangehen, ist das Land mittlerweile so weit, dass eine erneute Machtübernahme durch das Militär keinen breiten Zuspruch in der Bevölkerung mehr finden würde.

Olaf Kellerhoff, Projektleiter der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit in Pakistan, stellte dar, dass der Islam in Pakistan eine immer wichtigere Rolle spielt. Nicht nur Militär und Regierung auch breite Teile der Bevölkerung bemühen sich, so islamisch wie möglich zu sein. Dies führt dazu, dass im Namen der Religion verübte Verbrechen, wie der Mord an Gouverneur Salman Taseer vielen als legitim erscheint und jene, die die Tat missbilligen, schweigen verängstigt.

Gleichzeitig wächst die teils gewaltsame Auseinandersetzung darüber welche islamischen Gruppen den „wahren“ Glauben vertreten. In Pakistan wird Demokratie per se nicht als etwas Gutes angesehen. Demokratie erleben viele in Form von Korruption, einer ineffizienten Justiz und einem Mangel an staatlichen Strukturen. Dies führt dazu, dass islamische Strukturen bevorzugt werden. Vor diesem Hintergrund ist politische Bildung, die Vermittlung von Wissen über die positiven Seiten von Demokratie besonders wichtig. Die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit widmet in Pakistan sich seit circa 25 Jahren dieser Aufgabe.

Zur Stiftung in Pakistan

Lesen Sie auch: Pakistan am Scheideweg bei dw-world.de
letzte Änderung: 07.09.2011


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