Indonesien: Journalistenpreis 2005/2006 vergeben
Bereits zum fünften Mal hat die Stiftung für liberale Politik ihren Preis für Radiojournalisten in Indonesien vergeben. Thematisch im Mittelpunkt des diesjährigen Wettbewerbs standen die Direktwahlen zu Führungspositionen der Exekutive (Bürgermeister, Landräte), die seit Juni 2005 zum ersten Mal in der Geschichte des Landes ausgetragen wurden.Die noch junge indonesische Demokratie hat seit Juni 2005 mit der Einführung von Direktwahlen einen weiteren wichtigen Schritt zur Vertiefung und Festigung demokratischer Institutionen gemacht. Noch liegen keine umfassenden und ausführliche Untersuchungen und Auswertungen dieser Wahlen vor. Politisch sind die etwa 230 Direktwahlen insgesamt jedoch als grosser Erfolg zu werten. Zwar gab es in ca. 10% der Fälle Unregelmässigkeiten, auch zu gewalttätigen Ausschreitungen ist es vereinzelt gekommen, allerdings werden die direkt gewählten Amtsträger alleine aufgrund des neuen Wahlverfahrens mit Sicherheit ein anderes Verhältnis zum Bürger entwickeln, als ihre Amtsvorgänger. Natürlich sind viele Amtsinhaber wiedergewählt worden. Auch die Kosten der Wahlkämpfe sind teilweise beträchtlich gewesen, wenn man diese beispielsweise mit Deutschland vergleicht. Kandidaten von Militär und Polizei konnten sich weitgehend nicht gegenüber ihren zivilen Mitbewerbern durchsetzen. Zukünftig kann die Zivilgesellschaft das Gebaren der neuen Amtsinhaber sehr genau beobachten. Amtsmissbrauch und Korruption können dadurch vielleicht verringert werden. Auch die Wahlgesetzte müssen einer kritischen Prüfung unterzogen werden, haben sich doch einzelne Vorschriften in der Praxis nur bedingt bewährt.
Ein wichtiges Ziel der Stiftungsarbeit in Indonesien ist die Förderung eines professionellen Journalismus. Damit will die Friedrich-Naumann-Stiftung einen Beitrag zur Entwicklung der noch jungen Demokratie leisten. Ohne freie und unabhängige Medien kann keine Demokratie funktionieren. Gemeinsam mit dem indonesischen Verband der privaten Rundfunkanstalten (PRSSNI) hat die Stiftung bereits zum fünften Mal diesen sehr begehrten Medienpreis verliehen. Die Direktwahlen zu Ämtern der Exekutive war als Thema für den Wettbewerb ausgesucht worden. Austragungsort der feierlichen Preisverleihung war die Hafenstadt Surabaya, die zweitgrösste Stadt Indonesiens. Der Gastgeber, die PETRA-Universität, hatte sich mächtig angestrengt, eine gute Kulisse bereitzustellen. Die neun Preisträger in den drei Kategorien (Reportage, Mini-Feature, Interview) kamen aus unterschiedlichen Regionen. Eine gewisse Dominanz javanischer Journalisten war jedoch eindeutig festzustellen. Nach Aussagen des Vorsitzenden der Auswahlkommission, Errol Jonathans, Programmdirektor von Suara Suarabaya, hat sich gegenüber den Vorjahren das journalistische Niveau weiter verbessert. Zukünftig sollen separate Kategorien auch für den öffentlichen Rundfunk eingerichtet werden. Den verschiedenen Facetten der ersten Direktwahlen sind die Jounalisten in ihren Beiträgen gefolgt. Die diesjährigen Preisträger waren:
Kategorie Mini-Feature
1. Preis: Sandra Sahelangi (KBR 68 H, Jakarta) für ihren Beitrag zur “Unabhängigkeit der Jounalisten bei den Direktwahlen?”
2. Preis: Nita Roshita (KBR 68 H) für “Der Wahlgewinner”
3. Preis: Sutami (KBR 68 H) für den Beitrag “Gebürtig in Papua!”
Kategorie Reportage
1. Preis: Emma Halim (Smart FM, Banjarmarsin) für den Beitrag “Die Enthüllung der Eigentumsverhältnisse der Kandidaten”
2. Preis: Klatria Subagya, Arman, Erlangga und Rizal M. Kholid (Joss, Tulungagung) für “Die Wahlkommission und die Missverständnisse im Hinblick auf die Finanzierung der Direktwahlen”
3. Preis: Dewi Kartika Ratri und Budi Sulistya (Suara Patria FM, Blitar) für “Der verbrannte Wahlzettel”
Kategorie Interview
1. Preis: Iwan Bahtiar, Mayangkara FM, für “Bestechungsversuche bei der Wahl oder nicht?“
2. Preis: Nisa Nandini, Kembang Sore Tulungagung, für “Die Wahlniederlage des Amtsinhabers in Trenggalek”
3. Preis: Jounalistenteam Smart FM, Banjarmarsin für “Auswertung der Wahlkampagne bis zum Wahltag”
Dr. Rainer Adam, Stiftungsvertreter, Jakarta





