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Internationale Tagung: Wo steht der Iran heute?

Iranische Künstlergruppe AHURA
Iranische Künstlergruppe AHURA
Der mittlerweile einzige fest in Teheran ansässige deutsche Journalist Martin Ebbing und der Hauptgeschäftsführer der Deutsch-Iranischen Handelskammer in Teheran, Daniel Bernbeck, begegneten sich bei der Iran-Tagung der Theodor-Heuss-Akademie (THA) zum ersten Mal. Mit zahlreichen weiteren, im intensiven Austausch mit Iran stehenden Experten auf dem Podium und im Publikum sorgten sie für eine intensive Tagungs-Atmosphäre. Dazu trug künstlerisch die international arrivierte Musik-Gruppe AHURA bei, die es am Samstagabend vermochte, die Tiefe der iranischen Kultur durch eine spirituelle Kombination klassischer Texte und (alt-)persischer Musik nahezubringen. Vier Künstler – an den Instrumenten Ney/Oud, Harfe, Rahmentrommel und Cello – begeisterten in der Panoramahalle der Akademie das aus ganz Deutschland angereiste gemischt deutsch-iranische Publikum.

SWP-Nahost-Experte Guido Steinberg
SWP-Nahost-Experte Guido Steinberg
Am ersten Abend eröffneten Tagungsleiter Klaus Füßmann (THA) und der Vorsitzende des „Verbandes Iranischer Hochschullehrer und Akademiker“ (VIHA) in Deutschland, Prof. Nosrat Firusian, die Veranstaltung. Anschließend zog Martin Ebbing im Eröffnungsvortrag eine kenntnisreiche und differenzierte Bilanz der aktuellen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Situation im Iran: Einerseits gibt es eine Reihe erfreulicher, vor allem zivilgesellschaftlicher Entwicklungen – etwa das hohe Bildungsniveau Jugendlicher oder das Engagement von Frauen in unterschiedlichen Bereichen der Gesellschaft. Andererseits ist die politische Situation durch das Kaltstellen der Reformer geprägt, und wirtschaftlich plagen Misswirtschaft und Inflation die Bevölkerung. Den analytischen Blick auf die Beziehungen des Irans zu den arabischen Nachbarstaaten unternahm am zweiten Tag Guido Steinberg, Nahostexperte der „Stiftung Wissenschaft und Politik“ in Berlin. Die Regionalmacht Iran habe durch den Regime Change im Irak eine Aufwertung erfahren, die ihm u. a. intensive Kontakte zu allen bedeutenden Akteuren im Land des ehemaligen Kriegsgegners erlaube. Dadurch ist der seit der schiitischen Revolution von 1979 sensibilisierte, „natürliche“ arabische Kontrahent Saudi-Arabien auf den Plan gerufen. Mit Blick auf das traditionell eher iran-freundliche Syrien zog Steinberg ein strategisches Verhältnis Damaskus-Teheran in Zweifel, habe doch Syrien überraschenderweise an der US-initiierten Nahost-Konferenz in Annapolis teilgenommen.

Prof. Mohssen Massarrat referiert zum Konflikt um das iranische Atomprogramm
Prof. Mohssen Massarrat referiert zum Konflikt um das iranische Atomprogramm
Den Konflikt um das iranische Atomprogramm behandelte der emeritierte Osnabrücker Politikwissenschaftler Prof. Mohssen Massarrat, dessen Analysen in der Perspektive mündeten, eine Art KSZE-Prozess im Nahen und Mittleren Osten zu installieren, bei dem er den Europäern übrigens vehement eine eigenständige (von den USA unabhängige) Position zuschrieb.

Iran
Iran
Der Samstagnachmittag bestand aus einer Reihe kürzerer, zum Teil kulturell ausgerichteter Vorträge. Armin Triebel vom Sozialwissenschaftlichen Studienkreis für interkulturelle Perspektiven e.V. in Berlin schilderte Chancen und Probleme des deutsch-iranischen Wissenschaftsaustausches. Wolfgang John, Projektleiter der Stiftung im Südkaukasus, stellte die politischen Bildungs- und Beratungsprojekte in Irans nördlichen Nachbarstaaten Aserbaidschan, Armenien und Georgien in Grundzügen dar und kam natürlich auch auf die aktuellen Kriegsereignisse in Südossetien und Georgien zu sprechen. Und schließlich schilderte die Facility-Managerin und Diplom-Ingenieurin Mandana Banedj-Schafii aus der eigenen Erfahrung Projekte zur Gesundheitsförderung im Iran. Bei der Gelegenheit ist der Hinweis unverzichtbar, dass kaum ein anderes Land der Welt über soviel technische und künstlerische Intelligenz, materielle und geldliche Mittel im Ausland – insbesondere Europa und Nordamerika - verfügt wie der Iran. Teil der Tragik dieses Landes, das (wie Deutschland?) ein schwieriges Vaterland ist.
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letzte Änderung: 23.10.2008


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