Internationales Colloquium des liberalen Instituts
Vom 2. bis zum 4. September widmete sich das Liberale Institut in seinem jährlichen Colloquium den internationalen Perspektiven von Bildung in einer freien Gesellschaft. Renommierte Bildungsexperten aus England, den Niederlanden, Südafrika, den USA und Deutschland sorgten insbesondere für viele Aspekte, die in der deutschen Diskussion nicht ausreichend berücksichtigt wurden.Gemäß Prof. Kenneth Minogue von der London School of Economics and Political Science sei Bildung die Aufrechterhaltung, Erweiterung und Übertragung der Kultur einer Zivilisation. Bildung befinde sich notwendigerweise im Konflikt mit der Praxis. Im praktischen Leben, sowohl individuell als auch kollektiv, suchen wir Befriedigungen und die Erreichung unserer Ziele. Aber in der Bildung gäbe es keine Befriedigungen und Ziele, die erreicht werden könnten.
Prof. Jaap Scheerens von der Universität Twente wies in seinem Vortrag „The use of international comparative assessment studies to answer questions about educational productivity and effectiveness“ darauf hin, dass einige von der Bildungspolitik als wichtig erachtete Variablen nicht die Unterschiede in der Bildungsproduktivität erklärten. So habe z. B. die Klassengröße keinen signifikanten Einfluss auf die Ergebnisse bei PISA.
Prof. David Berliner von der University of Arizona kritisierte in seinem Vortrag „The state versus the poor. Inequality in education and its origins“, dass in den USA die Armutsraten immer noch zu hoch seien. Armut habe einen großen Einfluss auf den Bildungserfolg. So würden weiße Schüler in internationalen Vergleichen weitaus besser abschneiden als deren schwarze und mehrheitlich ärmere Kollegen.
Prof. Peter Henning von der Hochschule Karlsruhe verdeutlichte in seinem Vortrag „The impact of decentralized knowledge on education“ den Einfluss des extremen Wachstums der Datenmenge und der Halbwertzeit von Wissen auf die Verarbeitung und den Umgang mit Bildung. Im Bereich der Informatik veralte Wissen in drei bis fünf Jahren, während mindestens fünf Jahre notwendig seien, um es aus den Lehrplänen zu entfernen. Die liberale Antwort müsse daher auf das Erlernen von Medienkompetenz vom Kindergarten bis zum Ende der Schule setzen.
Jennifer Marshall von der Heritage Foundation referierte über „The voucher in practice: parental choice in education“ und wies darauf hin, dass ohne Wahlfreiheit im Schulwesen die gesetzliche Anwesenheitspflicht de facto von einer ökonomischen Abgrenzung zu einer Abgrenzung im Bildungsbereich führe. Wahlfreiheit führe zu gleichen Bildungschancen und fördere in erster Linie die benachteiligten Schüler aus Familien mit niedrigem Einkommen und niedrigen Bildungsabschlüssen der Eltern.
Jean Redpath vom südafrikanischen Institute for Voluntary Initiative zeigte in ihrem Vortrag “Children in poverty: schools as nodes of care and support” auf, wie der Staat in ihrem Lande bei der Bereitstellung von Bildungsressourcen versage und Bildung gerade für die Armen verteuere. Entgegen der geläufigen Behauptung, das Privatschule ein Luxus für die Reichen seien, wies sie nach, das gerade die Armen von diesen Einrichtungen profitierten. Privatschulen würden häufig besonders maßgeschneiderte Lösungen für die Bildungsnot der Ärmsten bereitstellen.James Bartholomew vom Institute of Economic Affairs berichtete über “Education without the State” aus einer historischen Perspektive. Die Ausbreitung des Staates im Bildungswesen sei wie der Plan, von Hannover nach Berlin zu fahren, aber in Peking anzukommen. Der Beginn der staatlichen Dominanz im Bildungswesen erfolgte zu einer Zeit, als das private Bildungswesen schon eine gute Qualität und umfassende Versorgung sichergestellt hatte, und war somit überflüssig. Viele Aufgaben, die auch nicht-staatliche Bildungsinstitutionen mit hoher Qualität erfüllt hätten, sind zunehmend durch den Staat in der Regel in geringerer Güte vorgenommen worden.
Kritisch befasste sich Prof. Ulrich van Lith, Rhein-Ruhr-Institut für Wirtschaftspolitik, mit der Rolle der EU im Bildungsbereich. „End of subsidiarity? Education and the EU” lautete der Titel seines Vortrages. Die EU könne im Bildungsbereich dann eine positive Rolle spielen, wenn sie den Wettbewerb im Bildungswesen durch Öffnung der Märkte stimuliere. Eine Angleichung der Bildungssysteme sei dafür nicht erforderlich.
Ende Oktober 2005 wird das Liberale Institut Publikationen mit den Referaten des Kolloquiums herausgeben und dies gesondert ankündigen.





